Ein musikalisch-nachdenklicher Abend mit Nicole Kropmaier und Gudrun Kühn bei den Hirschhorner Ausklang-Konzerten

„Wer singt, betet doppelt“ soll der Heilige Augustinus gesagt haben. Für die Besucher des Ausklang-Konzerts in der Klosterkirche wurde diese über 1500 Jahre alte Weisheit wahr. Die Mezzosopranistin Nicole Kropmaier, inzwischen fleißige Unterstützerin des Fördervereins Klosterkirche, sowie die Organistin Gudrun Kühn führten durch einen musikalischen, aber zugleich nachdenklichen Abend. An diesem erlebten die Zuhörer, dass „jeder Ton eine Liebesbezeugung an Gott sein kann“, wie dies ein Besucher spontan danach formulierte.

Empfindsam-konzertant eröffnete Kühn mit einem dreiteiligen Orgel-Solostück und polyphonem Mittelteil den Abend gleichsam als Ouvertüre, die bereits viel anzukündigen hatte. Bei viel Nachdenklichem sollte zunächst etwas froh Stimmendes erklingen. Das Stück war eine freie Improvisation in Anlehnung an Mozart und seine Musik gedacht. Damit traf sie einen frühklassischen Stil hervorragend.

Worte des 23. Psalms, vorgetragen vom Ehemann der Organistin, Wolfram Kühn, ergaben die gedankliche Klammer, der Psalm selbst das Thema des Abends. Einzelne Verse, teilweise in Form subjektiver Gebete oder als Gedanken zu unserer Zeit ausgelegt, wurden hier im Lichte von Gottvertrauen und Glaube an die göttliche Gnade vorgetragen. Jeder Vers oder dessen Interpretation leiteten gleichermaßen perfekt auf die jeweils folgenden Arien oder Liedtexte über, so dass ein tieferes Verständnis der einzelnen Vertonungen möglich war.

Mit einer bewegenden, klaren Stimme und der sensiblen instrumentalen Begleitung ergab sich so ein berührender Kunstgenuss auf musikalisch und gedanklich anspruchsvollem Niveau. Liebevoll erklang zunächst die Arie „Er weidet seine Herde“ aus Händels Oratorium „Messias“. Im Wechselspiel mit den erklärenden Texten folgten eine Vertonung des als Thema des Abends gewählten Psalms „Der Herr ist mein Hirte“ und das schwedische Volkslied „Breit deine starken Hände“.

Es folgten das „Abendlied“ (Clement Gotterill/Raymond Weber) sowie aus Mendelssohns Oratorium „Elias“ die Arie „Sei stille dem Herrn“ – so klar und schön gesungen, dass es dafür einen Sonderapplaus gab. Der Konzertabend wurde instrumental mit Humperdincks „Abendsegen“ aus dessen Oper „Hänsel und Gretel“ beendet und abgerundet.

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