Stadtverordnete lehnen mehrheitlich Bau von Wohn- und Geschäftshaus beim Nordic Center ab

Auf dem Gelände des Nordic Centers wird Richtung Stadtmitte kein Wohn- und Geschäftshaus gebaut. Die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung lehnte das Ansinnen eines Beerfelders nach einer kontroversen Diskussion ab. Begründet wurde dies mit dem Vorrang für eine Sport- und Marktnutzung in diesem Gebiet – man wolle keinen Präzedenzfall für umliegende Gelände schaffen. Die Befürworter wiederum wollten alte Zöpfe abschneiden und über zehn Jahre nach dem ursprünglichen Beschluss auch mal etwas Neues angehen.

Ausschuss-Vorsitzender Erwin Körber (SPD) zeichnete die dortige Diskussion und den Sachverhalt nach. Demnach wurde das Gelände am südlichen Ortseingang 2005 für einen sehr günstigen Preis an das Nordic Center verkauft. Mit der Maßgabe, dort diese Einrichtung und diverse sportaffine Nebennutzungen zu kreieren. Wie Körber betonte, habe die „Nutzung für öffentliche Zwecke“ stets im Mittelpunkt gestanden und sei Voraussetzung gewesen.

Zur damaligen Zeit, sagte der Vorsitzende, habe man sich auf dieser Fläche eine entsprechende positive Entwicklung und auch ein Alleinstellungsmerkmal in diesem sportlichen Segment erwartet. Heute hätten im Gebäude aber nur noch eine physiotherapeutische Praxis, ein Fitnessstudio und das Büro der Gesundheitskooperation ihren Sitz.

Der in diesem Jahr eingegangene Antrag, die Fläche von einem Gewerbe- zu einem Mischgebiet umzuwandeln, damit eine Bebauung möglich sei, wurde laut Körber von der Ausschussmehrheit abgelehnt. Diese wolle „den Status quo erhalten“. Denn der damalige Verkauf sei unter den besonderen Konditionen mit der Maßgabe erfolgt, dass dort eine Bebauung nur vor dem Hintergrund einer sportlichen Nutzung erfolgen solle.

Darauf wies auch Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) hin. Die Gesamtfläche sei damals zum „Supersonderpreis“ veräußert worden. Wenn man jetzt dort ein Wohnhaus erlaube, sei das ungerecht gegenüber anderen Bauwilligen in Beerfelden, die normale Grundstückspreise zahlten. Sie befürchtete außerdem einen Nutzungskonflikt durch die umliegenden Gewerbe- und Sportgebiete. Man müsse in größeren Dimensionen denken, meinte die Grünen-Parlamentarierin, und nicht stückchenweise über jedes einzelne Projekt entscheiden.

„Die Fläche wurde für die Zukunft entwickelt“, meinte Rüdiger Holschuh (SPD). Wenn man hier jetzt private Bebauung zulasse, „dann wäre diese auch auf den angrenzenden Grundstücken möglich“ – wo sie bisher verboten war. Einen solchen Domino-Effekt möchte der Stadtverordnete vermeiden. Das sei nicht die Bauleitplanung, die er sich für Beerfelden vorstelle. An dieser Stelle solle ein Sport- und Marktgelände im Vordergrund stehen.

Bedenken gegen eine Änderung hatte auch Walter Gerbig (CDU). Er wies darauf hin, dass mit späteren Firmenansiedlungen in der Umgebung der Wohnwert in Mitleidenschaft gezogen werden könne und sich dann dadurch Probleme ergäben – die habe man jetzt wegen der eindeutigen Zuordnung der verschiedenen Gebiete nicht.

Chris Poffo (ÜWG) fehlten die „stichhaltigen Argumente“, warum dort eine Bebauung verweigert werden solle. Man falle bei der Argumentation „in alte Muster zurück“. Frühere Entscheidungen ließen sich heute auch mal ändern – anstatt bei Schema F zu bleiben: „Haben wir schon immer so gemacht.“

Ähnlich äußerte sich auch Ralph Willenbücher (FDP). Es sei „Unsinn“, auf einer vor zehn Jahren getroffenen Entscheidung zu beharren, wenn sich heute die Situation ganz anders darstelle. Der FDP-Mandatsträger forderte, Gewerbetreibenden unter die Arme zu greifen und sie in ihren Bemühungen zu unterstützen. Dies sei ebenfalls „von öffentlichem Interesse“, griff er die Argumentation der Gegner auf und legte sie zu Gunsten des Antrags aus.

Bei fünf Ja- und zwölf Nein-Stimmen sowie drei Enthaltungen wurden die beiden notwendigen Änderungen der Bebauungspläne abgelehnt. Es bleibt somit alles beim Alten.

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