Odenwälder Dekanatskirchentag in Hirschhorn: Vom Fluss, vom Wasser und vom Glauben

ine neue Sprache zu finden für die zeitlos frohe Botschaft der Kirche ist eine der Herausforderungen, die Dr. Karl-Heinz Schell sieht. Der Dekan des Evangelischen Dekanats Odenwald und sein badischer Amtskollege Ekkehard Leytz (Dekanat Neckargemünd-Eberbach) äußerten sich zu der Frage „Wohin treibt es uns?“ bei einer von Präses Jan Heidrich (Michelstadt) moderierten Gesprächsrunde während des 34. Odenwälder Dekanatskirchentages.

Das treffen der Gläubigen fand in Hirschhorn statt und stand unter dem Titel „Flussgeschichten: An Strömen lebendigen Wassers“. Schell korrigierte das Bild des getrieben Werdens: „Wohin werden wir geführt, heißt für mich die Frage.“ Veränderungen seien nicht zuletzt angesichts der demographischen Entwicklung unumgänglich. Auch Kollege Leytz sah das gleichermaßen realistisch wie gelassen: „Ich habe vor Veränderungen keine Angst.“

Der Dekanatskirchentag hatte begonnen mit einem Gottesdienst, der trotz strömenden Regens im Freien auf dem Chateau-Landon-Platz stattfand – die Besucher saßen trocken in Zelten. Kindergottesdienstkinder brachten Neckar-Treibholz zum Altar – ein wichtiges Leitmotiv des Tages, das auch Dekan Schell in seiner Predigt aufgriff.

Bei „Gesprächen auf dem Roten Sofa“ erzählte der Hirschhorner Ludwig Heyer mancherlei Bemerkenswertes aus der Geschichte der Neckarschifffahrt und verblüffte die Zuhörer aus dem Bergland mit nüchtern gesprochenen Sätzen wie „Hochwasser ist kein großes Drama“. Christa Lorenz aus Neckarsteinach hingegen erinnerte sich an etliche beglückende ebenso wie an bedrückende Wasser-Erlebnisse aus Kindertagen.

Für Kinder gab es auf dem nahegelegenen Spielplatz allerhand zum Erleben, Mitmachen und Basteln, wofür das Team der Dekanats-Gemeindepädagogen verantwortlich zeichnete. Der Eberbacher Holzbildhauer Franz Musiol hatte eine eindrucksvolle Auswahl seiner Werke in der evangelischen Kirche ausgestellt. Wer selbst kreativ werden wollte, konnte dies beim Treibholzbasteln unter Anleitung von Helga Blohut-Hohmann tun.

Glaubenskurse wurden vorgestellt, das Thema Wasser als Ressource beleuchtet, meditatives Tanzen angeboten. Kinder und Jugendliche brachen zu Kanufahrten in den Neckar auf. Ein umfassendes musikalisches Angebot bereicherte den Dekanatskirchentag zusätzlich: von allen Ecken und Enden des Veranstaltungsgeländes waren Klänge zu hören, mal eher rhythmisch, mal mehr melodisch.

Den Ausklang des Tages erlebten die Besucher mit der Uraufführung des eigens für diesen Anlass geschriebenen Musicals „Die Wellen des Lebens“. Komponistin Iris Thierolf, bei der auch die Gesamtleitung der umjubelten Aufführung im bis auf den letzten Stehplatz gefüllten Hirschhorner Bürgerhaus lag, hatte einen Text des Rothenberger Pfarrers Reinhold Hoffmann vertont.

In einfühlsamen und immer wieder ans Thema Glauben anknüpfenden Kapiteln wird hier ein Lebensweg mit allen seinen Facetten beschrieben – Freude und Glück ebenso wie Trauer und Schmerz, Trennung, Wut und Abschied: eine große Kunst, die Gesamtheit dieser das Leben ausmachenden Empfindungen in eineinhalb Stunden Text und Musik so vollkommen zusammenzufassen.

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