Am Sonntag wird das 250. Jubiläum der Kirchweihe von St. Luzia und St. Odilia Hesselbach gefeiert

Das 250-jährige Bestehen einer Kirche ist an sich schon etwas Besonderes. Im Falle von St. Luzia und St. Odilia Hesselbach kommen aber noch andere Dinge hinzu, die das Barockkirchlein in dem 200-Seelen-Dorf zu etwas Außergewöhnlichem werden lassen. Denn es ist einer der wenigen katholischen Kirchenbauten nach der Reformation – in einem katholisch gebliebenen Dorf. Und weist bei unscheinbarem Äußeren ein prächtiges Inneres auf. Der Mainzer Diözesanadministrator Dietmar Giebelmann wird bei einem Festgottesdienst am Sonntag, 7. August, die Geschichte der Katholiken im kleinen Odenwald-Ort eingehend würdigen.

Er ist dabei in guter Gesellschaft. Schon einmal, 1997, war mit dem damaligen Bischof und späteren Kardinal Karl Lehmann ein hoher Mainzer Kirchendiener in die katholische Diaspora gekommen. Damals ging es um die Weihe des neuen Opferaltars, der die umfangreiche Renovierung und Restaurierung der Kirche abschloss. Von den ersten Anträgen bis zur Vollendung hatte es zehn Jahre gedauert, erinnert sich der damalige und heutige Gemeindepfarrer Richard Benner.

2,1 Millionen Mark kostete damals die Kirchensanierung inklusive Bau eines Gemeindezentrums, wozu die Kirchengemeinde selbst 250.000 Mark beisteuerte. Den Löwenanteil übernahm das Bistum Mainz für die kleinste Gemeinde in seinem Zuständigkeitsbereich. Das Gemeindezentrum inklusive Sakristei-Anbau war 1993/94 errichtet worden. Kein Wunder, dass Benner die Arbeiten vor 20 Jahren heute als „Jahrhundertwerk“ bezeichnete.

Wer nach Hesselbach hineinfährt, dessen Blick kommt an der Kirche nicht vorbei: Wie eine Burg erhebt sie sich über dem Ort, umgeben von einer einfachen Mauer, die den ehemaligen Friedhof um die Kirche (bis 1885) schützte. Dass es überhaupt noch diese katholische Insel auf den Odenwaldhöhen gibt, ist einer Besonderheit zu verdanken. Denn Hesselbach mit seinen Filialen Kailbach und Schöllenbach gehörte nie zum Kloster Lorsch, sondern zum Kloster Amorbach. Und die dortigen Benediktiner überstanden die Reformation.

Allerdings war es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der Seelsorge trotzdem nicht weit her. Das Dorf hatte keinen eigenen Pfarrer, wurde von der Pfarrei Mudau mit betreut. Eine kleine Kirche muss es auch schon früher gegeben haben, diese wurde aber vernachlässigt. Im Winter ließ sich gar kein Pfarrer mehr blicken, sodass Beerdigungen ohne kirchlichen Segen stattfinden mussten und Kinder nicht getauft werden konnten.

1765 reichte es dann den Schultheißen (Bürgermeistern) aus den drei Orten. Sie gingen den Abt Hyazinth Bauer in Amorbach an, dass er doch bitte eine neue Kirche bauen lassen und einen Mönch als Pfarrer einsetzen solle. Sie beriefen sich dabei auf eine Urkunde aus dem Jahr 1446, wonach Amorbach zugesagt habe, zweimal wöchentlich und am Sonntag eine Heilige Messe zu halten und die Kasualien zu besorgen.

Gesagt, getan: Noch im selben Jahr gab es den Auftrag dafür, 1766 wurde St. Luzia und St. Odilia, gebaut im Stil des „Bauernbarock“, eingeweiht. Kostbarkeiten sind der geschnitzte Hochaltar in dunklem Holz mit dem Bild vom Tod des Hl. Josef, erbaut 1694 für die Amorbacher Klosterkirche, die sogenannte Schwarze Madonna im Odenwald (450 Jahre alt) und eine Kopie des Hesselbacher Kreuzes, entstanden um 1080.

Nach der Kirchweihe kam auch wirklich ein Jahr später ein eigener Pfarrer nach Hesselbach: Johann Nepomuk Bräunig. Er sollte 30 Jahre als Priester dort tätig sein. Ihm folgten 20 weitere Seelsorger bis 1975, als der letzte eigenständige Pfarrer den Ort verließ. Die napoleonischen Wirken konnten der Pfarrei nichts anhaben. Selbst als das Kloster Amorbach aufgelöst wurde, blieb der Mönch als Pfarrer am Ort. Bei der Neuerrichtung des Bistums Mainz 1812 wurde Hesselbach im Nachgang diesem zugeschlagen. Seit 1985 ist Pfarrer Richard Benner aus Beerfelden für St. Luzia und St. Odilia zuständig.

Den Namen hat die Pfarrei von der unterhalb der Kirche gelegenen Odilienquelle. Von deren heilkräftigem Wasser erhofften sich die die Menschen Fürsprache und Heilung von Augenleiden, da Luzia und Odilia die Patrone der Blinden und Augenleidenden waren. Allerdings wurde die Quelle im Zuge der Kanalverlegung abgeschnitten. Doch die Verehrung der beiden Heiligen blieb erhalten.

 

Info: 250-Jahr-Feier der Kirchweihe und eines eigenen Pfarrers in St. Luzia und St. Odilia Hesselbach am Sonntag, 7. August, 10 Uhr. Prediger ist Diözesanadministrator (Vertreter des Bischofs und momentan mächtigster Diener Gottes in Mainz, da der Bischofssitz derzeit vakant ist) Prälat Dietmar Giebelmann. Anschließend gibt es im Dorfgemeinschaftshaus Gelegenheit zur Gratulation und Begegnung bei einem einfachen gemeinsamen Mittagessen. Statt Geschenken wird um Spenden für die Erhaltung des Gotteshauses gebeten. Zum Abschluss des Tages bietet Pfarrer Richard Benner um 14 Uhr eine Kirchenführung für jedermann an.

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