Gemischter Chor Finkenbach begrüßte viele Gäste zur Bockskerwe

Wenn der gemischte Chor zur Bockskerwe einlädt, dann halten ihm die Finkenbacher und auswärtige Kerwegäste immer die Treue. Obwohl die Temperaturen in der Hermann-Wilhelm-Halle am Sportplatz schweißtreibend waren, kamen über die Mittagszeit zahlreiche Besucher, um die Gastfreundschaft der Chormitglieder zu genießen und eine traditionelle Speise zu sich zu nehmen: das Odenwälder Hochzeitsessen, Tafelspitz (Rinderbrust) mit Meerrettich und Kartoffeln. Dazu stand auch Rollbraten auf der Karte.

Den morgendlichen Gottesdienst hielt Pfarrer Reinhold Hoffmann. Der Chor umrahmte ihn durch zwei Stücke. Der Pfarrer thematisierte in seiner Predigt die Entwicklung der Menschheit an den Beispielen Miteinander, Bildung oder Schutzbedürfnis. Er ging darauf ein, wie sich rund um diese Begriffe die Dörfer und Städte herausbildeten, nachdem die Menschen früher als Nomaden herumgezogen waren. Kommunikation und gegenseitige Hilfe waren weitere Themen.

Am Nachmittag gab’s noch zusätzliche musikalische Unterhaltung. Chorleiter Karlfried Schicht und Dirk Bondes sorgten auf verschiedenen Instrumenten für die Umrahmung. Später kamen zu Kaffee und Kuchen etliche Einheimische vorbei, um den beiden Mannschaften des FC Finkenbachtal zuzuschauen. „Wenn dann nachmittags die Fußballspiele sind, haben wir immer volles Haus“, freute sich Vereinsvorsitzender Rainer Maurer.

„Die Bocks-Kerwe wird eine Pracht, weil heut die Sonne wieder lacht“, begrüßte er die Gäste in Reimform. Gleichzeitig wies er aber auch darauf hin, dass es „für einen Verein mit unserer Altersstruktur immer schwieriger wird, eine solche Veranstaltung zu stemmen“. Schon jetzt hätten einige Vorstandsmitglieder angekündigt, nach den Wahlen im kommenden Jahr kürzer treten zu wollen. „Des Feiern kann nur übberlewe, wenn junge Leit sich engagiere un net nur Sache diskutiere“, sagte er.

Viele der 60 Mitglieder des 1909 gegründeten Vereins, davon etwa 30 aktive Sänger, sind den ganzen Tag im Service über um das Wohl der Gäste besorgt. „Wie beim Finki-Festival“ könne man auf Unterstützung aus dem Ort zählen, weiß Maurer: Kaffee und Kuchen würden oftmals gespendet. Auch „wenn wir einen hohen Altersdurchschnitt haben“, sei der Gemischte Chor übers Jahr hinweg vielfältig aktiv: mit Auftritten, Grillfest oder Adventskonzert.

Bei seinen Versen, so Maurer, lasse er sich gerne auch von Vorlagen inspirieren und dichte diese für seine Zwecke um. „Auch beim Sammele ihr liewe Leit, wurd gespend – es war e Freud. So dass die Tombola gelingt und unsern Gästen Freude bringt“, wies er auf die reicht bestückte Tombola hin. Die Verlosung war ein besonderes Highlight mit einem unerwarteten Ereignis. Hauptpreis war ein Gasgrill, „den wohl jeder gerne gewonnen hätte“.

Die Lose wurden von zwei jungen Damen gezogen und für die Ziehung des Hauptpreises wurde spontan ein kleines Mädchen aus den Besucherreihen nach vorn gebeten. „Die Kleine hat unbedarft in den Eimer gegriffen und mir ein Los übergeben“, schilderte es Maurer. Die Freude und Überraschung im Saal sei riesengroß gewesen, als sich als Gewinner des Gasgrills die Eltern der Kleinen meldeten.

Mit einem Ziegenbock fing vor 250 Jahren alles an: Seit dieser Zeit ist in Finkenbach eine „Bockskerwe“ überliefert, obwohl das zu einer „Kirchweih“ eigentlich dazu gehörende Gotteshaus erst 200 Jahre später erbaut wurde. Immer am ersten Sonntag nach Bartholomä‘, dem Schutzpatron der Winzer, Bauern und Fischer, lädt der Gemischte Chor in der „Neuzeit“ zur Kerwe in die Hermann-Wilhelm-Halle ein, die ihm dafür vom FC zur Verfügung gestellt wird.

Zurück zum Ziegenbock: Der Überlieferung nach stand bei der Leonardsquelle in früheren Jahren eine kleine Wallfahrtskapelle. Damit hatte Falken-Gesäß die Erlaubnis, jährlich einen Markt zur Kirchweih abzuhalten. Da dieser offensichtlich nicht den erwünschten Erfolg hatte, verkauften die Falken-Gesäßer die Konzession an die Finkenbacher. Der Kaufpreis lässt sich leicht erraten: ein Ziegenbock. So kam der heutige Rothenberger Ortsteil ohne Kirche um 1760 zur Bockskerwe. Denn das Gotteshaus im Ort wurde erst 1954 erbaut.

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