Gewaltiges Interesse an der Vorstellung der Hirschhorner Bürgermeister-Kandidaten für die Wahl am 25. September

Damit hatte keiner gerechnet: Das Interesse an der Kandidatenvorstellung für die Bürgermeisterwahl am 25. September war gewaltig. Zehn Prozent der Hirschhorner Einwohnerschaft, über 350 Personen, drängten sich in den Bürgersaal. Dort präsentierten sich unter der Moderation von Notar Jürgen Scheuble Aloisia Sauer, Oliver Berthold und Hans-Joachim Lierz mit ihren Gedanken und Themen in einem sehr sachlichen, angenehmen Rahmen. Zahlreiche (Detail-)Fragen aus dem Saal machten das große Interesse der Bürger daran deutlich, wie es mit ihrer Heimatstadt weitergehen soll.

Wirklich prägnante Unterschiede ließen sich in den Vorstellungen der drei Kandidaten nicht ausmachen. Ihnen geht es im Großen und Ganzen darum, mit wenig Geld aus der „Perle des Neckartals“ viel zu machen. Hauptaugenmerk liegt hier auf dem Tourismus. Dem wird, so kamen manche Äußerungen rüber, schon fast heilsbringende Wirkung zugeschrieben. Er soll mit allen Mitteln gefördert werden, um so mehr Menschen, mehr Geld, mehr Kaufkraft in die finanziell am Boden liegende Neckarstadt zu bringen. Dafür würden die Kandidaten (fast) alles tun.

Damit es Geld in Form von Steuerzuweisungen von Land und Bund gibt, müssen mehr Einwohner her. Da die Bewerber schlecht selbst für genügend Neubürger sorgen können, geht es ihnen darum, den Zuzug zu fördern, dafür die notwendigen Voraussetzungen durch Bauplätze und günstige Rahmenbedingungen zu schaffen, und weiterer Abwanderung vorzubeugen.

Dafür sind allerdings zwei Dinge notwendig, waren sich Lierz, Sauer und Berthold einig. Zum einen muss es preiswerten Wohnraum geben. Da Neubaugebiete in Hirschhorn so gut wie nicht vorhanden sind, geht das vor allem über die Bekämpfung des Leerstands in der Altstadt. Hier stehen allein über 40 Wohnungen leer, wusste Sauer. Ein zweiter Punkt ist die Attraktivitätssteigerung des Ortes: Das könnte über eine bessere Nahversorgung, aber auch durch vermehrte (Freizeit-)Angebote für die Menschen geschehen.

Denn eines meinten die drei Kandidaten unisono: Hirschhorn hat Potenzial, und was für eines. Mit seiner Lage am Rand der Metropolregion, seiner herrlichen Natur, der pittoresken Fachwerkaltstadt mit Schloss, dem Neckar vor der Haustür, aber gleichzeitig der S-Bahn-Anbindung mit Fahrzeiten von gerade einmal 20 bis 30 Minuten in die Ballungsräume, bietet es den geschafften, von Lärm und Hitze geplagten Großstädtern genauso eine Rückzugsmöglichkeit wie Heidelberger Studenten günstigen Wohnraum. Denn die Grundstückspreise in Hirschhorn sind ein Witz gegenüber denen in Heidelberg.

Der Edinger Lierz, als einziger ein Kandidat von außen, machte dabei die prägnantesten Äußerungen, wie er sich eine Werbung für die Neckartal-Perle vorstellt: etwa ein Partyboot an den Fluss holen oder in Heidelberg für die Attraktivität Hirschhorns schaulaufen. Berthold will unter anderem in Zusammenarbeit mit Dehoga und Weißer Flotte mehr Schiffe an die Stadt bringen. Sauer setzt auf Netzwerke und Lobby-Arbeit, um gemeinsam das Beste für die Stadt zu erreichen.

Lierz ist daneben derjenige, der sich bereits auf seinem Wahlkampfflyer klar gegen Windkraft am Greiner Eck ausspricht – obwohl schon zwei Windräder im Bau sind und gerade aktuell ein Gerichturteil pro Bau der vier Windenergieanlagen auf dem Höhenrücken zwischen Neckarsteinach, Schön, Hirschhorn und Heddesbach vorliegt. Auf Nachfrage positionierten sich auch Berthold und Sauer gegen die Windenergie – wohlgemerkt nicht generell und nur im Odenwald, weil sie dort nicht wirtschaftlich sei und die Natur verschandle.

In punkto Bürgerbeteiligung und Zusammenarbeit mit den städtischen Gremien herrschte weitgehende Einigkeit: Die Anliegen der Einwohner sollen mehr in den Mittelpunkt gestellt werden, diese sollten sich wahr- und ernstgenommen fühlen. Ob das nun Bürgerkonferenz (Lierz), Bürgersprechstunden (Berthold) oder mehr Servicequalität für die Bürger (Sauer) hieß.

Der Lebenslauf ist denn das, was wirklich den Unterschied zwischen den drei Kandidaten ausmacht. Der 37-jährige Berthold, ein waschechter und bestens in der Stadt vernetzter Hirschhorner, arbeitet seit zwei Jahren in der Heidelberger Wirtschaftsförderung und hat ein Verwaltungsstudium durchlaufen. Die 60-jährige Sauer, ebenfalls aus Hirschhorn stammend, kehrte vor einiger Zeit in ihre Heimatstadt zurück und ist erfolgreiche Unternehmensberaterin. Der 53-jährige Lierz baute verschiedene Nachhilfeeinrichtungen in der Region auf und leitet heute die Schülerförderung Rhein-Neckar in Edingen.

Info: Die Bürgermeisterwahl in der hessischen Stadt Hirschhorn/Neckar (3500 Einwohner) findet am Sonntag, 25. September, statt. Notwendig geworden war sie, weil der bisherige Amtsinhaber Rainer Sens in einem Bürgerentscheid am 5. Juni von den Hirschhornern abgewählt worden war. Angestrengt worden war der bis dato im Kreis Bergstraße einmalige Vorgang von der CDU und der Wählervereinigung Profil, die dem damaligen Rathauschef selbstherrlichen Agieren und eine intransparente Informationspolitik an den städtischen Gremien vorbei vorwarfen. 20 Stimmen lagen die Abwahl-Befürworter über dem notwendigen Quorum von 30 Prozent der Wahlberechtigten, in absoluten Zahlen waren über zwei Drittel der abgegebenen Stimmen gegen Sens. Was zu dem in Hessen so gut wie einmaligen Vorgang führte, dass ein Jahr vor der eigentlichen Bürgermeister-Neuwahl ein Amtsinhaber seinen Posten räumen müsste und innerhalb von vier Monaten Neuwahlen notwendig wurden.

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