Offene Türen bei der Hirschhorner Kuba Camii-Moschee des türkisch-islamischen Vereins

Zum ersten Mal beteiligte sich die Hirschhorner Kuba Camii-Moschee des türkisch-islamischen Vereins, der zur Ditib gehört, am bundesweiten Tag der offenen Moschee. Das hiesige Gotteshaus war im vergangenen Jahr fertiggestellt worden. Vereinsvorsitzender Tekin Bingöl freute sich zusammen mit den anderen ehrenamtlichen Helfern über das große Interesse der Bevölkerung, die zu den beiden Führungen in großer Zahl vorbeischaute. Auch der gerade gewählte Bürgermeister Oliver Berthold besuchte die türkischen Mitbürger.

Zusammen mit Diplom-Pädagogin Seray Kilic und Imam Mustafa Dural führte Bingöl durch die verschiedenen Räume des Gebäudes im Alten Weg. Etwa 80 Mitglieder zählt der Verein in der Neckarstadt, die sich beim Moscheebau ab dem Jahr 2008 engagiert einbrachten. Weswegen Kilic auch mit Stolz betonte, dass das Projekt ohne Fremdmittel finanziert werden konnte. Es gibt neben einigen Nebenräume und dem großzügigen Erdgeschoss als Veranstaltungsraum zwei Gebetsräume, einen für Männer, einen für Frauen.

Jeden Freitag, dem muslimischen Feiertag, kommen die Gemeindeglieder regelmäßig hier zum Gebet zusammen. Aber nicht nur die: Die in Hirschhorn untergebrachten Flüchtlinge wurden ebenfalls mit offenen Armen empfangen. Während des Ramadans ist das Gemeinschaftshaus jeden Abend geöffnet. Bingöl betonte, dass der Verein jederzeit „für alle da ist, die Hilfe brauchen“ – unabhängig von ihrem Glauben. Das verstehe sich aus der Tradition des Islam heraus, der eine starke soziale Komponente habe. So sollen Muslime einen bestimmten Prozentsatz ihres Einkommens für die Armen in der Gesellschaft zur Verfügung stellen.

„Wir wollen die Fragen der Bürger direkt beantworten“, machte Kilic deutlich, mit- statt übereinander reden zu wollen. Sie übersetzte auch die Worte des Imams, der seit zwei Jahren in Deutschland ist und weitere zwei Jahre hier bleiben wird. Er wird vom türkischen Staat gestellt. In der späteren Diskussion wurde deutlich, dass inzwischen eine neue Generation von Geistlichen nachrückt, die Deutsch beherrscht und somit auch auf die veränderten Anforderungen in den Gemeinden reagieren kann.

Seit 1983 gebe es in Hirschhorn bereits eine Moschee, erläuterte Kilic. Doch die war am alten Ort immer wieder Hochwasser ausgesetzt und wurde zu klein. Deshalb startete man 2008 den Neubau, „bei dem alles die Mitglieder auf die Beine stellten“. Die Moschee vereine die Menschen „im religiösen und sozialen Bereich“, sagte sie. „Wir schauen, ob jemand krank ist und besuchen ihn, wenn er fehlt.“

Unten, im Eingangsbereich, „ist immer viel los“, so Kilic. Gehe man einen Stock höher, „herrscht im Betsaal Stille“. Dies sei ein Ort der Ruhe, um sich zurückzuziehen. Fünf Mal am Tag wird der islamischen Tradition zufolge zum Gebet gerufen. „Hidschra – Migration als Herausforderung und Chance“ lautete in diesem Jahr das Motto. Das hat nicht nur zufällig eine Verbindung zur Flüchtlingssituation.

Wie Imam Dural sagte, fiel der Tag der offenen Moschee aber zufällig auch mit dem islamischen Neujahrsfest zusammen. Das wird an dem Tag begangenen, als Mohammed aus Mekka vertrieben wurde. In Medina habe er dann eine Willkommenskultur gefunden. Deshalb gebe es sehr viele aktuelle Bezüge. Kilic ergänzte, der türkisch-islamische Verein wirke oft im Verborgenen. „Aber wir sind da.“ Es sei schön, betonte sie, „wenn Christen und Muslime aufeinander zugehen“.

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