Aus zwölf Röhren sprudelt in Beerfelden der Ursprung der Mümling

Es ist alles eine Frage der Sichtweise. Während „offiziell“ die Mümling ihren Ursprung am Zwölfröhrenbrunnen in der Stadtmitte hat und bei Obernburg in den Main mündet, ist sie für die Beerfelder bis hinunter nach Hetzbach einfach „der Walterbach“. An dieser Überzeugung ändert auch nichts, dass hinter dem Brunnen auf der Tür zur Wasserkammer groß „Mümling-Quelle“ steht. Ab hier durchfließt der Strom auf 50 Kilometern erst Hessen und kommt dann in Bayern an, wo er auch unter dem Namen „Mömling“ firmiert.

Stadtbaumeister Peter Bauer, Helmut Ulrich und Wassermeister Markus von der Au sind die Experten, wenn es um Belange und Geschichte von Brunnen und Quelle geht. Der Stadtbild prägende und unter Denkmalschutz stehende Wasserspender wurde 1810 nach dem Großbrand errichtet, weiß Ulrich. Der gräfliche Baumeister Jänisch habe damals festgestellt, dass es in der Stadt zu wenig Wasser gab und die Straße zu schmal waren, um einen Brand effizient bekämpfen zu können.

Deshalb, so Ulrich, habe Beerfelden auch seinen heute dominierenden städtischen Charakter erhalten. Die Scheunen verschwanden aus dem Ortsbild, rückten in die zweite Reihe, die Wege wurden breiter. Aus dem Achtröhren- wurde der Zwölfröhrenbrunnen als wichtiger Wasserbezugspunkt für die Bevölkerung. Gleichzeitig entstand gegenüber an der Einmündung der Krähberger Weg ein Waschbrunnen mit Viehtränke, von dem aber heute nur noch kümmerliche Reste vorhanden sind.

Im Gegensatz zu Rothenberg hat Beerfelden das Glück, dass trotz seiner Hügellage hier das Wasser kräftig aus dem Sandstein sprudelt. Der Großteil muss aus Richtung Martinskirche kommen, meint von der Au. Aber auch von der Volksbank-Seite aus quetscht es sich durch die wasserführenden Schichten in die Hohlkammer, die dem Brunnen vorgeschaltet ist und unter dem kleinen Grün zu Beginn der Anlage liegt.

„Das Wasser wird im großen Becken nur gefasst“, erläutert von der Au. Von dort fließt es über einen Überlauf in ein kleineres Becken, das wiederum sowohl den Brunnen als auch den direkten Abfluss bedient, der dann den Bach speist. Die Speier mit den Löwenköpfen funktionieren allein über den Wasserdruck.

Die Verbindung über die Straße zu früherer Viehtränke und Waschplatz ist immer noch vorhanden. Ab hier fließt die kleine Mümling zum Teil offen, zum Teil verrohrt den Krähberger Weg entlang, um dann wieder die passenderweise Mümlingtal- genannte Straße zu unterqueren und unterhalb von Bahnhof und Rewe-Markt aufs Neue zutage zu treten. Ab dort, so Ulrich, handle es sich dann um ein richtiges Gewässer.

Der Zwölfröhrenbrunnen, meint der Stadtarchivar, kennzeichne symbolisch den Wasserreichtum der Stadt am Berge. Da ist was dran, denn keiner der drei Gesprächspartner kann sich an ein Trockenfallen der Quellen erinnern. „Natürlich gab es schon mal einen Herbst, in dem der Brunnen stark nachließ“, sagt Bauer. Das spüre man dann auch an den anderen Quellen. Vier davon gibt es für die Wasserversorgung in Beerfelden und seinen Ortsteilen. Am beständigsten und ergiebigsten ist die in Hetzbach.

„Im Winter ist das Becken randvoll“, weiß von der Au. Diesen Sommer übrigens auch – wegen der vielen Regenfälle. „Trocken habe ich es noch nie gesehen“, meint er. Übers Jahr über schwankt die Quelle aber oftmals ziemlich stark, weswegen in der Vergangenheit auch andere im Stadtgebiet erschlossen worden. Mehr oder weniger ist die Mümlingquelle aktuell „nur noch etwas für die Optik“, schmunzelt Ulrich. Für die Wasserversorgung spielt sie keine Rolle mehr.

„Ich schaue beim Vorbeifahren immer, ob das Wasser läuft oder nicht“, ergänzt der Wassermeister. Im Sommer müsse er außerdem das Wasser vom großen Becken in die kleinere Kammer hinüberpumpen, weil es aufgrund des niedrigen Standes nicht von allein mehr überläuft. Einmal in der Woche gilt es den Brunnen auszuspritzen, weil sich Algen bilden.

1992 gab es eine große Sanierung der Anlage, die ihr zum heutigen Aussehen verhalf. Bank-Füße, Brunnenkandel, Ablaufrinnen und Auflege-Hölzer wurden erneuert, Poller, Speier, Aufsätze und Bankabdeckungen sind nach wie vor historisch. An heißen Tagen wird das kühle Nass gerne von den Passanten genutzt, um sich auf den Rand zu setzen „und die Füße reinzuhängen“, hat von der Au beobachtet. Und natürlich sind die Löwenspeier immer interessant für die Kinder, wie sich beim Besuch einer Oma mit Enkel zeigt….

Der Zwölfröhrenbrunnen gilt als eine der prächtigsten Brunnenanlagen Südhessens. Er besteht aus sechs Sandsteinwannen mit sieben als Säulen ausgebildeten und von Urnen bekrönten Brunnenstöcken. Aus zwölf Röhren mit Löwenköpfen aus Messingguss sprudelt das Wasser der Mümlingquelle. Der Brunnen ist auf einer langgestreckten rechteckigen Plattform in das abfallende Straßenniveau eingelassen und wird von einem Sandsteinmäuerchen mit Eisengitter umrahmt. Bis zum Bau der Wasserleitung in den Jahren 1895 bis 1898 war er die Hauptversorgungsstelle der Bevölkerung. Daneben existierten noch Handpumpen und etwa 20 Ziehbrunnen, von denen einer in der Hirschhorner Straße erhalten blieb.

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