Der letzte katholische Pfarrer von Beerfelden, Richard Benner, feiert am 31. Juli sein 50. Priesterjubiläum

„Jener muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ Diesen Spruch aus Johannes 3,30 hat sich Richard Benner vor 50 Jahren aus Anlass seiner Priesterweihe als Leitsatz gewählt und seitdem immer danach gehandelt. Wenn man den agilen, fast 75-Jährigen im neben der Kirche liegenden Pfarrhaus besucht, ist es kaum zu glauben, dass er am kommenden Sonntag schon sein goldenes Priesterjubiläum feiern wird. Denn der Geistliche sprüht noch vor Elan und Tatkraft.

Er wolle, so Pfarrer Benner, „an diesem Tag Gott danken, aber auch all den Menschen, die mir begegnet sind“. Keine Herde könne ohne Hirte sein, „aber der Hirte ist nicht ohne die Herde denkbar“. Er habe sich an all seinen Wirkungsorten getragen gewusst „vom Vertrauen und gemeinsamen Glauben der mir anvertrauten Menschen“, meint der aus Gießen stammende Priester, der auch nach fünf Jahrzehnten mit jeder Pore seinen Glauben beeindruckend lebt.

Auf den Tag genau zum jetzigen Festgottesdienst empfing Richard Benner am 31. Juli 1966 im Dom zu Mainz die Priesterweihe durch den damaligen Bischof Hermann Volk. Der am 3. November 1941 geborene Benner hatte zuvor nach dem Abitur sechs Jahre lang in Mainz studiert und dort auch seinen Abschluss gemacht. Welch „komische Karriere“ ihn in den ersten 20 Jahren seiner Tätigkeit erwarten würde, hätte er sich damals auch nicht ausgemalt, sagt der Pfarrer schmunzelnd.

Nach Kaplanstellen in Mainz-Bretzenheim und -Mombach wartete eine „Telefonkarriere“ auf ihn, so Benner. Zuerst ging es per fernmündlichen Wunsch nach Osthofen, um dort für sechs Wochen nach der Pensionierung seines Vorgängers bei den Gottesdiensten auszuhelfen. „Daraus wurden 16 Jahre“, erinnert er sich. Plus zusätzlich 16 Stunden Schulunterricht, der für ihn Neuland war. „Das war eine harte Zeit“, sagt er im Rückblick. „Jahre später klingelte dann wieder das Telefon. „Können Sie nicht noch die Pfarrei Bechtheim mit übernehmen“, hieß es. Zum Schluss und noch zwei Anrufe später, lächelt Benner, „hatte ich vier Pfarreien mit 4000 Katholiken“.

1985, als er sich dann für eine neue Pfarrei entscheiden konnte, kam Richard Benner als Pfarrer nach Beerfelden und zu St. Luzia und St. Odilia Hesselbach – obwohl er die Orte vorher gar nicht kannte und erst einmal auf der Landkarte suchen musste. „Trotzdem entschied ich mich dafür“, weil er eine kleinere Pfarrei wollte. Und blieb. Für immer. Als letzter Pfarrer. Denn „nach mir wird es hier keinen Geistlichen mehr geben“, weiß er, da die Stelle nicht mehr besetzt werde.

„Ich will gerne noch weitermachen“, meint Pfarrer Benner nicht nur vor dem Hintergrund, dass seine Schäfchen dann weiterhin einen Seelsorger in der Nähe haben und nicht von Erbach aus mitbetreut werden. Für 18 Dörfer auf 145 Quadratkilometern Fläche ist er zuständig. „Was soll ich als Pensionär auch machen“, kokettiert er daneben mit der Langeweile im Ruhestand. Und im Pfarrhaus kann er mangels Nachfolger sowieso wohnen bleiben.

1200 Katholiken betreut Pfarrer Benner derzeit noch in den verschiedenen Orten. Als er anfing, waren es noch fast 1500. „Seit 1985 sind die Gemeinden um 25 Prozent geschrumpft.“ In den ersten Jahren habe er in der Oberzent „Aufbauarbeit betrieben“, so der Geistliche. Getreu des Konzils „habe ich die Fenster weit aufgemacht“ und frische Luft in die Gotteshäuser reingelassen.

Die Gemeindeglieder hätten mitgezogen und ihn unterstützt, freut er sich im Rückblick. „Es ist was draus geworden“, betont der Seelsorger. „Ich bin immer auf die Menschen zugegangen.“ Diese dankten es ihm mit Unterstützung in schwierigen Zeiten. Dankbar blickt Benner auf die tatkräftige Hilfe aus der Gemeinde zurück, als er vergangenes Jahr das erste Mal überhaupt längere Zeit krank war. So sei es möglich gewesen, rund um Ostern trotzdem die wichtigsten Gottesdienste zu feiern.

Sein Leitspruch ist für ihn immer wieder Maxime: Denn wenn man diesen ernst nehme, „sieht man manche Dinge etwas lockerer, die einen sonst ärgern würden“, hebt der Seelsorger hervor. Die Zeit auf dem Land habe ihn geprägt, so Benner. „Ich mache heute einen weiten Bogen um die Stadt, auch um Mainz“, lächelt er fast schelmisch. Er sei immer sehr gut mit den Leuten ausgekommen.

Auch wenn er in den 50 Jahren als Pfarrer „viele, auch schwierige Stationen“ hatte, „war ich in allen zufrieden und kann dankbar darauf zurückschauen“, betont Pfarrer Benner. Am besten kommt das wohl dadurch zum Ausdruck, dass er selbst nach 30 Jahre an anderer Wirkungsstätte immer noch Gottesdienst-Besuch von früheren Schäfchen aus seinen damaligen Gemeinden im Wonnegau bekommt.

Info: Der Festgottesdienst zum 50. Priesterjubiläum von Pfarrer Richard Benner findet am Sonntag, 31. Juli, um 10 Uhr in der katholischen Kirche St. Leonhard und Konrad Beerfelden, Mümlingtalstraße, statt. Die Predigt hält Pfarrer Heinz-Jürgen Förg aus Bensheim. Neben dem Orgelspiel wird der evangelische Posaunenchor Beerfelden den Gottesdienst mitgestalten. „Die Ökumene wird gelebt“, freut sich Pfarrer Benner darüber besonders. Anschließend ist in der Klause Gelegenheit zur Gratulation und Begegnung. Sein Wunsch: „Ganz Beerfelden feiert mit.“ An Stelle von Geschenken bittet der Jubilar um Geldspenden für seine sozialen Projekte.

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