Hirschhorn-Aquarelle von Philibert de Graimberg sind im Langbein-Museum zu sehen

Die Neckarstadt zu Carl Langbeins Zeit wird noch bis Anfang November in einer Ausstellung des Hirschhorner Museums lebendig. Diese findet anlässlich des Doppeljubiläums „625 Jahre Stadtrechte – 200 Jahre Geburtstag Carl Langbein“ statt. Vor allem Aquarelle des Philibert de Graimberg zeichnen ein Bild des Ortes vor 150 Jahren. Sie entstanden in den 1860er Jahren und zeigen Motive aus der Stadt, der Burg und die Kirchen. Hinzu kommt noch eine Gesamtansicht, die ergänzt wird durch ein Aquarell eines anonymen Künstlers, das detailgetreu die Stadt um 1861/62 abbildet.

Die Aquarelle geben einen guten Überblick, wie das Neckarstädtchen in dieser Zeit ausgesehen hat. Einige der dargestellten Häuser und Silhouetten gibt es heute nicht mehr, auch manches Detail verrät beim genauen Hinsehen, dass sich doch einiges beim zunächst vertrauten Anblick in den vergangenen 150 Jahren geändert hat.

Die Marktkirche besitzt noch nicht die heutige Sakristei und den Vorbau am Eingang. Die damals erst wenige Jahre zuvor wieder mit einem Dach versehene Klosterkirche bietet in ihrem Inneren noch ein Bild der Verwüstung und Zerstörung, das 1840 beim Abbruch des Daches entstand. Sie zeigt aber auch die beginnende Wiederherstellung – indem dargestellt ist, wie gerade die alten Sandstein-Bodenplatten gehoben werden, um damit den Boden zu erneuern.

Auch das Innere der Ersheimer Kirche entspricht nicht dem aktuellen Bild. Der heutige neugotische Altar wurde erst 1873 geschaffen. Damals war es ein barocker Altar, der heute im Pfarrhaus aufgestellt ist. In acht Aquarellen ist das Schloss in Teilansichten sowie Ansichten von Norden und Westen zu sehen. Im Hinterstädtchen findet sich neben einem Blick in die Klostergasse mit der längst abgerissenen alten Edelmann-Scheuer ein Aquarell mit den Fachwerkhäusern um das alte Spital, an dessen Platz heute die 1879 errichtete „Alte Schule“ steht.

Stimmungsvoll ist das Motiv des Fischertors mit der Fähre, das auch als Vorlage für die Bronzetafel des Altstadtvereins diente. Das alte Amtshaus/Erkerhaus (damals das Haus von Metzger Brettel) in der Hauptstraße und dortige Fachwerkhäuser (die alte Schmiede) geben interessante Motive aus dem Vorderstädtchen wieder. Der Freie Platz mit dem alten „Naturalisten“, damals noch in Haupt-und Nebengebäude unterteilt, die alte Thurn- und Taxis’sche Postexpedition, die 1867 zum „preußischen Postamt“ Hirschhorn wurde – nebst Gasthof und Bäckerei „Zur Sonne“ – ist auf einem weiteren Aquarell zu sehen.

Philibert de Graimberg (1832-1895) ist der Sohn des bekannten Grafen Charles de Graimberg, der viele Ansichten vor allem von Heidelberg für den entstehenden Neckartal-Tourismus anfertigte und reproduzieren ließ. Philibert hatte das künstlerische Talent seines Vaters geerbt. Seine Skizzen mehrerer Reisen durchs Neckartal arbeitete er später zu schönen Aquarellen aus. So sind auch die Hirschhorner Motive entstanden.

1851 begann Philibert de Graimberg mit dem Jurastudium in seiner Geburtsstadt Heidelberg, war aber meist als Zeichner auf Wanderschaft. 1878 heiratete er mit 48 Jahren Maria Gräfin Otting. 1881 übersiedelte die Familie auf ein Schloss im Allgäu nach Lautrach, 1888 nach Aschaffenburg, wo Graimberg 1895 starb.

Die Graimberg-Ansichten werden durch Aquarelle, Zeichnungen und Ölbilder ergänzt – so von Karl Weysser, Ferdinand Doerr, Heinrich Hofmann und Höfle (die Aquarellvorlage zum bekanntesten Hirschhorn Stich Höfle/Poppel). Bemerkenswert sind auch photographische Ansichten von Hirschhorn aus dem späten 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert. Erstmals werden zusammen die drei ältesten (im Originalabzug) gezeigt, die zwischen 1872 und 1884 entstanden.

Info: Das Langbein-Museum, Alleeweg 2, Hirschhorn, ist wie folgt geöffnet: Dienstag 14 bis 17 Uhr, Mittwoch bis Freitag 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr und Sonntag 15 bis 17 Uhr.

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