Nach der Pflege im Haus Cordula in Kortelshütte: Die 98-jährige Anna Naumer steht wieder auf eigenen Beinen

Anna Naumer ist eine Kämpfernatur, die selbst die erfahrenen Pflegekräfte im Azurit-Seniorenzentrum Cordula I immer wieder in Erstaunen versetzte. Denn die gebürtige Neckarauerin ist zarte 98 Jahre alt und erlitt im Frühjahr eine komplizierte Beckenringfraktur. Normalerweise kommen Senioren damit kaum mehr auf die Beine. Doch Anna Naumer biss sich durch, machte die Reha-Programme konsequent mit und durfte jetzt mit ihrer Tochter Iris Dörr wieder nach Hause – gehen.

Sechs Wochen musste die alte Dame nach der Operation im Theresien-Krankenhaus zuerst im Bett verbringen. Im Haus Cordula wurde sie vom Pflegeteam dann mobilisiert, mit dem Rollstuhl am Geschehen im Haus teilzunehmen, erinnert sich Hanschke. Nicht nur zum Essen, sondern auch für Gesellschaftsspiele oder zum Singen, was der 98-Jährigen viel Spaß machte. Eine knapp vierwöchige Reha im Bethanien-Krankenhaus, für die die Tochter viel kämpfen musste, war so erfolgreich, „dass Frau Naumer Ende Juli wieder kleine Schritte am Rollator machen konnte“.

Inzwischen kann sie längere Strecken mit dem Hilfsmittel oder sogar aus eigener Kraft ein paar Schritte machen. „Das ist eine große Leistung, dass sie jetzt wieder nach Hause kann“, schätzt Hanschke den „starken Willen“ der alten Dame gar nicht hoch genug ein. „Ohne diesen hätte sie es auch nicht gepackt“, ist sich die Heimleiterin sicher. In ihrem Alter, meint Hanschke, „ist das was Außergewöhnliches“. Anna Naumer habe wirklich „Gas gegeben“, macht sie der Senioren ein Riesenkompliment.

Unterstützt wurde Anna Naumer dabei von den anderen Heimbewohnern, die ihr Mut zusprachen, aber auch vom Pflegeteam und Physiotherapeutin Marina Litvin aus Hirschhorn, die sie in den vergangenen Wochen anleitete, sprichwörtlich wieder auf einen Beinen zu stehen. Für Heimleiterin Kathleen Hanschke ist diese Entwicklung fast schon ein Wunder und in ihrer Berufslaufbahn bisher so nicht untergekommen. Zuhause wird die 98-Jährige jetzt ambulant betreut.

Spaziergänge hatten es der Senioren schon immer angetan, vielleicht kam daher auch der Drang, sich wieder bewegen zu wollen, mutmaßt Hanschke. Gemeinsam mit ihrem früh verstorbenen Mann (1960) ging sie gerne wandern. Auch Schwimmen gehörte zu ihren Leidenschaften. Im hauseigenen Cordula-Chor sang sie gerne mit, an Informationen über Politik aus den verschiedenen Medien war sie interessiert.

Da die Mannheimer Familie seit langen Jahren einen Zweitwohnsitz in Hirschhorn hat, verbrachte Anna Naumer immer einen großen Teil des Jahres in der Neckarstadt. Sie war in der Vergangenheit schon des Öfteren zur Kurzzeitpflege im nicht weit entfernten Haus Cordula. Sollte es also mal zu einem stationären Aufenthalt kommen, wollten Mutter und Tochter immer einen Platz in Kortelshütte haben, weiß die Heimleiterin.

Die 98-Jährige war die jüngste Tochter von sieben Geschwistern. Sie erlebte zwar zwei Kriege mit, wurde jedoch laut Tochter Iris Dörr in Neckarau nicht ausgebombt. „Meiner Mutter ging es immer gut und es fehlte an nichts.“ Als die US-amerikanischen Soldaten kamen, hatte sie sogar die Möglichkeit, in der Speisenversorgung der Armee mitzuarbeiten. Sie durfte Obst, Gemüse und Brot mit nach Hause nehmen und ernährte damit die gesamte Familie. Heute ist sie die einzige der Geschwister, die noch lebt.

In jüngeren Jahren war Anna Naumer sehr reiselustig. Sie war immer unterwegs, berichtete die Tochter, mit Freunden und Familie, in der Schweiz und Österreich. Und bereiste sogar andere Kontinente, erinnert sie sich. Gearbeitet hat die Seniorin im Mannheimer „Rosengarten“. Im Kongress- und Tagungszentrum bediente sie Stadträte und war für die Garderobe zuständig. Sie ist stolz darauf, dass ihre Enkelin nun auch Stadträtin wird. Ihr größter Wunsch ist es, im Oktober mit zu deren Vereidigung gehen zu können.

Bis sie 80 Jahre alt wurde, war Anna Naumer immer gesund, sagt Tochter Iris. Der erste Schicksalsschlag war dann ein Schlaganfall. „Sie war gerade mit einer Freundin auf Sylt, als es passierte.“ Erkannt wurde es erst einen Tag später durch Zufall. Das Geheimrezept für die Gesundheit ihrer Mutter: „Sie ist und war schon immer eine Frohnatur.“ Sie habe sich durch nichts klein kriegen lassen und lebte nach dem Motto „Wir müssen einfach nach vorne schauen.“

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