Anonyme Drohungen: Investor Rolf van den Berg verlässt Hirschhorn nach sechs Jahren

Rolf van den Berg wirft hin. Der Hirschhorner Investor verlässt zum Jahresende die Neckarstadt auf Nimmerwiedersehen. Grund sind anonyme telefonische Drohungen und Verunglimpfungen auf Facebook, wie van den Berg selbst in einem Post im sozialen Netzwerk erläutert. Nach sechs Jahren und fünf Millionen Euro Investitionen Gastronomie- und Wohnimmobilien mag der Millionär jetzt nicht mehr. Auftrag ausgeführt, „Hirschhorn belebt“ – und fertig, meint er lakonisch. Wohin ihn die Reise zieht, möchte er nicht verraten.

Van den Bergs Ankündigung vor kurzem bewirkte einen Kommentar-Aufschrei auf Facebook. Allgemein wurde großes Bedauern ausgedrückt, verbunden mit dem Unverständnis, dass es solche Angriffe überhaupt gibt. Der Investor hatte durch sein Wirken ab 2010 viele Hirschhorner Objekte aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt, der Hauptstraße durchs Kartoffelhaus neues Leben eingehaucht, das Rathaus mit dem Café wieder salonfähig gemacht und mit dem Steakrestaurant Debo 800 einen Hingucker an der Neckarpromenade geschaffen. „Über 80.000 Gäste besuchen pro Jahr unsere Betriebe“, hebt er hervor. Er betont: „Für die Mitarbeiter ändert sich nichts.“

Nicht zu vergessen die Häusersanierungen und -neubauten. Ein Stadtbild prägendes Fachwerkhaus in der Hauptstraße 24 ließ van den Berg mit viel Liebe zum Detail wieder herrichten. In der alten Brauerei gegenüber dem Bahnhof entstanden zusammen mit einem Neubau auf dem Gelände acht hochwertige Eigentumswohnungen, von denen – neben allen anderen Wohnobjekten – drei nun verkauft werden.

„Seit Juli 2016 erhalte ich unregelmäßige, anonyme Drohanrufe, dass ich mich verpissen soll, sonst passiert was, oder Steine werden fliegen“, erläutert der frühere Meto-Mitarbeiter seine Beweggründe. Zeitgleich erschienen seinen Worten zufolge „anonyme Beiträge und Kommentare in Facebook mit absurden Theorien“. So etwa, dass er Einfluss nehme auf die Bürgermeister-Wahl.

Auch sei er, van den Berg, die oder eine entscheidende Figur bei der Abwahl des früheren Bürgermeisters Rainer Sens gewesen, laute ein Vorwurf. „Ja klar, es ist ja kein Geheimnis, dass Herr Sens und ich nicht immer einer Meinung waren“, sagt der Noch-Hirschhorner. „Das haben wir auch nie verschwiegen und uns am Ende immer zivilisiert zu einem Kompromiss durchgerungen.“ Es sei dabei aber um sachliche und nie um persönliche Themen gegangen, betont er nachdrücklich.

Er habe sich, so van den Berg, für die Entscheidung zu gehen sehr viel Zeit genommen. „Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich mich nicht von einer verwirrten und vom Leben vielleicht enttäuschten Minderheit benutzen und bedrohen lasse.“ Er lasse sich von dieser Personengruppe und ihren Anhängern „keine absurden Theorien aufzwingen, um diese dann mit blödsinnigem Aufwand zu entkräften oder zu widerlegen“.

Van den Berg wird noch deutlicher: „Diese Alltagsverzweifelten in ihrem Verbitterungsmilieu mit ihren gefühlten Wahrheiten haben sich vollkommen immunisiert gegen sachliche Argumente.“ Sie nutzten anonym und ungebremst das Internet, um ihren Frust zu verbreiten und förderten bewusst oder unbewusst am Ende Hass und Gewalt. „Das Gute wird bleiben“, zeigt er sich sicher. Weiterhin meint er: Es werde sich alles beruhigen und die Hirschhorner Gemeinschaft könne dann ungestört die richtigen Themen anpacken.

Wie der Investor auflistet, habe er seit 2010 3278 Quadratmeter Wohnfläche übernommen und davon 2378 Quadratmeter saniert. 50 Arbeitsplätze in Hotel und Gastronomie seien geschaffen worden. Nach dem Kartoffelhaus, das bereits in diesem Jahr an Pächter Michael Trost übergeben wurde, „wird Debo 800 im Januar verselbständigt“. Die Altstadt plus GmbH als Dach-Gesellschaft, gegründet zur Belebung der Hirschhorner Altstadt, wird seinen Worten zufolge dann stillgelegt.

Zwei Projekte sind laut van den Berg noch abzuschließen: die „Linde“ in Langenthal das Café Schmitt am Marktplatz. Hier liege eine Abriss-Baugenehmigung vor. Zurzeit habe man aber keine wirtschaftliche Tragfähigkeit für 900.000 Euro Neubaukosten gefunden. Bei der Kaffeemanufaktur sei er mit 49 Prozent nur Minderheitsgesellschafter. Diese sei somit durch die Entscheidung nicht tangiert.

Van den Berg brachte sich auch mit weiteren, Tourismus steigernden Projekten in Hirschhorn ein: etwa die Eislaufbahn auf dem Parkplatz hinter dem Museum im Winter 2011/12, das viel beachtete Lightseeing-Projekt 2013/2014 oder zuletzt die Geo-Spiele, eine Art virtuelle Schatzsuche in der Hirschhorner Altstadt mit ihrem beeindruckenden Ensemble von Schloss, Kirche und Kloster.

Zur Person: Rolf van den Berg machte in der Industrie eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei der Thyssen AG und studierte Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt IT und Logistik. Nach der Bundeswehrzeit war er sieben Jahre Geschäftsführer Organisation und IT bei einer Steuerberatergesellschaft. Er war bei der Esselte Meto Int. in Hirschhorn von 1991 bis 1996 tätig, zuerst als Leiter Qualitätssicherung und Logistik und ab 1993 Bereichsleiter für die weltweite Logistik.  Danach gründete er mit einer Teileinheit von Meto zusammen mit Frank-Jürgen Weise die Logistik-Firma „Microlog“. Aus 80 „Metorianern“ und zehn Millionen Euro „wurden dann 2500 Mitarbeiter und 300 Millionen Umsatz bis 2002“. Seit dieser Zeit ist van den Berg Privatier. Heute berät er Firmen und Existenzgründer.

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