Mit der eigenen Meinung ist es so eine Sache: Kabarettist Frederic Hormuth gastiert beim „HCV Kult“ in Hirschhorn

Frederic Hormuth hat einfach zu allem eine Meinung. Auch zu der, dass manche eigentliche keine haben sollten. Oder es besser wäre, diese für sich behalten. Der Heppenheimer breitet sein Statement zum Weltgeschehen, zu den großen, kleinen und kleinsten Problemen der Gesellschaft genüsslich aus. Und findet bei der Kleinkunstreihe HCV Kult der Lachsbachperlen ein dankbares Publikum, das seinem Programm „Halt die Klappe – wir müssen reden!“ immer wieder viele Lacher schenkt.

Hormuths Humor ist dabei vielschichtig. Mal so platt, dass man sich fragt, ob man dabei überhaupt lachen soll, mal so sarkastisch bitterböse, dass man sich fragt, ob man darüber überhaupt lachen darf. Und manchmal so verschwurbelt, dass die Pointe kurz braucht, bis sie sich in die Gehirnwindungen vorarbeitet hat – aber dann umso besser wirkt.

Zweieinhalb Stunden gibt es der Kabarettist bei seinem Fast-Heimspiel alles, beackert die Bühne von links nach rechts, kommt nicht zur Ruhe. Schlenkert die Arme durch die Gegend, wenn er dem Gesagten besonderen Nachdruck verleihen will. Setzt zur Verstärkung mit seinem Buzzer noch einen drauf, wenn er sich besonders über seine Mitmenschen aufregt. Und haut ab und zu auf dem Klavier in die Tasten.

„Impfungen machen krank und Horst Seehofer macht einen guten Job.“ Eine Meinung, die der Kabarettist nicht teilt. „Es ist eher andersrum“, sagt Hormuth, und weiß die Lacher auf seiner Seite. Genüsslich geht er mit den Verschwörungstheoretikern ins Gericht, die die Erde für eine Scheibe halten, die „Flat Earth Society“. Oder mit den Reptiloiden-Anhängern, nach deren Meinung die Welt von reptilienartigen Aliens beherrscht wird. Da wundern den 47-Jährigen die vielen Schuppen im Haar gar nicht mehr…

Was wäre Hormuth nur ohne die ganzen Mitmenschen mit ihren kruden Meinungen und verworrenen Gedanken? Er hätte wohl kein Abendprogramm. Obwohl: Die Politiker geben auch immer einen guten Gag her. Wenn Merkel mit ihrem „Wir schaffen das“ einen auf Obamas „Yes, we can“ macht, dann wird in den eigenen Reihen getuschelt, sie sei keine Schwarze, meint der Kabarettist herrlich politisch unkorrekt. Zuerst müssen die Zuschauer mal kurz schlucken aufgrund der spitzen bösen Zunge, schauen dann nach links oder rechts, ob der Nachbar lacht – und stimmen ein.

Hormuth kann sich herrlich aufregen über das Getriebe der Welt. Früher, bei den 68ern, empfahl der Lehrer noch, der Sand zu sein, heute dreht sich alles nur noch ums Öl. Vehemente Kapitalismus-Kritik scheint durch, wenn er vom Hamsterrad spricht, in dem „alle nur noch am Rödeln sind“. Ein Burnout, fabuliert er, „dient schon als Auszeichnung, ist das neue Seepferdchen“.

Abendlandretter, Morgenmuffel, Veganer, Bio-Burger und Helikopter-Eltern. Hormuth lässt wirklich keinen aus, es fehlt nur noch, dass er auch die eigene Zunft wortreich am Schlafittchen packt und ihr ordentlich den Marsch bläst. Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht. Die verbalen Seitensprünge beherrscht der Meister der gepflegten witzigen Unanständigkeit perfekt.

Themen-Hopping hat aber auch etwas für sich, ist im zweiten Programmteil zu bemerken. Denn da greift der Heppenheimer auf schon Gesagtes zurück, dreht sich bisschen im Kreis und räumt dem Bashing von AfD und Pegida einen breiten Raum ein, das in seiner 100. Wiederholung irgendwann mal ermüdet.

Hormuth wäre aber nicht er selbst, wenn er nicht nochmal alle satirischen Kräfte sammelt, zum Schluss ein paar heftige Pointen abschießt, das Publikum fesselt. Dazwischen erfährt man noch, was die Steinzeit mit heutiger Politikverdrossenheit zu tun, was passiert, wenn die Bundeswehr Bahn, Post und Schulen übernimmt oder Kinder mit Hilfe von Unterrichtsmaterialien aus Wirtschaftsunternehmen lernen. Also alles, was man schon immer (nicht) wissen wollte…

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