„Das Lernen und die Schüler in den Blick nehmen“: Der 41-jährige Bernd Siefert ist neuer Leiter der Oberzent-Schule Beerfelden

„Auch das Lernen muss gelernt sein“, bringt Bernd Siefert sein Credo auf den Punkt. Denn das ist notwendig, „um sich immer wieder neu Wissen aneignen zu können.“ Der 41-jährige Finkenbacher ist mit dem neuen Schuljahr Nachfolger von Bernhild Hofherr Leiter der Oberzent-Schule (OZS). Es sei deren Verdienst gewesen, „dass es keine Vakanz an der OZS gab“, da sie die Ausschreibung rechtzeitig auf den Weg gebracht habe, betont er. Siefert sieht die Lehrer nicht nur als Wissensvermittler, sondern auch als „Coaches“ und Lernbegleiter.

Dass Siefert mal an der Spitze einer Schule – und dann auch noch der, an der er selbst Schüler war – stehen würde, war für ihn nicht vorgezeichnet. „Ich wollte immer Schreiner werden“, faszinierte ihn früher das Handwerkliche. Ohne das integrierte Gesamtschul-System „hätte ich nie Abitur gemacht“, weiß er. Denn dieses eröffne Bildungschancen für alle.

Ein Vertretungsvertrag führte Siefert nach dem Referendariat wieder an die Oberzent-Schule zurück. Zum Glück, sagt er, „kam das Angebot für eine Stelle in Mannheim erst danach“, sonst wäre er vielleicht jetzt dort Lehrer. Dann ging es für ihn Stufe für Stufe nach oben. „Schulentwicklung kann ich nur als Schulleiter betreiben“, war ihm früh klar. Und deshalb „machte ich mich fachlich auf den Weg“, um die entsprechende Qualifikation dafür zu erwerben.

Zwei Stationen hierfür sind seit 2011 seine Qualifikationen als Fortbildner für kompetenzorientiertes Unterrichten und die Tätigkeit als Unterrichtsentwicklungsberater für Deutsch. „Ich habe Schulen auf ihrem Weg begleitet“, macht Siefert deutlich. Und dadurch auch „ein Stück weit Erfahrung gesammelt, wie Schulen ticken“. Kontakte zu anderen Schulen möchte er auch für die OZS nutzen, um von anderen Lehranstalten lernen zu können.

Durch seine Verbundenheit mit der Oberzent-Schule war es für den 41-Jährigen klar, „dass ich hier Schulleiter werden will“. Denn die „ist mir eine Herzensangelegenheit. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir an der Schule eine sehr gute Arbeit machen“, betont er. Trotzdem dürfe man in seinen Bemühungen nicht stehenbleiben und „muss immer das Lernen und die Schüler in den Blick nehmen“.

Siefert nennt zwei Schwerpunkte, die er im kommenden Schuljahr angehen möchte: Zum einen sollen die Schüler „anschlussfähig sein für Schule und Beruf sein“, zum anderen soll das neu eingeführte Konzept für die fünften und sechsten Klassen weiterentwickelt und fortgeführt werden. Es gebe hier durch das Logbuch einen „intensiven Kontakt zu den Eltern“. Weitere Aspekte seien die doppelte Klassenlehrerführung und die Lernzeit, mit der die Möglichkeit für intensives Üben geschaffen werde.

Auch wenn er sicherlich manches erneuere, „bin ich nicht gekommen, um alles umzuschmeißen“, versichert der 41-Jährige. Denn er stehe voll hinter dem System der integrierten Gesamtschule. Das „normale“ dreigliedrige Schulsystem erinnere ihn immer ein wenig an ein mittelalterliches Ständesystem. Die IGS hingegen „ist eine Schule für alle“. Jedem Kind solle der bestmögliche Abschluss ermöglicht werden.

Der neue Schulleiter nennt John Hattie als Ideengeber. „Weg vom defizitorientieren Lernen hin zur Freude am Lernen“, habe dieser postuliert. Außerdem solle es mehr Respekt für das geben, „was die Schüler täglich leisten“. Die neuen Erkenntnisse der Hirnforschung möchte er auch einbeziehen. Siefert bezieht sich hier auf Gerald Hüther (zwei Grundbedürfnisse des Menschen: Wunsch nach Verbundenheit und Wunsch wachsen zu können) sowie Manfred Spitzer („Das Gehirn merkt sich nicht die Details, es lernt die Regeln, die dahinter stehen“).

Auch für ihn bedeute es einen Einschnitt, „nicht mehr Klassenlehrer zu sein“, betont Siefert. Gerade die kompetenzorientierten Projekte mit seinen Klassen in Bezug auf die Stadtgeschichte wie die Stolpersteinverlegung oder die Gedenktafel an der Synagoge lagen ihm am Herzen. „Mit 41 habe ich Zeit, die Dinge mit Bedacht und wohlüberlegt anzugehen“, sagt der Schulleiter. Unterstützung erfährt er dabei als „wertvolle Hilfe“ vom Ehepaar Neff als Hausmeister und Sekretärin. Und natürlich von seinem Schulleitungsteam und vom „innovativen Kollegium mit vielfältigen Ideen“. Er wolle als Teamplayer agieren, so Siefert. „Ich brauche nicht nur Mittelstürmer.“

 

Bernd Siefert war bis 1991 selbst Schüler der Oberzent-Schule (OZS). Nach dem Abitur 1994 in Michelstadt studierte er 1995 bis 1999 in Heidelberg unter anderem evangelische Religionswissenschaften und Geschichte. Ein Referendariat an der Friedrich-Realschule in Durlach schloss sich an. Seit 2001 ist der Finkenbacher an der OZS als Lehrer tätig, übernahm 2004 die Stufenleiterstelle für die Klassen 5 und 6. Seit 2011 ist der neue Schulleiter Fortbildner für kompetenzorientiertes Unterrichten in Gesellschaftswissenschaften sowie Unterrichtsentwicklungsberater für Deutsch mit jeweiligen Abordnungen ans Kultusministerium und ans Staatliche Schulamt. Bernd Siefert ist seit 2003 verheiratet und Vater von zwei Kindern im Alter von zehn und zwölf Jahren, die beide auf die OZS gehen.

An Projekten mit schulischen und außerschulischen Partnern nennt der 41-Jährige die AG Übergang (sehr gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Grundschulen), „Lernen lernen“, Patenschaften der 10er für die 5er, Buspaten, Mediencoaches oder „Sicher im Netz“. Als Leitbild der Oberzent-Schule führt er an: „Wir verstehen Schule als Lern- und Lebensraum, in dem die individuelle und ganzheitliche Entwicklung der Schüler gefördert wird. Wir richten unseren Blick auf die vielfältigen Begabungen. Wir begegnen uns in der Schulgemeinde mit Respekt, Wertschätzung und Empathie.“

Advertisements