Beerfelder Bauhof bekommt jetzt doch defintiv eine Pelletheizung

Der Bauhof bekommt eine neue Pellet-Heizung, die mittels Nahwärmeleitung auch die Alte Turnhalle mit versorgt. Mit der knappen Entscheidung (10:8) gegenüber einer viel günstigeren Ölheizung setzte die Stadtverordneten-Versammlung jetzt einen Schlusspunkt unter eine seit einem Jahr laufende Diskussion. Die Befürworter hatten vor allem auf die Nachhaltigkeit und den Vorbildcharakter der Gemeinde hingewiesen, die Gegner die viel höheren Anschaffungskosten moniert.

Zu später Stunde prallten in der Sitzung die Meinungen unversöhnlich aufeinander, ergaben sich immer wieder Diskussionspunkte, sodass Stadtverordneten-Vorsteher Hans-Jürgen Löw mit Blick auf die Uhr ein Ende des Gedankenaustauschs forderte. Trotzdem gingen immer noch ein paar Hände in die Höhe, was die intensive Beschäftigung mit dem Thema verdeutlichte.

Schließlich ging es ja auch um viel Geld: Die Pelletanlage kostet in ihrem Einbau etwa 155.000 Euro. 44.000 Euro davon flössen dabei an Zuschüssen. Wobei sie aber immer noch um etwa 70.000 Euro teurer ist als die Installation einer Öl-Kesselanlage im Bauhof. Die stammt aus dem Jahr 1986 und muss per Gesetz nach 30 Jahren ersetzt werden – egal ob sie noch funktioniert oder nicht.

Diplom-Ingenieur Günter Hoffart vom Michelstädter Büro Braun hatte in der vorangegangen Sitzung erläutert, die jetzige Anlage habe einen durchschnittlichen Heizöl-Verbrauch von etwa 12.000 Litern im Jahr. Sie arbeite „nicht wirtschaftlich und effektiv“. Überalterte Kessel seien „deutlich unwirtschaftlicher als moderne Wärmeerzeugungsanlagen“. Laut dem Ingenieur hat die öffentliche Hand eine Vorreiterfunktion, wenn es um den Einsatz von erneuerbaren Energien zur Wärmeerzeugung gehe.

Man könne die Effizienz der Anlage im Bauhof erhöhen, erläuterte Hoffart damals, wenn über eine Nahwärmeleitung die benachbarte Alte Turnhalle ebenfalls angeschlossen werde. Ein wirtschaftliches Konzept ergebe sich dann, wenn die Holzpelletanlage zur Abdeckung der Grundlast und die Ölkessel-Heizung der Sporthalle für die Spitzenzeiten verwendet werden. Letztere stammt aus dem Jahr 2001 und darf noch 16 Jahre in Betrieb sein. Bei den jährlichen Brennstoffkosten schneidet eine Pelletanlage viel besser ab als die Öl-Variante – allerdings kann niemand die Entwicklung der Preise in den kommenden 15 Jahren voraussagen.

Im März hatten die Stadtverordneten im Zuge der Haushaltsberatung beschlossen, über die Art der Heizung nochmal zu entscheiden und sich dazu auch Rat vom Klimaschutzmanager des Odenwaldkreises einzuholen. Dessen Auftritt um Juli kam allerdings im Rund nicht so gut an, wie aus den Äußerungen herauszuhören war. Bei der FDP zeigte man sich von den vorgelegten Unterlagen des Büros Braun ebenfalls nicht überzeugt. Sowohl Büro als auch Klimaschutzmanager hatten eindeutig die Pelletanlage befürwortet.

Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) betonte, dass beim Neubau von Heizungsanlagen „die öffentliche Hand eine Vorbildfunktion einnehmen sollte“. Deshalb stellte sich für sie die Frage eines Entweder-oder auch nicht. Erwin Körber (SPD) wies darauf hin, dass die Pelletanlage bereits im Haushalt eingestellt sei. Im Bürgerhaus gebe es schon eine, „die problemlos läuft“. Für seine Fraktion bekräftigte der Sprecher, „dass wir zu erneuerbaren Energien stehen“. Für die Zukunft werde sich diese Form der Wärmeversorgung rechnen, meinte er. Auch Walter Gerbig (CDU) äußerte sich pro Pellet.

Strikt dagegen wandte sich Ralph Willenbücher (FDP). Ihm wollte sich nicht erschließen, warum man so viele Steuergelder zusätzlich für eine Heizungsanlage ausgeben wolle, die nur 50 Tonnen Kohlendioxid gegenüber eine Ölheizung einspare und deren positive Berechnungen er anzweifelte. Vehement forderte er, die günstigere Variante zu nehmen und die Gelder anderswo sinnvoller einsetzen – etwa bei der Gesundheitsversorgung in der Oberzent. Wie auch Chris Poffo (ÜWG). Der meinte, „ein moderner Ölkessel ist keine Dreckschleuder“.

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