Der Schüleraustausch zwischen der Oberzent und einer Genfer Schule funktioniert bestens

Seit dem Sommer kennen sich die Jugendlichen schon: über Facebook, Instagram, WhatsApp – aber was heißt das schon? Denn an diesem Tag wird es ernst. 20 Schüler und drei Lehrer vom Cycle d’orientation de Vuillonnex in einem Genfer Vorort entsteigen der S-Bahn in Eberbach. Vor ihnen liegt eine Austauschwoche mit der Beerfelder Oberzent-Schule. Die Lehrer kennen sich schon seit einigen Jahren und freuen sich auf eine gemeinsame Woche in Odenwald und näherer Umgebung. Aber die Schüler, 14 und 15 Jahre alt, sind zumeist aufgeregt und schüchtern, trotz aller virtueller Kontakte zuvor.

Werden die Französischkenntnisse ausreichen, um die gemeinsame Zeit zu überstehen? „Hier wirst du schlafen, hier ist das Badezimmer, wir essen um 18 Uhr, morgen müssen wir um 6 Uhr aufstehen.“ Das alles wurde vorher im Unterricht besprochen worden, aber man kann nicht auf jede Situation vorbereiten. Manchmal ist Spontanität gefordert. Der erste Abend in den Familien von Eberbach über die Oberzent-Orte bis hin nach Erbach und Michelstadt muss überstanden werden, das erste deutsche Abendessen (früher und kalt), die ersten Unterhaltungen.

Der Schüleraustausch begann vor sechs Jahren, als die traditionelle Verbindung mit Frankreich zu bröckeln begann. Denn sowohl im einen als auch im anderen Land wird immer weniger die jeweils andere Sprache gelernt. In der französischsprachigen Schweiz jedoch ist Deutsch verpflichtend erste Fremdsprache – verständlich für einen Staat, in dem es außerdem Französisch, Italienisch und Rätoromanisch gibt. So fanden sich übers Internet zwei Schulen mit dem Wunsch nach einem Austausch im Herzen Europas. Zwischen den Lehrern sind inzwischen private Freundschaften entstanden, aber auch manche Schülerkontakte halten über Jahre hinweg.

Das Programm ist bewährt wie in den Jahren zuvor: Am ersten Tag gab es eine Begrüßung durch den Schulleiter Bernd Siefert und die Schülerband, vier Stunden gemeinsamen Regelunterricht sowie einen Sport- und Spielenachmittag. Dann standen Exkursionen mit Stadtführungen in Heidelberg und Frankfurt auf dem Programm. In diesem Jahr gab es zudem einen Ausflug nach Speyer. Das Wochenende wurde von den Gastfamilien gestaltet. „Hausaufgabe“ war hierbei die Erkundung des Odenwalds.

Vor den Osterferien erfolgt der Gegenbesuch in Genf. Die Schüler sind in kleineren Vororten untergebracht, die Innenstadt ist mit der Straßenbahn in 20 Minuten zu erreichen. Und sie bietet viel: eine traumhafte Kulisse am Genfer See mit den Alpen im Hintergrund, viele internationale Organisationen im Umfeld der UNO, das CERN mit dem Teilchenbeschleuniger, Museen von der traditionellen Schweizer Uhrenindustrie übers Rote Kreuz bis hin zur modernen Kunst, aber auch das Olympische Museum in Lausanne, das einen Besuch unbedingt wert ist.

Natürlich gehören die Klischees zur Schweiz mit zum Programm: Besuche von Schokoladen- und Käsefabrikationen sind Pflicht, das Verkosten von frisch produzierter Schokolade und Pralinen geht immer. Auch Frankreich ist in unmittelbarer Nähe. Der Austausch ermöglicht nicht nur das Ausprobieren der Sprachkenntnisse, sondern ist auch ein erster Einstieg für spätere längere Auslandsaufenthalte und macht sich gut im Berufsportfolio der Schüler.

Da die Zahl der Schweizer Interessenten für den Austausch immer sehr hoch ist und von der Oberzent-Schule auch angesichts der demografischen Entwicklung im Einzugsbereich nicht abgedeckt werden kann, könnte man sich eine Zusammenarbeit mit einer anderen Schule im Odenwaldkreis oder in benachbarten Regionen sehr gut vorstellen. Interessierte können sich mit der Schulleitung in Verbindung setzen.

 

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