Zapfenstreich-Ausklang in der Hirschhorner Klosterkirche: Ein junges Streichquartett auf höchstem Niveau

Der Förderverein Klosterkirche ist sich der musikalischen Schätze von großartigen Musikern im „eigenen Land“ sehr wohl bewusst und bietet gern in den Ausklang-Konzerten solchen Talenten ein Forum. Etwas Besonderes ist es trotzdem, wenn vier junge Damen – drei Schülerinnen und eine Studentin, allesamt unter anderem in der Musikschule Hirschhorn und am Gymnasium Eberbach ausgebildet – ein Streichquartett formen, das bereits professionelles Niveau erreicht hat.

Das letzte Ausklang-Konzert in der Klosterkirche (es folgt noch eines in Neckarsteinach) wurde daher auch schmunzelnd als „Zapfenstreich-Ausklang“ bezeichnet. Mit dem Prelude aus den „Huit morceaux“ Op. 39 für Geige und Cello von Reinhold Gière (1874-1956), einem Komponisten der frühen russischen Moderne, begann die Darbietung.

Maria Lechner eröffnete den Abend mit einer leisen Cello-Kantilene, die alsbald von Jonna Böing mit der Geige übernommen wurde. Besinnliche Stimmung machte sich in der Klosterkirche breit. Das jeweilige Begleitinstrument gab dem Stück den pulsierenden Atem. Jeder Ton auf dem Cello war in seiner Intonation berührend. Vom selben Komponisten, aber mit feinfühlig abgestimmtem, tänzerischem Rhythmus im Stil des 18. Jahrhunderts ertönte noch eine Gavotte mit Musette als Mittelteil. Die erfahrene Kammermusik-Begleiterin Michaela Elkenhans ging perfekt auf die vier Steicher ein, egal ob am Klavier oder an der Orgel.

Dann zogen die Pracht und der Glanz des höfischen Barock in die Kirche ein. Denn Theresa Lechner, die bereits seit einigen Semestern in Münster Violine studiert, zeigte nun mit Jonna Böing aus dem Musik-Neigungskurs des Hohenstaufen-Gymnasiums Eberbach im Doppelkonzert d-Moll von Johann Sebastian Bach (1685-1750) ein äußerst präzises Zusammenspiel. Elkenhans an der historischen Orgel spielte den Generalbass zum präzise geprobten und höchst musikalisch interpretierten Orchesterwerk. Dass Bach in seiner Genialität bereits die Epoche der Romantik vorwegnahm, wurde beim innig verwobenen Gesang der Solistinnen im langsamen Satz des Doppelkonzerts deutlich.

Mit dem ersten Satz des g-moll-Klavierquintetts von Max Bruch (1838-1920) konnten die Besucher Romantik in ihrer Vollendung erleben – kompositorisch ebenso wie durch den Vortrag der Musikerinnen. Jedes Instrument hatte im Dialog seine Partie, auf die die anderen eingingen, während die Pianistin alle Nuancen an Dynamik mit ihrer vielfältigen, teilweise sehr virtuosen Klaviertechnik unterlegte.

Als sechster Akteur ist noch Rezitator Christoph Kerschgens zu nennen, der mit besinnlich-heiteren Texten ebenfalls seinen Beitrag zum großen Applaus leistete. Schließlich durfte das Publikum nochmals den 2. Satz aus Bruchs Quintett als Zugabe hören, losgelöst von der Anspannung eines Programmteiles und voller Romantik.

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