Informationen über den Fortgang der Gesundheits-Versorgungs-Kooperation in Beerfelden

Vor genau einem Jahr wurde der Verein Gesundheits-Versorgungs-Kooperation (GVK) Oberzent im Sitzungssaal des Bürgerhauses gegründet. An selber Stelle informierten nun Elke Kessler von der der betreuenden Firma ASD-Concepts und der zweite Vorsitzende Alwin Weber über den Fortgang. Der ist durchwachsen und „ein Bohren dicker Bretter“, wie Dr. Weber unumwunden zugab. Auf einigen Felder ließen sich aber auch Fortschritte verzeichnen.

Dass in der Oberzent-Stadt die GVK stark mit der Lösung des „Hausarzt-Problems“ verbunden wird, machte die Äußerung von Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) deutlich. „Wir diskutieren die ganze Zeit, aber es tut sich nichts“, meinte sie mit Blick auf das Fehlen von Allgemeinmedizinern. Kessler entgegnete hier, dass es Gespräche gebe. Mit denen wolle man aber nicht frühzeitig in die Öffentlichkeit gehen, da es im vergangenen Jahr schlechte Erfahrungen damit gab.

Wie die ASD-Mitarbeiterin weiter sagte, habe eine Arztansiedlung „nicht nur etwas mit Geld zu tun“. Ein potenzieller Kandidat müsse sich auch in der Region wohlfühlen. „Das Umfeld ist wichtig.“ Alwin Weber ergänzte: „Wir hätten es uns leichter vorgestellt.“ Es gelte, die Rahmenbedingungen zu verbessern, damit die Attraktivität gesteigert werden könne.

Seitens der GVK habe man auch bei den Akteuren Ängste beobachtet, „wenn es Neues entsteht“. Deshalb forderte Weber alle Mitwirkenden auf, das vorhandene Potenzial zu nutzen und sich für die entstehenden Möglichkeiten zu öffnen. Er zeigte sich überzeugt davon, „dass der Rest läuft“, sobald der Anfang mit einem Vorzeigeobjekt gemacht sei.

Das wiederum in Form eines Ärztehauses steht laut Werner Janowicz vom gleichnamigen Therapiezentrum in den Startlöchern. „Wenn wir einen Hausarzt haben, legen wir los“, sagte er. Mit eingeplant sei auch eine Interimslösung für einen Mediziner, bis der Bau fertig sei. Brigitte Zimmermann (Grüne) regte eine Unterstützung seitens der Stadt für die Aktivitäten von Janowicz an. Dieser könnte sich vorstellen, dass diese etwa bei der genannten Interimslösung zum Tragen kommen könnte.

Als Ziele der GVK nannte Weber zuvor eine dauerhafte Sicherung der Gesundheits-, insbesondere der ärztlichen Versorgung. „Die Hausarztversorgung ist die erste, die wegbricht.“ Außerdem gehe es um eine Optimierung der Qualität der Versorgung durch vernetztes Arbeiten sowie den Ausbau der Oberzent zu einem Zentrum für Prävention und Rehabilitation.

Der Michelstadter Mediziner wies auf den Wandel in der Ärzteschaft hin. „Ärzte sind heute überwiegend weiblich.“ Der Trend gehe zu größeren Organisationen mit geregelter Arbeitszeit, Urlaub und Teilverantwortung. Wichtig seien das soziale Umfeld, die Kinderbetreuung und die Beschäftigung des Partners in der Nähe. Was Weber zur Aussage führte: „Die Region muss neue Gesichter auch willkommen heißen.“

Ein besonderes Pfund zum Wuchern ist laut Weber die angestrebte Fusion der Oberzent-Gemeinden. Dadurch gab es Chancen, Fördertöpfe im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit aufzutun, sodass Gelder „in die Kommunen hinein kommen“. Diesen wiederum werde es dadurch ermöglicht, eine „zukunftsfähige Struktur aufzubauen“.

Die Aufgabe der GVK sieht der Mediziner darin, die Angebote der Gemeinden zusammenzufassen und die Bedarfe der Bürger einzuholen. In der Kooperation seien neben Haus- und Fachärzten auch alle anderen Anbieter aus dem Gesundheitssegment wie Pflege, Reha, Prävention oder Sozialleistungsträger mit involviert. Auf diese Weise solle ein „Gesundheitscampus“ für 8000 bis 12.000 Bürger geschaffen werden.

Kessler verdeutlichte den aktuellen Stand beim Gesundheitsversorgungs-Zentrum. Demnach seien Geschäftsstelle und Patientencoach mit festen Geschäftszeiten installiert, gebe es laufende Gespräche mit Haus- und Fachärzten, Sanitätshaus und Investoren sowie sei die Integration sozialer Dienste mit Liga, DRK, Diakonisches Werk, Caritas und Integra am Laufen. Weber ergänzte, dass mit der Blaupause GVK Oberzent vor einem Monat auch eine GVK für den gesamten Odenwaldkreis gegründet worden sei. (Archivbild Gründung GVK 2015)

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