Katzen finden bei Anne Röth in Gammelsbach ein liebevolles Zuhause

„Sonny“ ist der Chef im Ring. Der zehn Jahre alte Kater mit dem Nervenleiden behauptet seine Stellung nach wie vor unter den 48 Katzen, die Anne Röth inzwischen versorgt. Mit ihrer A.R.-Stiftung bietet sie den Tieren einen „Ort der Zuflucht“. Auf Einladung der Grünen-Stadtverordnetenfraktion Beerfelden informierte sich jetzt die Vizepräsidentin des Hessischen Landtages sowie Sprecherin ihrer Fraktion für Europa, Natur- und Tierschutz, Ursula Hammann, über deren Arbeit.

2012 kaufte sie die frühere Mühle, erläuterte Anne Röth den Besuchern, zu denen auch Erster Stadtrat Horst Kowarsch und Fraktionsvorsitzende Elisabeth Bühler-Kowarsch zählten. In einer Hauruck-Aktion wurde sie innerhalb von wenigen Monaten für die benötigten Zwecke umgebaut. Die beiden vorher getrennten Gebäude erhielten einen Durchgang, es entstand ein gemeinsamer Vorbau – und natürlich alle Annehmlichkeiten für die Katzen.

Vorher war Röth 20 Jahre in Waldhilsbach ansässig, hatte sich schon dort um die streunenden Feld-, Wald- und Wiesenkatzen gekümmert. „Am Schluss war ich das Feindbild des Ortes“, meinte sie. Aber sah das eher als Auszeichnung für ihre aufopferungsvolle Arbeit zum Wohl der Tiere. Im neuen Gebäude „machen wir jeden Morgen vier bis fünf Stunden Hand in Hand sauber“, deutete sie auf ihren Neffen Bernd Goldammer, der ihr zur Hand geht.

Die bei ihr untergebrachten Tiere sind in der Regel sehr ängstlich, da sie ein Martyrium hinter sich haben. „Aus einem Erdloch in Hockenheim“ oder von einer Müllkippe werden die dort aufgegriffenen Vierbeiner zu ihr gebracht. Röth päppelt sie dann wieder hoch, bietet ihnen in einem komplett neu gestalteten Haus viel Freiraum. Und weil die Bundesstraße nicht weit entfernt ist, gibt es eine eingehauste Terrasse und ein weitläufiges, eingezäuntes Außengehege. Gerne hätte Röth auf ihre Kosten an der B45 Blitzer installieren lassen, damit langsam gefahren wird. „Alle meine Vorstöße scheiterten aber“, glich ihr Bemühen bei den Behörden dem Kampf gegen die berühmten Windmühlenflügel.

Beim Hinweis von Hammann auf die neue Kastrationsverordnung des Landes hakte auch Röth ein. Es erleichtere ihre Arbeit sehr, wenn die Freigänger sterilisiert und kastriert würden, betonte sie. Sie habe bereits einige Katzen-Besitzer im Ort angesprochen und von diesen die Erlaubnis bekommen, die Tiere auf ihre Kosten sterilisieren zu lassen.

Mit Stephanie Rosenzweig, die Röth bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt, tüftelt die aktive Rentnerin an einem neuen Projekt, einer Art „Katzenaltersheim“. Denn viele der Tiere seien nicht mehr vermittelbar. Die hätten es aber in ihren Räumen „definitiv besser als im Tierheim“. Nachdem Röth vor ein paar Jahren mit 65 in Rente gegangen war, suchte sie einen alten Bauernhof. In Reichelsheim klappte es nicht, dafür fand sie das Objekt in Gammelsbach. Die Idee der Stiftung kam auf, um ihre segensreiche Arbeit auch für die Zukunft zu sichern.

„Wir haben im Monat etwa 8000 Euro Kosten“, verdeutlichte die ehemalige Immobilienmaklerin den hohen Mittelbedarf. Deshalb sollen nun verstärkt Spenden akquiriert werden. Dass diese gut angelegt sind, verdeutlichte den Gästen der Blick ins Innere. Der Hauskauf war aber nur der Anfang, denn das Gebäude erhielt ein komplett neues Interieur. Es entstanden neben Wohnräumen auch Katzenküche und Vorratsraum. Die Tiere können das Haus auf seinen kompletten drei Stockwerken bis hoch in den Giebel nutzen, wo die Fenster extra Gitter erhielten. Allein im Erdgeschoss gibt es 120 Quadratmeter Fläche.

Ursula Hammann, die sich schon viele Jahre mit dem Tierschutz befasst, zeigte sich begeistert von den Räumlichkeiten und der Arbeit der Stiftung. „Ein Luxus für die Tiere“, meinte sie. Kowarsch erläuterte, die Grünen wollten sich nach und nach ein Bild der Hilfsorganisationen im Odenwaldkreis machen. Unter anderem wurden schon das Tierheim in Würzberg und der Verein „Tiere in Not Odenwald“ (Tino) besucht.

Die Tätigkeit im Dienste der Katzen „ist absolut bereichernd“, sagte Röth. Viel Lob gab es auch von Hammann. Sie habe in Hessen schon viele Tierheime gesehen und deren Probleme kennengelernt. Ihr sei aber noch keines untergekommen, das sich mit dem von Röth messen könne. „Hier reißt sich jeder die Flügel aus, um den Tieren zu helfen.“ Die Landespolitikerin appellierte an die Tierhalter, bewusster mit ihren Schützlingen umzugehen.

 

An die Tierschutzarbeit kam Anne Röth 1980, als sie über längere Zeit erfolglos versuchte, in Schriesheim ein Haus zu verkaufen. Bei vielen Aufenthalten vor Ort fielen ihr die zahlreichen frei lebenden Katzen auf. Das Ergebnis: Sie kaufte selbst das Haus und „hatte plötzlich 25 Katzen“. Als es zu klein wurde, zog man nach Waldhilsbach, wo es zum Schluss sogar 75 Tiere waren.

Das Gebäude in Gammelsbach wurde in einer siebenmonatigen Bauzeit saniert und auf die Bedürfnisse der Tiere ausgerichtet. Hier stehen auf einer Gesamtfläche von etwa 600 Quadratmetern den Tieren moderne Räume mit Außengehegen inmitten eines etwa 8000 qm großen Wiesengrundstückes zur Verfügung. Weiterhin gibt es drei moderne Wohneinheiten, die von Tierpflegern und Mietern bewohnt werden. Die Stiftung besteht aus drei Vorständen und wurde im Dezember 2014 durch das Regierungspräsidium Karlsruhe genehmigt.

Die Tätigkeit besteht zurzeit in der Aufnahme herrenloser Katzen, die aus schlechter Haltung kamen oder herrenlos waren. Sie werden tierärztlich und medizinisch versorgt und aufgepäppelt. Finanziert wird der Unterhalt nebst Arzt- und Personalkosten, durch Spenden und Erträgen aus den vermieteten Wohnungen. Eine Aufnahme weiterer Tiere ist laut Röth nur dann gewährleistet, wenn durch Tierfreunde Spendengelder eingehen. Steuerliche Belege werden erstellt.

Kontakt: A. R. Stiftung Nothilfe für Tiere, Telefon 06068/9415745, E-Mail roeth@ar-stiftung.de

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