Fast zwei Drittel der Stimmen für Oliver Berthold: 37-Jähriger ist neuer Bürgermeister von Hirschhorn

Oliver Berthold ist der neue Hirschhorner Bürgermeister. Der 37-Jährige gewann überraschend klar bereits im ersten Wahlgang mit fast zwei Drittel der abgegebenen Stimmen (64,8 Prozent). Seine Mitbewerber Aloisia Sauer (26,6) und Hans-Joachim Lierz (8,7 Prozent) rangierten unter ferner liefen. Die Wahlbeteiligung lag bei 55,7 Prozent. Berthold folgt auf Rainer Sens nach, der Anfang Juni von den Hirschhornern in einem Bürgerentscheid abgewählt worden war.

Der bisher in der Heidelberger Stadtverwaltung als Wirtschaftsförderer tätige Oliver Berthold, aus der hessischen Neckarstadt stammend und dort wohnhaft, konnte sein Glück selbst kaum fassen. „Ich habe fest mit einer Stichwahl gerechnet“, meinte er. Die etwa 100 Interessierten wurden im Rathaus auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Bis 18.50 Uhr dauerte es, als endlich der letzte Wahlbezirk ausgezählt war.

Schon mit den ersten Ergebnissen eine knappe Viertelstunde nach Schließung der Wahllokale hatte sich der Trend abgezeichnet. Berthold lag überall klar über der absoluten Mehrheit. Spitzenreiter war der Briefwahlbezirk mit über 67 Prozent der Stimmen. Der 37-Jährige peilt den 1. Dezember als Amtsantritt an, wenn er bis dahin seine Projekte in Heidelberg erledigt hat. Als Erstes möchte er sich mit der kompletten Verwaltung in seiner Heimatstadt bekannt machen und auf den Stand der Dinge bringen.

Als um 18.13 und 18.14 Uhr aus den beiden kleinsten Wahlbezirken, den Ortsteilen Igelsbach und Langenthal, die Ergebnisse eintrudelten, sorgten diese schon für Raunen unter den Gästen. Denn beide Ortschaften sind eher sozialdemokratisch geprägt. Und eine satte Mehrheit hier für den nach eigener Aussage konservativ-bürgerlichen Berthold hieß schon was.

Der Stadtteil Ersheim sorgt in der Regel bei Wahlen immer für eine gute bürgerliche Mehrheit, die Kernstadt schwankt mal hin und her, ist aber ebenso eher konservativ ausgerichtet. Fast unisono holte der neue Bürgermeister 60 plus x Stimmen, nur noch übertroffen von der Briefwahl. Als der lila Balken zu seinen Gunsten immer höher wurde, war Berthold irgendwann klar, dass es wohl doch schon an diesem Abend reichen würde.

Seine Mitbewerber erreichten maximal 33,8 Prozent (Sauer in Igelsbach) und 13,1 Prozent (Lierz in Langenthal, wohl wegen seiner sehr pointierten Anti-Windkraft-Position im Stadtteil nahe des im Bau befindlichen Windparks Greiner Ecks. „Ich bin überrascht und erstaunt, dass es schon jetzt entschieden ist“, meinte Oliver Berthold in einer ersten Reaktion. Die ganze Zeit hatte er zusammen mit der Familie die projizierte Grafik verfolgt.

Neben seinem Anliegen, sich fachlich auf den neusten Stand zu bringen und in die spezielle Hirschhorner Materie einzuarbeiten, möchte der neue Bürgermeister auch eine Liste von Bürgeranliegen abarbeiten, die er während seines Wahlkampfs aufgenommen hat. Da geht es um teilweise sehr einfache Dinge, die aber den Einwohnern aber auf den Nägeln brennen. Als Beispiel: zu schnelles Fahren in manchen Straßen oder wildes Parken in der Stadt.

Der Erste Stadtrat Karlheinz Happes würdigte die „eindeutige Entscheidung der Mitbürger“. Er wünschte eine „glückliche Hand“ bei der Führung der Amtsgeschäfte, die er nach der Abwahl von Sens bisher führt. Den Glückwünschen schlossen sich auch die Bürgermeister der Nachbarstädte, Herold Pfeifer aus Neckarsteinach und Peter Reichert aus Eberbach, ebenso wie der Kreisbeigeordnete Volker Buser an.

Berthold, der „keine Rede vorbereitet hatte“, danke für den klaren Auftrag durch die Wähler. Er versprach, „für Hirschhorn mein Allerbestes zu geben und die Stadt gut in die Zukunft zu führen“. Viele Gratulanten schüttelten dem neu gewählten Stadtoberhaupt im Anschluss die Hand. Wie auch das Endergebnis mit lautem Jubel aufgenommen worden war.

Dass es auf Berthold als dem jüngsten Bewerber mit der meisten Verwaltungserfahrung hinauslaufen würde, hatte sich in den letzten Tagen vor der Wahl immer deutlicher abgezeichnet. Aloisia Sauer als waschechte Hirschhornerin, die allerdings ein paar Jahrzehnte ihres Berufslebens außerhalb verbracht hatte, genoss ebenfalls viele Sympathien in der Bevölkerung. Allerdings traute es scheinbar doch nur eine Minderheit der 60-jährigen Unternehmensberaterin zu, auch eine Verwaltung führen zu können. Hans-Joachim Lierz als externem Bewerber waren bei zwei Bewerbern aus dem Ort von Anfang an nur Außenseiter-Chancen eingeräumt worden, da auch er über keinerlei Verwaltungserfahrung verfügte.

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