Wunderschöne, stimmungsvolle Pilgerwanderung nach Unter-Sensbach

„Es war eine wunderschöne, stimmungsvolle Wanderung in der Abendsonne und ein sehr besinnliches, ruhiges Abendmahl“, blickt Pfarrer Roland Bahre erfreut auf die Pilgerwanderung von der Sensbacher Höhe hinunter zur Unter-Sensbacher Kirche zurück. Organisiert hatten diese das zweite Mal die Sensbachtaler Landfrauen um Jutta Haas. Ihr Mann Dietmar fungierte als Wanderführer für die etwa sechs Kilometer lange Strecke.

Der Weg führte zu großen Teilen entlang des alten Kirchenpfads, den die Sensbachtaler über Jahrhunderte hinweg bis 1959 nutzten. Dann nämlich wurde die evangelische Kirche in Unter-Sensbach gebaut und musste nicht mehr die Berg-und-Tal-Strecke bis zur Beerfelder Martinskirche gewandert werden. Die Erwachsenen nahmen ihn jeden Sonntag auf sich, Konfirmanden dazu noch zusätzlich unter der Woche. „Manche erinnern sich bestimmt noch daran“, meinte der Geistliche mit Blick in die Menge.

Jutta Haas äußerte ihre Freude über die gute Resonanz, denn 40 Teilnehmer waren dem Aufruf gefolgt. Die kamen beileibe nicht nur aus der Oberzent, sondern durch das dichte Landfrauen-Netzwerk auch aus anderen Bereichen des Odenwaldkreises und darüber hinaus. Haas wünschte sich ein Innehalten und Entspannen auf der Pilgertour, aber gleichzeitig rief sie den Mitwanderern auch zu, sich im übertragenen Sinn bergab „gehen zu lassen“.

Die Strecke führte zuerst ein Stück auf dem Höhenweg Eberbach-Beerfelden, ehe die Wanderer dann auf Pfaden, die bereits ihre Vorfahren lange beschritten hatten, Richtung Unter-Sensbach abbogen. Passiert wurde auch der alte Stein, an dem in vergangenen Jahrhunderten auf dem Weg bergauf zum Friedhof die Särge abgestellt wurden. Hierher, erläuterte Jutta Haas, kam in früheren Zeiten der Pfarrer von der Kapelle her entgegen und sprach ein erstes Gebet.

Unterwegs, auf einer idyllischen Lichtung, hielt Pfarrer Bahre eine kurze Andacht. In der Unter-Sensbacher Kirche wurde dann das Heilige Abendmahl gefeiert und stärkten sich die Pilger nach der etwa eineinhalbstündigen Tour. Zu Beginn hatte Bahre ebenfalls ein Gebet gesprochen, in dem er Gott als Wegweiser und Plan kennzeichnete: „Gott du gehst mit.“ Die Menschen seien aber aufgefordert, ihre Schritte selbst zu setzen: „Gehen müssen wir selbst.“

„Ich laufe weiter“, hieß denn passenderweise auch das Thema der diesjährigen Wanderung. Menschen erlebten Schicksalsschläge, müssten Abschied nehmen, so der Pfarrer. Die Frage „Wie geht es weiter“ stelle sich daneben möglicherweise auch nach eigenen Fehlern. „Die Entscheidung wird von den Füßen vorgegeben“, meinte Roland Bahre. Alles füge sich von allein, wenn man weitergehe, auf seinem Lebensweg „einen Schritt nach dem anderen macht“. Auch wenn dies erst einmal schwer fallen könnte, „lässt man auf jedem Schritt auch etwas hinter sich“.

Hinter dieser Pilgerwanderung, so Haas, stecke der Gedanke, entspannen zu können, in sich zu gehen, den Stress vom Alltag abzubauen, das eigene Leben zu bedenken. Zum Auftakt 2015 hatte man als Motto „Freunde in der Welt“ gewählt. Wie Pfarrer Bahre ergänzte, wolle man die Pilgerwanderung in der Zeit des Übergangs vom Sommer in den Herbst machen, wenn die Tage wieder kürzer werden.

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