Gedenken an Carl Langbein zum 200. Geburtstag: Eine sehr vielseitig interessierte Persönlichkeit

Wer war eigentlich der berühmteste Sohn der Stadt, der vor 200 Jahren das Licht der Welt erblickte? Ulrich Spiegelberg, Vorsitzender der Freunde der Langbein‘schen Sammlung, die im Hirschhorner Museum zu sehen ist, versuchte sich Carl Langbein (1816-1881) anzunähern. Bei der Geburtstagsfeier auf dem Ersheimer Friedhof – „auch meine erste an einem solchen Ort“, meinte Spiegelberg. Eine schöne Zahl an Vereinsmitgliedern und Interessierten hatte sich zur Gedenkstunde am Grabmal der Familie Langbein eingefunden.

Der Vereinsvorsitzende kennzeichnete Langbein als „nach wie großen Unbekannten“, über dessen Leben es nur relativ wenige Mosaiksteinchen gebe. Er sah die Sammelleidenschaft des „Naturalisten“, wie sich Langbein 1857 erstmals bezeichnete und wie auch sein Gasthof hieß, in dem auch Mark Twain einkehrte, nicht unbedingt als wissenschaftlich geprägt an. Sondern eher gekennzeichnet von der Selbstbeschreibung, die einem Brief von 1850 zu entnehmen ist: Langbein als „warmer Teilnehmer alles Schönen und Religiösen, der Kunst- und Wirtschaftsangehörigen“.

Was der Gepriesene im Laufe seines Lebens zusammentrug, ist heute noch in der „Alterthümer- und Naturaliensammlung“ zu sehen, die im Hirschhorner Museum ausgestellt. Diese Schau erhielt sogar einen Preis des Kreises Bergstraße als regionales Kulturerbe. Teile der Bibliothek des Karmeliterklosters, Tierpräparate, Waffen und Rüstungen der Ritter von Hirschhorn, Skulpturen und Architekturfragmente, Malerei und Graphik, kunstgewerbliche Objekte sowie Möbel, Waffen und Jagdgeräte sind dort untergebracht.

Naturwissenschaftliche Studien sind laut Spiegelberg nicht von Langbein überliefert. Was ihn zur Vermutung führte, dass Hirschhorns bekannter Sohn einfach nur „Freude an der Natur hatte“ und ein eher unverfälschtes, naives Naturbild pflegte. Beim Religiösen sei Langbein „nicht in die Tiefe gegangen“, so der Vorsitzende. Natürlich fänden sich viele religiöse Objekte in der Sammlung, aber lange nicht allein.

Den Zugang zur Kunst pflegte der Naturallist „ganz direkt“, wie Spiegelberg sagte. Kunstwissenschaftliche Abhandlungen ließen sich keine finden. Langbein hatte aber „enormes Talent“. Er habe aus seinen praktischen Begabungen heraus den Weg zur Kunst gefunden. Eine künstlerische Ausbildung hatte der Mann des 19. Jahrhunderts nicht, „aber er hat Großartiges geleistet“, betonte der Historiker.

Eine wissenschaftliche Arbeit des Hirschhorners lasse sich auf dem Feld der Geschichte feststellen. Er sei dem historischen Verein Hessen beigetreten und habe auch ein Buch über die Stadtgeschichte mit eigenen Erkenntnissen ergänzt. Viele Archivalien seien leider ins Staatsarchiv gekommen, so Spiegelberg. Langbein habe „alles, was er schön fand, gesammelt“, meinte er. Deshalb sei die Sammlung auch „ein breites Potpourri“.

Der Vereinsvorsitzende charakterisierte den Zeitgenossen von Marx und Engels als „sehr vielseitig interessierte Persönlichkeit“. Man dürfe ihn nicht nur auf einen bestimmten Aspekt reduzieren, sondern müsse alle Facetten sehen. Wie bei Goethe, sagte Spiegelberg, der beileibe nicht nur Dichter gewesen sein. Langbein sei sicher kein aktiver Revolutionär in den Jahren 1848/49 gewesen, jedoch habe er „Anteil genommen“. Den Sozialismus wiederum wurde von ihm „nicht reflektiert“.

Spiegelberg wollte aber auch Langbeins Schwester Ida würdigen, die großen Anteil daran habe, dass die Sammlung heute noch erhalten sei. Diese stiftete unter anderem Geld für die Erhaltung der Grabstätte, für soziale Zwecke, aber auch für den Dachreiter der Klosterkirche. Allerdings legte die Stadt Hirschhorn das Geld 1914 in Kriegsanleihen an. Was bedeutete, dass es nach dem Ersten Weltkrieg „bis auf ein paar Mark weg war“. Die Feierstunde wurde umrahmt von der Wandermusikantin Frauke auf der Harfe. Im Anschluss ging’s noch in den Ersheimer Hof, wo auf die Teilnehmer ein kleiner Imbiss mit dem von der Bäckerei Grimm gebackenen Langbein-Brot, Griebenschmalz und Weißem Käse wartete.

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