Konzerte am Neckar: Magdalena Matthey bringt musikalisch ein Stück Südamerika ins Minoru Bonsai-Zentrum Neckargemünd

Mal traurig-melancholisch, mal lebenslustig-fröhlich klingen ihre Lieder. Magdalena Matthey bringt das ganze Spektrum der südamerikanischen Musik mit in die Kurpfalz. In der kleinen Frau steckt eine gewaltige Stimme, die das Gewächshaus im Minoru Bonsai-Zentrum Neckargemünd bis in den letzten Winkel füllt. Viel zu schnell ist das Konzert vorbei, das sie nur mit dem Gitarristen Simón González bestreitet.

Von einem Moment zum nächsten springt die Stimmung um. Eben noch nachdenklich-getragen, steht die 45-Jährige plötzlich auf, animiert das Publikum zum Mitschnipsen, während González nur auf dem Korpus seiner Gitarre trommelnd die einprägsame Stimme der Sängerin voll zur Geltung kommen lässt. Mit ihrer großen Präsenz schafft die es, die Wärme und Lebensfreude Südamerikas in die kühle Halle zu bringen.

In den Zugabestücken zeigt Matthey dann die ganze Wandlungsfähigkeit und die vielen Nuancen ihrer musikalischen Kunst. Mal volltönend, mal flüsternd erzählt sie ihre kleinen Geschichten von den Menschen in Chile, weiß die Töne so zu formen, dass sie bei den Besuchern hängen bleiben, hüpft durch die Oktaven, singt getragen, um im nächsten Moment mit voller Power loszulegen. Gitarrist González ist ihr ein kongenialer Begleiter, der sich zurücknimmt, wo es angebracht ist, sie dann aber sowohl stimmlich als auch auf dem Instrument in virtuosen Tönen begleitet.

Angela Mahmoud, die das Duo in ihre Veranstaltungsreihe „Konzerte am Neckar“ holte, machte sich mit dem Auftritt der beiden Chilenen selbst ein großes Geburtstagsgeschenk. Das Gewächshaus war fürs Konzert mit weißen Tüchern abgehängt, ein gemütliches Szenerie wurde geschaffen, zwei flackernde Flammen an beiden Seiten der Bühne schufen ein heimeliges Ambiente. 75 Konzerte hat die 46-Jährige in den vergangenen zweieinhalb Jahren bereits veranstaltet, immer an verschiedenen Locations.

„Ich bekomme inzwischen viele Anfragen von Musikern“, sagt Mahmoud. Die wüssten, dass es die Konzertreihe gebe und nutzten eine Tour in Deutschland, um auch einmal in Heidelberg oder der Region aufzutreten. Die Organisation ist ihren Worten zufolge ein wenig wie Puzzeln. „Ich überlege mir, wo das Ambiente und die Location passen“, erläutert die Veranstalterin. Und schaut dann, ob dann auch noch der Termin dazu hinhaut. Was nicht immer klappt: „Manche Künstler warten schon ziemlich lange“, schmunzelt sie.

Auf eine bestimme Musikrichtung sind ihre Neckar-Konzerte nicht festgelegt. Von Tango oder Singer-/Songwriter über Jazz bis Rock ist alles dabei. So vielseitig wie auch der Musikgeschmack von Angela Mahmoud selbst. „Ich könnte jede Woche zwei Konzerte machen“, ist ihr Elan weiter ungebrochen – auch wenn es Höhen und Tiefen beim Besuch gibt. Der war diesmal im Bonsai-Zentrum im grünen Bereich.

Der Kontakt zum chilenischen Duo kam über Zelia Fonseca zustande. Die wiederum ist tief in der regionalen Musikszene verwurzelt und bekam eine Anfrage von Matthias Frey, der Magdalena Matthey in Duisburg präsentiert hatte. Die wollte gerne noch in der Heidelberger Region auftreten. Über den Kontakt zu Angela Mahmoud konnte der Wunsch erfüllt werden. „Alles sehr improvisiert“, lacht Fonseca. Aber erfolgreich.

Matthey, Sängerin und Songpoetin, ist in Santiago de Chile geboren und aufgewachsen. Ihre Mutter, eine volksverbundene Frau vom Land, teilte die mündlich überlieferten Lieder, Spiele, Geschichten und Legenden mit ihrer Tochter. Deren Songs sind geprägt von ihrer Zuneigung zu den Menschen und den farbigen Klängen Lateinamerikas. Klänge, die sich in ihren sechs Alben und dem Dokumentarfilm, „Me lo conto di Madre (Meine Mutter hat mir gesagt)“ widerspiegeln. Ihre Alben werden vom Musiker und Gründer der bekannten chilenischen Band Congreso, Sergio Tilo González, produziert.

Mattheys künstlerisches Schaffen umfasst Folkore und Fusion. Sie verarbeitet zudem ihre lateinamerikanischen Wurzeln. „Die Straßen sprechen zu uns, und ihnen zuzuhören kann den Lauf unseres Lebens verändern“, sagt sie. Eigene Songs mischen sich mit Adaptionen von Liedern Violeta Parras und Victor Jaras, wie sie sie auch in Neckargemünd darbot.

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