Das Geburtstagskind Carl Langbein wurde im Hirschhorner Museum aus drei Blickwinkeln betrachtet

„Dreierlei Blick“ nannte sich die Soiree, zu der die Langbein-Freunde jetzt ins Museum eingeladen hatten. Dreierlei deshalb, weil mit Ludwig Schmeisser, Uli Spiegelberg und Günther Wilhelm drei Künstler ihre ganz persönliche Verbindung zu Carl Langbein verdeutlichten, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 200. Mal jährt. Die Exponate seiner jahrzehntelangen Sammlertätigkeit werden vom Freundeskreis gehegt und gepflegt.

Genauso gerne angenommen wie die Erläuterungen im Innern wurde auch der Abschluss draußen unter dem Lindenbaum. Richard Köhler an der Gitarre und Ulrich Spiegelberg auf dem Klavier versüßten als „Hirschhorner Vielharmoniker“ den lauen Sommerabend mit einigen Stücken aus der Biedermeier-Zeit. Eine offizielle Feierstunde zu Langbeins Geburtstag ist am 6. September im Ersheimer Hof geplant.

Spiegelberg charakterisierte den „Naturalisten“ Langbein als jemanden, dessen handwerkliches Talent sich schon früh gezeigt habe. Er machte dies an den ausgestellten Engelabgüssen fest. Als Lebenswerk des Jubilars kennzeichnete der Vorsitzende aber die 300 präparierten Tiere, darunter zahlreiche Vögel. Mark Twain wusste auf seinem Bummel durch Europa während der Übernachtung im Gasthaus davon ein Lied zu singen, als ihn die ganze Nacht eine Eule anstarrte.

Auch Schmeisser wies auf die Vielseitigkeit der Sammlung gerade mit Blick auf die Tiere hin. Daneben war Langbein aber auch schon „touristisch“ tätig, indem er ein Hinweisschild zu seiner – nicht realisierten Fantasieburg – entwarf. Auch zeichnerisch war der Naturalisten-Wirt beschlagen, machte Spiegelberg deutlich, was in den Tuschezeichnungen oder dem Entwurf des Familiengrabs zum Ausdruck komme.

Werke des Ludwigshafener Fotokünstlers Günther Wilhelm sind derzeit in der „regulären“ Ausstellung im Langbein-Museum zu sehen. Dieser betrachtete das Hirschhorner Original mehr oder weniger als einen Bruder im Geiste, als leidenschaftlicher Sammler, Künstler und Handwerker in einem ähnlichen Metier tätig wie der heute lebende Wilhelm. Bis zum 24. August sind unter dem Titel „Alt Process Photographie und Projektkunst – aus der Entwicklungs- und Asservatenkammer“ Wilhelm Werke zu sehen.

Mit seinem Werk hebt sich Wilhelm eindrucksvoll aus der breiten Gegenwartsfotografie heraus, vor allem durch seine Cyanotypien und Gummidrucke oder mit seinen mittels Lochkamera entstandenen Lichtbildern. Dank Beherrschung früherer, heute fast vergessener fotografischer Entwicklungstechniken aus der Pionierzeit gelingen ihm atmosphärisch dichte Abbildungen mit einer individuellen außergewöhnlichen Sicht auf die Welt unserer Gegenwart.

Info: Die Ausstellung ist bis 24. August im Erdgeschoss des Museums Hirschhorn, Alleeweg 2, zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr und Sonntag 15 bis 17 Uhr

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