Die Jeremy-Show ist für den Gammelsbacher Ralf Breitinger „ein Traum, der wahr geworden ist“

Das prägende Ereignis hatte Ralf Breitinger schon als Zehnjähriger. Im Urlaub mit seiner Familie bekam er eine Straßen-Feuershow zu sehen. „Ich war so fasziniert davon, dass ich zu meinen Eltern sagte, ich will Feuerartist werden“, erzählt er. Gesagt, getan. Die ersten Anfänge gab es noch in den Ferien mit einem Devilstick, nach und nach kam immer mehr hinzu. Heute verdient der 30-Jährige seine Brötchen mit Jonglage, Feuershows, Artistik und Zirkusprojekten.

Auch ein Name war schnell gefunden und sollte im Laufe der Jahre die Runde machen: die „Jeremy-Show“. Auf fremde Hilfe setzte Ralf Breitinger nie: „Ich habe mir alles selbst beigebracht“. Zugute kam ihm dabei auch die eigene körperliche Fitness. Schon früh interessierte sich der Gammelsbacher für Sport und Bewegung. „Im Alter von sechs Jahren habe ich mit dem Ringen angefangen“, erzählt er.

Daraus leitet der Jongleur seinen „extremen Willen“ und sein Durchhaltevermögen ab. „Wenn ich was schaffen will, bleibe ich dran“, kennt er das Wort aufgeben nicht. Denn beim Ringen gehe es auch darum, den Kampf zu gewinnen, „wenn man bereits am Boden liegt“. Es ging für Breitinger nicht nur darum, sich die Grundzüge autodidaktisch beizubringen, sondern immer neue Sachen einfallen zu lassen.

Seine Eltern unterstützten ihn nach Kräften: „Ich habe nach und nach alle möglichen Zirkussachen wie Jonglierbälle, -teller und -keulen, Einräder und Diabolos bekommen“, erinnert er sich. Beste Voraussetzungen also, um sich schon während der Schulzeit mit 14 oder 15 Jahre an erste Auftritte bei Geburtstagen oder privaten Feiern zu wagen.

Irgendwann spielte „Jeremy“, wie sich Ralf Breitinger mit Künstlernamen schon als Zwölfjähriger nannte, auch mit dem Feuer. „Da ich nicht aus einer Zirkusfamilie stamme, habe ich mir alles selbst beigebracht“, schildert er die harte Arbeit. Seine Eltern hätten die brandheißen Experimente zuerst kritisch beäugt, „doch es ging alles gut“. Probieren geht über Studieren hatte für ihn deshalb einen besonderen Klang.

Diese frühen Erfolge bestärkten Breitinger auch in seinem Vorhaben, das anfängliche Hobby irgendwann zum Beruf machen zu wollen. Um aber eine „normale“ Ausbildung im Rücken zu haben und „weil ich nicht wusste, ob es klappt“, erlernte er parallel den Job als Fitnesstrainer. „Es hat aber keinen Spaß gemacht, angestellt zu arbeiten“, sagt der 30-Jährige. Als dann seine Eltern sahen, dass sein eigentliches Interesse, die Jonglage, auch als Beruf funktioniert, „standen sie immer hinter mir“.

2009 folgte eine weitere Ausbildung als Zirkus- und Theaterpädagoge, womit sich Ralf Breitinger an den Schulen der Region in Form von Zirkusprojekten sein festes Einkommen sichert. „Die Shows sind dann das Plus obendrauf“, verrät er. Dabei genügt es ihm nicht, sich auf dem bisher Erreichten auszuruhen. „Ich brauche immer wieder neue Dinge und muss kreativ sein“, meint er. „Wenn man stehen bleibt, ist es Rückschritt.“

Und deshalb arbeitet Jeremy auch in diesem Jahr wieder mit neuen Utensilien. Den riesigen Feuerwürfelrahmen, der an den Ecken und Rahmen brennt, konnte man schon beim Lärmfeuer in Rothenberg bewundern. „Dafür musste ich richtig viel üben, damit es klappt“, hebt er die monatelange Vorarbeit heraus. Er träume nicht nur, sondern lebe alles, „was ich mir bisher aufgebaut habe“. Die Leidenschaft Jeremy-Show „ist ein Traum, der wahr geworden ist“.

Der Erfolg ist sowieso nur möglich mit einem straffen Zeitplan und einer gehörigen Portion Selbstdisziplin. Dazu gehört das morgendliche Aufstehen um 5.30 Uhr und dann (Fitness-)Training bis gegen 9 Uhr. Danach geht’s in die jeweiligen Schulen, wo er die Zirkusprojekte leitet. „Ich lebe für meinen Job“, bekennt Ralf Breitinger. Egal ob Weihnachten oder Geburtstag ist – er zieht sein Programm durch.

„Üben, üben, üben“ ist für ihn das Erfolgsrezept: Um das Ultimate-Rad zu beherrschen, dauerte es zwei Jahre. „Das war echt hart“, gibt selbst der durchtrainierte 30-Jährige zu. „Ich will immer verrücktere Sachen machen“, ist er mit seinem Lerneifer noch lange nicht am Ende. Ob Seilspringen auf dem Rola-Bola, einem Brett mit Rolle darunter, Jonglieren mit Äxten oder ein Handstand auf dem Feuerstuhl: Jeremy sprüht nur so vor Ideen.

 

Luftakrobatik mit dem Vertikalseil, Clownerie, Laufkugel, Diabolo, Flowerstick oder Theater: Die Elemente eines Schul-Zirkusprojekts sind vielfältig. Der 30-jährige Ralf Breitinger aus Gammelsbach ist dafür ein gefragter Mann. Seit sechs Jahren leitet er in Dielheim (Rhein-Neckar-Kreis) eine feste Zirkus-AG, die ein bis zwei Mal im Jahr eine kleine Show aufführt. Seit drei Jahren ist er dienstags an der Ernst-Göbel-Schule in Höchst tätig, daneben regelmäßig donnerstags an der Oberzent-Schule Beerfelden und freitags an der Humboldt-Schule Viernheim.

In den Schulferien bietet Breitinger Projektwochen an, so in Reichelsheim, Schriesheim oder Eberbach. Montag bis Freitag wird geübt, am Freitag ist dann die große Abschluss-Aufführung. Die verschiedenen Themen denkt sich der 30-Jährige selbst aus. Wie auch die Clown- und Theaternummern, die zur Aufführung kommen. Requisiten hat Jeremy inzwischen haufenweise. So viele, dass das komplette untere Stockwerk des Hauses in Gammelsbach dafür zur Verfügung steht.

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