Nach fast neun Jahren kehrt die in der Bretagne entlaufene Hündin „Aura“ zu ihrer Besitzerin in den Odenwald zurück

Für Marita Fischer ist es „einfach nur ein Geschenk des Himmels“. Sie ist überglücklich, ihre „Aura“ wiederzuhaben. Die Deutsch-Drahthaar-Hündin ist nicht mal so von Zuhause ein paar Tage entlaufen. Sondern vor fast neun Jahren in der Bretagne. Fischer hatte die Hoffnung nie aufgegeben, während alle anderen die Hündin für tot gehalten hatten. Und ihre Hartnäckigkeit wurde belohnt: Plötzlich kam Ende Mai die Nachricht, dass die Hündin noch lebte. Wenn auch unter anderem Namen: Aber Marita Fischer erkannte Aura sofort.

Die Finkenbacherin, jetzt in Falken-Gesäß wohnhaft, erinnert sich noch an den schlimmen Tag, als wäre es gestern gewesen. Es war der 5. September 2007, als sie mit ihrem Mann Heinrich Urlaub in Plogoff machte. Dabei waren auch die drei Hunde, neben Aura Schwester „Alpha“ und die Mutter „Cindy“. Alle drei richtige Wasserratten. Aura dazu noch eine passionierte Möwenjägerin.

Die Hunde stürzten sofort Richtung Meer, als sie sie von der Leine ließ. „Cindy kam nach einer Stunde wieder zurück“, erzählt Marita Fischer, „Aura habe ich das letzte Mal auf der anderen Seite der Bucht gesehen“, als sie den Möwen hinterher schwamm. Später sei nur noch das Bellen der Hündin zu hören gewesen. Schwester Alpha tauchte am nächsten Tag wieder auf, da sie von Spaziergängern zu einem bekannten Tierarzt gebracht worden war, über den wiederum die Besitzerin informiert wurde.

Nach Aura suchte Marita Fischer aber den ganzen Abend und die ganze Nacht vergeblich. „Ich meinte immer wieder, ihr Bellen zu hören.“ Das war am zweiten Tag des Urlaubs in der Bretagne, womit dieser in den restlichen drei Wochen einen unschönen Verlauf nahm. „Das war für mich alles ganz, ganz schlimm“, beschreibt die Hundenärrin die damalige Situation. Sie habe sofort ihre Schwester in Deutschland angerufen, damit Aura bei der Organisation „Tasso“ als gesuchter Hund eingestellt wurde.

Hatte Marita Fischer im ersten Moment noch gedacht, dass Aura vielleicht erschossen worden wäre – weil sie in der Nacht einen Schuss gehört hatte -, verfestigte sich danach ihre Überzeugung immer mehr, dass die Hündin noch lebt. „Mein Mann dachte, sie wäre ertrunken“, erinnert sie sich. Aber sie gab über acht Jahre lang nicht auf. „Ich habe mir immer wieder gesagt: Aura lebt, was wird sie wohl machen.“

Als Fischer nach der Trennung von ihrem Mann nach Falken-Gesäß gezogen war, fand sie vor drei Monaten in den Umzugskartons alle Unterlagen von damals wieder. Wie es der Zufall will, sah sie dann Ende Mai die Anzeige der Organisation „Tiere in Not Odenwald“ (Tino), dass eine 13-jährige „Toupie“ zu vermitteln sei. „Ich bin am Freitag sofort zur Pflegestelle in Bad König gefahren“, schildert sie ihr rasches Handeln, nachdem das veröffentlichte Bild ihrer Aura aufs Haar glich.

Die körperlichen Merkmale ließen sich wegen der vielen Jahre zwar nicht mehr erkennen, aber Marita Fischer ist sich nach wie vor sicher: „Das ist meine Aura.“ Denn die Hündin, obwohl taub und ohne Zähne, sei sofort zu ihr und ihrem Mann gekommen. „Ich war bewegt und musste erst einmal stark weinen“, sagt sie über das Wiedersehen nach bald neun Jahren. „Ich kann es bis heute nicht glauben“, ist die Hundefreundin für diese schöne Laune des Schicksals sehr dankbar.

Dass Aura überhaupt in den Odenwald kam und damit als Pflegetier inseriert wurde, beruhte ebenfalls auf einem großen Zufall. Denn aus Frankreich wurde die Hündin von der Tierschutzinitiative Frankfurt geholt, die sich um herrenlose oder in Heimen befindliche Tiere kümmert. Da die Betreuerin in der Mainmetropole aber krank wurde, schickte sie Aura zur Pflege in die hiesige Region.

Wie die Hündin allerdings von Frankreich nach Frankfurt gelangte, konnte Marita Fischer noch nicht in Erfahrung bringen. Das steht nach der ersten Wiedersehensfreude aber noch ganz oben auf ihrer To-do-Liste. Da Aura aber sehr verwahrlost war, nimmt sie fast an, dass sie lange in der Gegend herumstreunerte. Sie hatte eine fast kahle Stelle und litt an Barbeliose. Jetzt wird sie von Fischer gehegt und gepflegt, damit sie noch einen schönen Lebensabend verbringen kann. Die Rückkehr ist für die Falken-Gesäßerin auch fast zwei Monate später immer noch „ein Geschenk des Himmels“.

Auras Mutter Cindy wurde stolze 16 Jahre alt und so hofft Fischer, dass auch die Tochter noch ein paar schöne Monate im Kreise ihrer fürsorglichen Betreuer verleben kann. Sie ist die letzte aus dem damaligen Wurf von 13 Welpen, die noch am Leben ist. Schwester Alpha starb vor wenigen Monaten. „Die Nase geht noch und sie kriegt mit, was alles kreucht und fleucht“, sagt sie. Aber Auras Beine machten dann doch nicht mehr so richtig mit. Sie ist sehr auf ihre Besitzer fixiert „und will nicht mehr allein bleiben“.

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