Experten empfehlen eine Holzpelletheizung für den Beerfeldener Bauhof

Inzwischen ist es auch schon wieder ein Dreivierteljahr her, dass die Stadtverordneten erstmals über die Alternativen bei einem Heizungsaustausch am Bauhof informiert wurden. Ging damals die Tendenz eindeutig zu einer Holzpellets-Anlage, so ließ der zwischenzeitliche Preisverfall beim Erdöl diese Ansicht bei manchen ins Wanken geraten. Die Experten blieben bei der erneuten Vorstellung im Gremium allerdings bei ihrer Aussage: Schon allein aus Vorbildfunktion sollte die Gemeinde auf regenerative Energien setzen. Daneben lasse sich eine Holzpellet-Heizung wirtschaftlich betreiben.

Die Ölkesselanlage im Bauhof hat schon 30 Jahre auf dem Buckel und muss per Gesetz ausgetauscht werden. Diplom-Ingenieur Günter Hoffart vom Michelstädter Büro Braun stellte jetzt nochmals der Stadtverordnetenversammlung mögliche Varianten vor. Sein Fazit: Auch wenn sie von der Anschaffung her um einiges teurer sei, sollte unter Klimaschutz-Gesichtspunkten eine Holzpellet-Befeuerungsanlage eingebaut werden.

Wie Hoffart informierte, stammt die jetzige Anlage aus dem Jahr 1986 und habe einen durchschnittlichen Heizöl-Verbrauch von etwa 12.000 Litern im Jahr. Sie arbeite „nicht wirtschaftlich und effektiv“. Überalterte Kessel seien „deutlich unwirtschaftlicher als moderne Wärmeerzeugungsanlagen“. Laut dem Ingenieur hat die öffentliche Hand eine Vorbildfunktion, wenn es um den Einsatz von erneuerbaren Energien zur Wärmeerzeugung gehe. Eine Holzhackschnitzelanlage sei schlecht zu realisieren, weswegen Holzpellets die bessere Alternative seien.

Man könne die Effizienz der Anlage im Bauhof erhöhen, erläuterte Hoffart, wenn über eine Nahwärmeleitung die benachbarte Alte Turnhalle ebenfalls angeschlossen werde. Ein wirtschaftliches Konzept ergebe sich dann, wenn die Holzpelletanlage zur Abdeckung der Grundlast und die Ölkessel-Heizung der Sporthalle für die Spitzenzeiten verwendet würden. Letztere stamme aus dem Jahr 2001 und dürfe noch 16 Jahre in Betrieb sein.

Preislich etwa gleich mit einer Summe zwischen 40.000 und 42.500 Euro kommen laut Hoffart wahlweise die Demontage der Anlage im Bauhof und der Einbau einer Nahwärmeanlage zur Sporthalle oder der Einbau einer neuen Ölheizung im Bauhof. 100.000 Euro mehr würde eine neue Pellet-Kesselanlage im Bauhof kosten, an die gleichzeitig per Nahwärmeleitung auch die Turnhalle angeschlossen würde.

Interessant wird es nach den Worten des Ingenieurs, wenn man die jährlichen Brennstoffkosten vergleicht. Hier schneide eine Pelletanlage 8000 Euro besser ab als die Öl-Variante. Wobei Hoffart einräumte, dass die Berechnung nicht die aktuell sehr niedrigen, sondern die Heizölpreise im Mittel der vergangenen Jahre heranziehe. Hochgerechnet auf die Laufzeit würde sich eine Pelletanlage ohne Beachtung der Fördermittel von 30 Prozent nach etwa zwölfeinhalb Jahren amortisieren – bei einer rechnerischen Lebensdauer von 15 Jahren. Inklusive von 30.000 Euro Zuschuss wären es neun Jahre.

Klimaschutzmanager Eric Maercker vom Odenwaldkreis untermauerte Hoffarts Aussagen, dass sich eine Holzpelletanlage rechne. Seinen Worten zufolge lässt sich diese auch vor dem Hintergrund niedriger Erdölpreise über einen Zeitraum von 15 Jahren – die Zuschüsse eingerechnet – im Vergleich zu einer Ölheizung wirtschaftlich betreiben. Auch Maercker hatte allerdings für seine Berechnung nicht die derzeit sehr niedrigen Ölpreise angenommen, sondern einen fiktiven Mittelwert.

Wie der Klimaschutzmanager sagte, rüste der Odenwaldkreis bei einer Heizungssanierung nur noch auf erneuerbare Energien um. Damit betreibe man auch Absicherung gegen steigende Primärenergiepreise. Ölpreise seien immer spekulativ, betonte er. Nachfragen aus dem Gremium gab es zur Warmwasserversorgung im Bauhof und zur Entwicklung des Ölpreises. In diesem Zusammenhang kam zur Sprache, dass auch Holzpellets in ihren Kosten schwankten. Ebenso wurde die Option Hackschnitzelanlage thematisiert, zu der es allerdings von Stadtbaumeister Peter Bauer eine klare Absage gab. Eine Entscheidung soll nach der Sommerpause fallen.

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