Unkonventioneller FDP-Vorschlag für Sanierung der Straße von Brombach nach Heddesbach

Zugegeben, die Idee ist ungewöhnlich. Aber sie hat was. Kann der gordische Knoten Gemeindeverbindungsstraße zerschlagen werden? Von der FDP-Kreistagsfraktion Rhein-Neckar gibt es nun einen interessanten Vorschlag, wie die im Winter entwidmete Strecke doch wieder verkehrstüchtig gemacht werden könnte. FDP-Fraktions- und Kreisverbandsspitze erläuterten diesen der Bürgerinitiative (BI) bei einem Vor-Ort-Termin mit Begehung.

Zum Hintergrund: Die seit 1963 bestehende Straße zwischen der badischen Exklave Heddesbach und dem zu Eberbach gehörenden 350-Seelen-Dorf Brombach war im Winter für immer geschlossen worden, da sie von den Behörden mit ihren tiefen Schlaglöchern als nicht mehr verkehrssicher betrachtet worden war. Eine Sanierung wurde auf 600.000 bis 750.000 Euro geschätzt. Geld, das weder Heddes- noch Eberbach haben.

Daraufhin hatte sich die BI gegründet, die seither für die Wiederöffnung bzw. Sanierung trommelt. Eine Petition mit 700 Unterschriften wurde an den baden-württembergischen und hessischen Landtag gerichtet. Denn zum einen bedeutet die Schließung einen zehn Kilometer langen Umweg ins Ulfenbachtal, zum anderen ist Brombach jetzt nur noch durch eine ebenfalls sanierungsbedürftige Kreisstraße über hessischen Grund erreichbar.

Den jetzt notwendigen Umweg für die Brombacher, wenn sie Richtung Westen nach Heddesbach, Heiligkreuzsteinach oder gleich an die Bergstraße wollen, nimmt die FDP als Hintergrund für ihren Antrag zur Haushaltsberatung 2017. Denn die Instandsetzung der Ortsverbindungsstraße soll mit Klimaschutzmitteln bis maximal 400.000 Euro bezuschusst werden. Der stellvertretende Kreisvorsitzende Dietrich Herold begründete diese Argumentation mit erheblichem zeitlichem Mehraufwand und höheren Kraftstoffverbrauch, daraus folgend eine entsprechend größere Umweltbelastung. Und das laut Herold im Naturpark Neckartal-Odenwald.

Die FDP stellt sich eine einfache, jedoch verkehrssichere Instandsetzung der Straße vor. Zusätzlich zu den 50 Prozent Geldmitteln vom Kreis soll die andere Hälfte vom Land, von der Stadt Eberbach, von Heddesbach und von den Waldbesitzern aufgebracht werden. Denn die Anbindung einer Ortschaft durch lediglich eine einzige öffentliche Straße, die zudem noch durch Wald führe, „ist im Rhein-Neckar-Kreis einzigartig“. Außerdem, so Herold: „Wenn Fahrradständer aus Klimaschutzmitteln gefördert werden, dann kann man daraus auch eine Straße sanieren, was zu weniger Kohlendioxid-Ausstoß führt.“

Seitens der BI zeigte sich Sprecher Matthias Heinzmann vom FDP-Vorschlag angetan. Denn dieser sei die erste wirkliche Resonanz auf die Aktivitäten der BI. Auf die Petitionen habe man bisher keine Antwort erhalten. Er machte darauf aufmerksam, dass Brombach von der Außenwelt abgeschnitten sei, wenn auf der letzten Zufahrtsstraße etwas passiere. Fast wäre dies letztens schon der Fall gewesen, als ein Stück Asphalt auf einem Meter Durchmesser wegen Unterspülung einbrach – zum Glück am Rand.

Heinzmann wies daneben darauf hin, dass die Zufahrt von Hirschhorn kommend sowieso durch Hessen Mobil saniert werden müsse. Und das unter Komplettsperrung, weil die Strecke zu eng ist. Im Gespräch sei das Jahr 2018. Anstatt hier aufwändig eine Umfahrung durch ein Naturschutzgebiet herzurichten, sollten die hessischen Mittel doch besser in die Sanierung der badischen Gemeindeverbindungsstraße mit investiert werden. Wenn erst einmal Mittel vorahnden seien, „rollt der Rubel auch von anderer Seite her“, sah er einen Dominoeffekt.

FDP-Kreisvorsitzender Alexander Kohl würdigte in seiner Begrüßung den „Super-Lösungsansatz“, aus verschiedenen Töpfen die Gelder zusammenzubringen. Leimens Erste Bürgermeisterin und Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Claudia Felden, wies darauf hin, dass eine Hochstufung zur Kreisstraße rechtlich nicht möglich sei. Deshalb gelte es kreativ nach einer Lösung zu suchen. Die Partei stelle sich vor, dass der Rhein-Neckar-Kreis einen Runden Tisch organisiere, um sich gemeinsam abstimmen zu können. Mit Kohl war auch die stellvertretende Kreisvorsitzende Helga Bender zum Termin gekommen.

Felden sagte, dass etwa zwei Drittel der Brombacher früher die jetzt entwidmete Straße nutzten. Sie sei nicht nur für Pendler, sondern auch für Dienstleister, Versorger und Rettungsfahrzeuge wichtig. Eine Bürgerbefragung habe ergeben, dass sie täglich von etwa 120 Autos befahren werde. Dazu kämen noch etliche Auswärtige – wie auch passenderweise beim Termin, als eine ganze Motorradkolonne den Berg hinunter rollte, gefolgt von einem sehr langsam fahrenden, tiefer gelegten Porsche. Grund: Die Strecke wird immer noch in Routenplanern geführt.

Advertisements