Seit 50 Jahren gibt es den Landgasthof „Raubacher Höhe“ – Gründerehepaar Lieselotte und Gottlieb Brotz packt immer noch mit an

Der Landgasthof mit angeschlossener Pension ist ihr Lebenswerk. Und deshalb zögern Lieselotte und Gottlieb Brotz auch keinen Moment, als nach der Feier zum 50-jährigen Bestehen der „Raubacher Höhe“ Arbeit ansteht. Die 80-Jährige schnappt sich das schmutzige Geschirr und bringt es in die Küche, der 81-jährige Seniorchef steht am Zapfhahn für die verbliebenen Gäste. Und das, obwohl beide am Vorabend gerade von einem mehrwöchigen Gran-Canaria-Aufenthalt zurückgekehrt sind. Um sie herum wuseln die drei Töchter Heike (53), Bettina (57) und Anette (60), die seit dem Jahr 2001 den Betrieb leiten.

Das Restaurant mit angeschlossener Pension ist noch ein echter Familienbetrieb. Neben den genannten zaubert noch Bettinas Mann Wolfgang Knobloch täglich in der Küche. Nur am Sonntag kommt noch eine Aushilfe dazu, wenn Hochbetrieb im Ausflugslokal herrscht. Zu allen anderen Zeiten stemmen die sechs sowohl den Restaurantbetrieb mit seinen 100 Plätzen drinnen und noch einmal 65 auf der Terrasse sowie die Pension mit ihren 20 Betten allein. „Mindestlohn – was ist das?“, scherzt Heike Brotz mit einem Lächeln.

Ihr und den beiden Schwestern wurde die Mitarbeit im elterlichen Betrieb quasi in die Wiege gelegt. Nach der Schule galt es auszuhelfen, nachdem die Schule abgeschlossen war, folgte die Hotelfachschule und sofort der Einstieg in Vollzeit. „Eine Alternative gab’s nie“, meint Bettina Knobloch. Der Beruf war seit frühester Kindheit vorgezeichnet. Ob es allerdings genauso mit den Enkeln und Urenkeln des Gründerehepaars weitergehen wird, steht noch in den Sternen.

Dass es das Ausflugslokal heute in der jetzigen Größe gibt, ist fast einem Zufall zu verdanken. Denn eigentlich wollte Lieselotte Brotz zu Beginn nur Zimmer vermieten. Beim Umbau des alten Bauernhauses durch das Ehepaar waren so viele Räume entstanden, dass diese Verwendung am naheliegendsten war. Da die Pensionsgäste allerdings in der Nähe nichts zu essen bekamen und vor 50 Jahren noch nicht so mobil waren, kochte die Wirtin eben selbst. Vater Gottlieb bepflanzte den Garten mit Salaten und Kräutern, die damals wie heute in der Küche verwendet werden.

Das Geheimnis des Erfolgs über 50 Jahre hinweg, wie er auch in Urkunden der IHK Rhein-Main-Neckar und des deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) gewürdigt wird? „Wir haben immer schnell auf neue Anforderungen reagiert“, meint Anette Bartmann. Heike Brotz ergänzt: Als es mit dem Internet losging, „sind wir schnell auf diesen Trend aufgesprungen“. Ein Betrieb dieser Größe, sagt sie, „ist aber nur in der Familie zu halten“.

Die Kunst in der Gastronomie, sind sich die Schwestern einig, ist die Flexibilität. Als andere Gastronomen noch wie in früheren Zeiten nur wochenweise vermieten wollten, habe man in der „Raubacher Höhe“ bereits Tagestouristen Zimmer gegeben. „Früher waren die Gäste mehrere Wochen bei uns“, macht Bettina Knobloch deutlich, dass sich das Urlaubsverhalten stark verändert habe. Zwar gebe es diese Besucher immer noch, aber sie würden immer weniger.

Gerade diese Begegnungen sind es aber, die den Familienmitgliedern im eigenen Betrieb oftmals den harten Job versüßen. „Wenn Stammgäste jedes Jahr wiederkommen, ist das immer eine große Freude“. So ein Ehepaar aus Rosenheim, das dem Odenwald schon etliche Jahre die Treue hält – wie sowieso neben den Ausflüglern etliche Gäste aus dem Süden, aus Bayern und Baden-Württemberg, anreisen.

„Heute kommen Besucher mit ihren Kindern zu uns, die früher schon mit Oma und Opa zu Gast waren“, freuen sich die drei über die große Verbundenheit mit der Raubacher Höhe als „Institution in der Region“. Diese herzlichen Begegnungen sind für die Familie immer eine große Motivation. „Wir betreiben das Haus mit Liebe“, sagt Bettina Knobloch – und diese Herzlichkeit erhalten sie von den Gästen wieder zurück.

Das 50. Jubiläum war natürlich ein passender Anlass, um in der Vergangenheit zu schwelgen. Wie früher gab‘s ein Tagesessen, etwa Fleischspieß Zigeuner Art mit Reis und Salat. Oder Jägergulasch mit Knödel. Dazu als Dessert ein „Kalter Hund“ (in Kakao-Kokosfett-Creme aufgeschichtete Butterkekse). Sonnen- oder Mondschein dürften ebenfalls nicht mehr allgemein bekannt sein: Eierlikör mit Fanta oder mit Cola. Mit verschiedenen Themenwoche wie Wild, Kartoffeln, Grünkern, Bier oder Fisch wird ebenfalls oft die regionale Küche gepflegt.

Ob die drei Kinder nach der Übernahme 2001 auch eigene Ideen eingebracht haben? Da muss Heike Brotz erstmal lachen. „Wir haben den Montag als Ruhetag eingeführt“, meint sie. Und die Betriebsferien im August. Weihnachtsmarkt, Ausstellungen, aber auch die genannten Themenwochen entstanden nach und nach in der Regie der zweiten Generation.

Landgasthof „Raubacher Höhe“

  • Gründung 1956 als Zimmervermietung mit 14 Betten und kleinem Lokalbetrieb für Gäste durch Lieselotte und Gottlieb Brotz, Betrieb in dieser Form bis 1970
  • ab 1970 36 Betten und weitere Anbauten
  • ab 1980 Vergrößerung des Lokals
  • Bau von Sauna/Solarium und Verkleinerung der Bettenzahl auf 20, Schaffung einer Leseinsel
  • Anbau der Terrasse gegenüber des Hauses mit 65 Sitzplätzen
  • 2001 Übernahme durch die drei Töchter Heike Brotz, Bettina Knobloch und Anette Bartmann
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