Am Sonntagmittag war die Beerfelder Kerwe zum Stammessen bestens besucht – Nur der Samstag litt etwas unter dem Wetter

Erst spendete er den Segen, dann das Freibier. Pfarrer Roland Bahre hielt am Sonntag im Festzelt bei der Beerfelder Kerwe morgens den Gottesdienst und griff im Anschluss nach ein paar Weisen der Feuerwehrkapelle zum Hammer. Mit wenigen gezielten Schlägen ließ er dem Felsenkeller-Gerstensaft freien Lauf, sodass fleißige Helfer diesen danach unters zahlreiche erschienene Volk verteilen konnten. Denn fürs Stammessen hatten sich die Sitzgelegenheiten zur Mittagszeit erheblich gefüllt.

Losgelegt hatte der Kerweverein bereits am Freitagabend. DJ Jackson ließ die 90er Jahre wieder lebendig werden. Da man ihn aus früheren Jahren auch in Hirschhorn noch kennt, waren zusätzlich einige Besucher aus dem Neckartal da. Generell nicht nur solche aus den 90ern, sondern auch etliche jüngere, die auf die Klänge der Backstreet Boys, Scooter oder N’Snyc bis 4 Uhr früh abtanzten.

Plateauschuhe, neonfarbene Tops und allerlei andere modische Ausrutscher waren außerdem bei Musik von Snap oder Nirvana angesagt. „Da wir eine Brauchtumsveranstaltung sind, dürfen auch 14-Jährige schon rein“, freute sich Vereinsvorsitzender Marc Gärtner. Das Zelt war etwas besser als im vergangenen Jahr „gut gefüllt“, sagte er.

Der Samstag litt unter dem Wetter. Beim Kerwebaum-Marsch von der Kirche zum Festzelt an der Stried säumten dieses Mal weniger Gäste als sonst die Strecke am Metzkeil. Von 15 Mann wurde das Nadelholz der alten Tradition folgend getragen und am Ziel nur mit Manneskraft aufgestellt. Nach dem Richtspruch von Kerwebub Jochen Neff gab’s dann ein Freigetränk fürs Publikum. Luftballonwettbewerb und Hüpfburg ließen sich wegen des Regens nur bedingt verwirklichen.

Die folgende Nacht war z für die Helfer aus dem Kerweverein sehr kurz. Denn mit „Stefan und Jey“ konnte bis 3 Uhr nachts getanzt werden. Schlager, Discofox und Popstücke von Andreas Gabalier, Münchner Freiheit oder Pur ließen die Tanzwütigen ein ums andere Mal die Bühne entern. Um 8 Uhr ging’s aber am Morgen schon weiter, das Zelt musste für den Sonntag vorbereitet werden.

Denn um 9 Uhr, wusste Gärtner, begann die Vorbereitung des Stammessens. 150 Portionen selbstgekochtes Saftgulasch mit Kerwegemüse und Semmelknödel wurden den hungrigen Besuchern serviert. Als Abschluss für die Schleckermäuler gab’s noch eine Mousse au Chocolat. Wer zu spät kam, musste hungrig bleiben, denn viele lassen am Sonntag die Küche kalt. „Um 14 Uhr ist alles ausverkauft“, so Gärtner. Schon seit dem ersten Jahr der Zeltkerwe wird das Gericht am Sonntag stets von den Vereinsmitgliedern selbst zubereitet.

„Gott ereignet sich dort, wo Menschen zusammen sind“, hatte der evangelische Pfarrer Roland Bahre auch mit Blick auf die Kerwe in seiner Predigt gesagt. Wo sich zwei oder drei träfen, „ist Gott unter ihnen“. Bevor dann zum Fassbieranstich geschritten wurde, spielte die Beerfelder Feuerwehrkapelle unter Leitung von Dirk Bondes einige schmissige Weisen. Die 25 Frauen und Männer sind schon seit Jahren ein fester Bestandteil des Kerwesonntags. Der Pfarrer, Marc Gärtner, Andreas Schmucker von der Felsenkeller-Brauerei und Urgestein Dr. Raimund Keysser schritten dann zur Bier-Verteilung.

Der Nachmittag gehört dem Volkskunstkreis. Schon ab den Mittagsstunden füllte sich die Kuchentheke beständig, sodass die Mitglieder dann später kräftig auffahren konnten. Zwischendurch gab es auch ein paar traditionelle Tänze. Wehe dem, der sich im vergangenen Jahr in Beerfelden etwas zu Schulden kommen ließ. Ina Bottelberger und Sebastian Lang von der Kerweschar, sieben Jungs und fünf Mädchen, nahmen die Verfehlungen ihrer Mitbürger in der Kerweredd treffend aufs Korn. Die Kerwebobbe-Verbrennung leitete das Ende der Kerwe ein und zum gemütlichen Ausklang über.

Die elfte Auflage der beliebten Zeltkerwe bewies, dass das Konzept des Vereins aufging und man aufs Neue ein breites Publikum erreichte. Laut Gärtner waren ungefähr 75 Helfer im Einsatz. Inzwischen hat der Kerweverein 140 Mitglieder, die sich um Erhaltung, Pflege und Förderung der Beerfelder Kerwe kümmern. Für ihn ist der wachsende Zuspruch der beste Beweis dafür, dass der 2010 gegründete Verein seinen Satzungszweck aufs Beste erfüllt: nämlich Brauchtum und Mundart durch die Ausrichtung am Leben zu erhalten.

 

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