Zum 40. Ritterfest-Jubiläum ließen sich die Hirschhorner Ritter nicht lumpen

Am Samstag war noch alles eitel Sonnenschein, am Sonntag passte der graue Himmel nicht so recht zum strahlenden Jubiläum der Hirschhorner Ritter: Ihr Mittelaltermarkt feierte 40-jähriges Bestehen, wurde aber leider am zweiten Tag mit Regen begossen. Verkehrte Welt also imn Vergleich zum vergangenen Jahr. Der Samstag wiederum war ein mehr als schöner Auftakt gewesen, mit dem sich die Veranstalter sehr zufrieden zeigten. Kein Wunder: Hatten sie doch zum besonderen Anlass ein besonders hochkarätiges Programm aufgeboten. Was sich an den Besucherzahlen vor allem gegen Abend wiederspielte.

Als Besonderheit der Eröffnung auf dem Rathausvorplatz verlas diesmal des Königs Clericus, Johannes Carnicensis, die Stadtrechtsrechtsurkunde von König Wenzel, die den drei Hirschhorner Brüdern vor exakt 625 Jahren verliehen worden. In die Rolle schlüpfte ein erprobter „Ritter“: Hans-Jürgen Waibel, der als Ritter Friedrich auch immer Stadt- und Burgführungen anbietet.

„Volk von Hirschhorn, höret, fortan seid ihr freie Bürger“, proklamierte er. „Wir haben denselben von Hirczhorn  gunnet und erloubet, gunnen und erlouben in in craft dicz brief, das sy uss demselben dorfel ein stetlein machen und das mit mawrn, turnen, greben und andern notdurtigen sachen bewaren mogen“, heißt es in der Urkunde unter anderem. Ritter-Präsident Klaus-Jürgen Ehret erwähnte außerdem das 1404 durch König Ruprecht gewährte Marktrecht, sodass dadurch jeder Bürger freies Geleit genieße.

„Wir haben etwa 90 teilnehmende Gruppen, Händler, Handwerker und Künstler“, erläuterte Präsident Ehret. Zur Eröffnung gab’s dann traditionsgemäß auch das Marktregularium, verlesen vom Marktvogt höchstpersönlich, Dieter König. Für die wortgewandte Moderation sorgte Theo Theodor mit seinen Reimen. Allerlei Fußvolk und auch Volksvertreter aller Couleur fanden sich zu dem anfänglichen Spektakel ein.

Die Kronberger Ritter, zum 25. Mal in Hirschhorn vertreten, durften dann mit dem eigenen Leibe dafür Sorge tragen, dass das ausgeschenkte Bier auch von guter Qualität ist: Markus Reiß und Helmut Hirsch gaben sich dieser Aufgabe gerne hin. Die Hirschhorner Fahnenschwinger, der Fanfarenzug Eberbach und der aus Pforzheim wohnten neben einer großen Abordnung von Musikern, Künstlern und Gewandeten der Zeremonie bei. Mit zwei Böllerschüssen, die Wolfram Troeder vom Rathausbalkon zündete, war das 40. Ritterfest eröffnet.

Altes Handwerk wurde ganz groß geschrieben: Der mittelalterliche Markt ist dafür bekannt, dass immer zahlreiche Darsteller ihre sonst längst vergessenen Künste demonstrieren. Etwa der Wippdrechsler Johannes Brenner, der seit etlichen Jahren den weiten Weg von Meinerzhagen in Nordrhein-Westfalen an den Neckar auf sich nimmt. Er ist schon so lange mit im Boot, dass er die vielen Jahre nicht mehr zusammenbekommt. „Aber ich weiß, dass heute junge Frauen an meinen Stand kommen, an die ich mich noch erinnere, wie sie als kleine Mädels mit Opa die Wippdrechselbank bedient haben“, meinte er verschmitzt.

Der 49-jährige Silber- und Bronzeschmied Thomas Eisermann aus Ober-Olm findet es gut, „dass es hier so viel vorführendes Handwerk gibt“. Hirschhorn sei „ein sehr angenehmer Markt mit supernetten Veranstaltern, die sich um alles kümmern“. Nur knapp 20 Kilometer muss Frank Derikatz aus Wald-Michelbach an den Neckar zurücklegen. Der Lederer „macht wirklich alles selbst“, wie er betont: Gürtel, Taschen, Schnallen, Schließen und vieles mehr. „Ich arbeite von Hand so perfekt, dass die Gäste denken, es wäre mit der Maschine gefertigt“, meint er schmunzelnd. Überthaupt wurde Kinderbelustigung groß geschrieben: An jeder Ecke gab’s für die Kleinen was zu probieren, zu fertigen oder zu spielen.

Die bekannte Rittergruppe Fictum kam auch 2016 wieder an den Neckar. Die tapferen Recken aus Tschechien verstehen sich vortrefflich auf den Schaukampf in Rüstung mit historischen Waffen. Ihre Auftritte sind immer ein besonderes Ereignis. Dabei außerdem: Gaukler Hubertus zu Putlitz, die Hirschhorner Gruppe kampfhûs mit Fechtvorführungen, Lux Aeterna mit ihrer Feuershow sowie Kelvin Kalvus, der Meister der Kontaktjonglage, zusammen mit Stefan Weyh als Ars Mystica.

Vielen Spielmänner und -frauen waren vertreten: Die Veteranen von „Des Geyers schwarzer Haufen“, „Musica Canora“ und das Ensemble „Triskilian“. In der Tradition der fahrenden Sänger bereisen Jan Rolph und sein Weib Helene von Holzerode als „Die Heidweilers“ die Lande. Beim abendlichen Tavernenspiel mit feurigem Spektakel erlebten die Besucher noch einmal alle Akteure zusammen. Gerade am sonnigen Samstag war der Chateau-Landon-Platz zu diesem Anlass brechend voll. Viel Applaus war den Akteuren für ihre Darbietung gewiss.

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