80 Aussteller weckten beim Erbacher Bauernmarkt Lust auf regionale Produkte

Frisch gepresster Apfelsaft ist einfach der Renner. Bei Familie Michel aus Seeheim kommen die Mitarbeiter mit dem Pressen kaum noch nach, so schnell wird ihnen der leckere Trank aus den Händen gerissen. Die Besucher bringen beim 27. Erbacher Bauernmarkt oft schon selbst die Drei-Liter-Kanister mit – oder lassen sich erst einmal ein Glas munden. Doch das Apfelerzeugnis ist nur ein Produkt unter vielen, das die Odenwälder Direktvermarkter an diesem Wochenende ihren Kunden anbieten.

Und die kamen zuhauf – wie eigentlich immer. Das Wetter hat nur einen untergeordneten Einfluss auf den Andrang. Regionale, selbst hergestellte Produkte, bei denen der Verbraucher genau weiß, wo sie herkommen, wie sie verarbeitet werden und welchen Weg sie bis zum Verkauf haben, ziehen eben. Liane Heist, die Vorsitzende der Odenwälder Direktvermarkter, kann an diesem Tag ein Lied vom Interesse der Besucher singen. Mit ihrem Betrieb, dem Krumbacher Bauernlädle, ist sie natürlich auch in der Halle vertreten. Die Mitarbeiter sind nachmittags ziemlich „am Rödeln“.

Wie die anderen 80 Aussteller auch, die sich in diesem Jahr in den Messehallen und davor versammelt haben, um ihre Produkte anzubieten. Gerade im geschützten Innenbereich ist sonntags kaum noch ein Durchkommen. Da kann es draußen 25 Grad haben oder bei 15 weniger der Regen waagrecht fallen – es ist immer voll. „Die Resonanz war sehr gut“, meinte Heist. Und zwar gleich ab dem Start am Freitag. Das samstägliche Regenwetter konnte die Liebhaber der regionalen Waren nicht schrecken.

„Langsam, aber stetig“ gehen ihren Beobachtungen zufolge die Besucherzahlen nach oben. Wenn es dann natürlich wie im vergangenen Jahr ein herrliches Spätsommer-Wochenende gibt, dann kracht es so richtig. Aber auch dieses Mal gab es „sehr gute Rückmeldungen“, meinte die Vorsitzende. „Die Aussteller waren alle zufrieden“, hörte sie beispielsweise von Britta Kohlhage von der Molkerei Hüttenthal, der Schäferei Dingeldey oder der Bäckerei Knierim aus Erbach, die kurzfristig für einen Kollegen einsprang. „Toll, dass das geklappt hat“, freute sich Heist.

Überhaupt frischgebackenes Brot: Das ging weg wie warme Semmeln. Die Herstellung direkt vor Ort in den Holzöfen einer historischen „Zuckerbäckerei“ zog viele Schaulustige an. Vom herrlichen Duft ganz zu schweigen. Die Anbieter schätzen darüber hinaus die Möglichkeit, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen. „Die Leute sind sehr interessiert“, meinte etwa Johannes Gehrig aus Litzelbach, der das erste Mal mit seinen „Odenwälder Feinen Bränden“, alle in der Brennerei auf dem eigenen Dreiseithof selbst hergestellt, dabei war.

Neben den Erzeugnissen aus Hof, Keller und Küche ist es auch immer wieder das Rahmenprogramm, das die Besucher anspricht. Etwa die Ausstellung von alten und neuen Landfahrzeugen, Traktoren und Dreschmaschinen, die Tierschau, die Vorführung der Rettungshundestaffel Bergstraße-Odenwald oder die der Berufsgenossenschaft mit ihrem Kranwagen. Anschaulich wurde dort gezeigt, wie sich durch einen Helm schlimmere Verletzungen vermeiden lassen, wenn einem ein Stück Holz auf den Kopf fällt.

„Wir wollen die hiesige Landwirtschaft und die Regionalität der Produkte den Verbrauchern nahe bringen“, verdeutlicht Liane Heist die Idee hinter dem Dauerbrenner Bauernmarkt. Außerdem gehe es auch darum, das Einkaufsverhalten der Bevölkerung zu ändern. Denn viele Lebensmittel würden über die Discounter zu günstig angeboten. Ein Blick ins dichte Gedränge machte deutlich, dass dieses Vorhaben zumindest am Wochenende aufgegangen ist. Fürs kommende Jahr überlege man, an einer langen Tafel die große Produktpalette aufzuschichten, um den Interessierten einen Überblick zu geben, sagte sie.

Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fisch und Fleisch: Es sind ja nicht nur 80 Aussteller, sondern eine Vielzahl an Produkten, die sie mitgebracht haben. „Die meisten fragen gleich nach Ende, ob sie wiederkommen können“, gibt es laut Heist eine große Zahl von Stammanbietern. Ein paar sind seit Anfang an dabei, als es zehn bis zwölf Stände gab und es nur eine Produktschau, noch kein Verkauf. Die Zahl 30 möchte die Vorsitzende gerne erreichen, allerdings machen ihren Worten nach immer neue Vorschriften und Auflagen den Direktvermarktern das Leben schwer. Ein bisschen mehr Unterstützung von entsprechender Seite könnte sie sich deshalb gut vorstellen.

Wie viele Besucher an den drei Tagen tatsächlich auf dem Platz sind, kann keiner wirklich zählen. Schätzungen gehen bis zu 20.000 Gäste, die beileibe nicht nur aus dem Odenwaldkreis kommen. „Heute war sogar jemand aus Österreich da“, berichtet Heist, die mit ihrem Vorstandsteam von sieben Leuten zum dritten Mal die Veranstaltung organisierte. Frankfurt, Mannheim, das Neckartal oder die Bergstraße sind fast schon normal als Herkunftsorte.

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