Hirschhorner Langbeinfreunde feiern den 200. Geburtstag ihres Namensgebers

Zum 200. Mal jährt sich 2016 der Geburtstag von Carl Langbein, einem berühmten Sohn der Stadt. Als „Naturalist“ hatte sich dieser zu Lebzeiten einen Namen gemacht. Um ihn zu ehren, treffen sich die Mitglieder und Freunde der „Langbeinschen Sammlung und Heimatmuseum“ am Dienstag, 6. September, 19.30 Uhr, am Ehrenmal der Familie Langbein auf dem Ersheimer Friedhof zu einer Gedenkfeier. Diese wird von der „Wandermusikantin aus dem Kraichgau“ auf der Harfe musikalisch umrahmt. Anschließend findet im gegenüber liegenden „Ersheimer Hof“ eine „gesellige Geburtstagsfeier“ statt.

Carl Langbeins Sammlung trägt den Beinamen „Naturalien- und Alterthümer-Sammlung“. In dieser Bezeichnung liegt auch schon eine erste mögliche Antwort auf die Frage: „Warum sammelt man?“ Im Sammeln schöner Dinge liegt ein Zauber, ein machtvolles Gegenmittel zur Hässlichkeit der Welt. Im Sammeln kostbarer Dinge liegt abgesehen vom materiellen Wert auch ein Bekenntnis zu den eigenen Vorlieben, denn die tatsächliche Kostbarkeit eines Gegenstandes liegt in der Wertschätzung des Einzelnen.

Eine Anekdote bezeichnet Carl Langbein als originellen Gastwirt, der auch zu Späßen aufgelegt war. Er war vielseitig interessiert und talentiert. Laientheater, Liebe zur Literatur, auch einige Gedichte von ihm sind überliefert. Er selbst bezeichnet sich in einem Brief als warmer Teilnehmer alles Schönen und Religiösen, der Kunst und Wissenschaftsangehörigen.

1816 geboren, war Carl einer der Söhne von Franz Langbein, des damaligen Bürgermeisters. Mit 24 Jahren, 1840 also, übernahm er den elterlichen Gasthof „Zum Ochsen“, das spätere Café Schmitt. 1854 kaufte er den „Darmstädter Hof“ und machte das Gasthaus „Zum Naturalisten“ daraus. Das Sammeln hatte er längst begonnen und war mit wertvollen „Alterthümern“, Möbel, Waffen und Bücher, Kunst- und Gebrauchsgegenstände so ausgestattet, dass er die Hypothek für den Gasthof damit absichern konnte.

Die Heirat mit Marie erfolgte 1858, die Ehe blieb kinderlos. Marie führte zusammen mit Carls Schwester Ida den Gasthof. „Sicher muss sie viel Verständnis für die Passionen ihres Mannes aufgebracht haben“, heißt es. 1881 verstarb Carl Langbein viel zu früh, bevor seine Sammlung katalogisiert oder einer ordnenden Ausstellung unterzogen worden war.

Ida Langbein ließ beim Generaldirektor der Großherzoglichen Hessischen Sammlung auf Übernahme ihrer Alterthümersammlung unter von ihr bestimmten Auflagen nachfragen. Ein kluger Schachzug, bewahrte sie damit die Sammlung vor Zerstreuung und Auflösung. 1908 erfolgte die Ausstellungseröffnung im Rittersaal des Hirschhorner Schlosses als Bleibe bis zum Umbau des Schlosses als Hotel und Restaurant 1959. Nach Wirren und Notlösungen mit Verlusten erfolgte 1985 die Museumseröffnung in den heutigen Räumen im Alleeweg.

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