Roberto Tardito entführt bei der Kunstpflege Hirschhorn musikalisch auf den italienischen Stiefel

„Se fossi Dylan“, „Wenn ich Dylan wäre“, heißt eine CD von Roberto Tardito. Und wirklich lassen sich einige Parallelen zwischen dem italienischen „Cantautore“, wie die Liedermacher im Süden genannt werden, und dem amerikanischen Nobelpreisträger finden. Allerdings ist das Italienisch des aus dem Piemont stammenden Tardito eindeutig besser verständlich aus das Genuschel des US-Singer-Songwriters Bob Dylan.

Über den Kortelshütter Musiker Heiko Plank, der neben anderen internationalen Künstlern auf dieser CD mitwirkte, kam auch der Kontakt zur Kunstpflege Hirschhorn zustande. Auf deren Einladung spielte der sympathische 32-Jährige jetzt eines seiner drei Deutschland-Konzerte im Rahmen der Tournee „La strada verso casa“ im Langenthaler Atelier von Enno Folkerts. Das steht somit einer Reihe mit München, Ingolstadt, Turin, Mailand, Bergamo oder Rom.

Tardito lebt seine manchmal poetischen, manchmal aber auch gesellschaftskritischen Songs. Nur mit seiner akustischen Gitarre, teilweise auch sich selbst auf der Mundharmonika begleitend – siehe Dylan -, philosophiert er über den Sinn des Lebens, die vielen Verbote im täglichen Einerlei, das fehlende Engagement in der Gesellschaft. Eben die klassischen Liedermacher-Themen, die man dem völlig in seine Musik vertieften Tardito sofort abnimmt.

Im Gespräch vor dem Konzert zeigt der sich aber ebenso von seiner lockeren Seite, plaudert mit den Kunstpflege-Mitgliedern, macht einen Scherz, nimmt sich neben dem Aufbau immer die Zeit für seine deutschen Gastgeber. In den Genuss eines typisch deutschen Essens kommt der sicherlich andere Küche gewohnte Italiener auch: Königsberger Klopse mit Kapern, Kartoffeln und Rote Beete…

Mit Alessandro Mino hat Tardito einen Freund dabei, der sich um den besten Ton kümmert. Da der Italiener mit verschiedenen Soundeffekten arbeitet, auch mal eine Panflöte einsetzt, ist das von Vorteil. Mino schafft es auch, die leicht rauchige Stimme bestens zur Geltung zu bringen, mit der der Musiker seinen Stücken den richtigen Klang gibt. Mal mit leichten Rap-Einflüssen, mit getragen-traurig, dann wieder vor Lebensfreude sprühend gibt der seinen Zuschauern einen Einblick in seine Gefühlswelt.

Resignation ist dabei Tarditos Sache nicht, wie in den von Giuseppe Lauria zu Beginn jeden Stückes sinngemäß übersetzten Texten zum Ausdruck kommt. Der Landsmann führt in Hirschhorn das Ristorante „Bei Peppe“ und brachte den Gästen die Themen des „Cantautore“ näher. Mehr Hoffnung, weniger Verbote, mehr Einsatz für die Gesellschaft – wie ein roter Faden ziehen sich diese Punkte durch das Schaffen des 32-Jährigen.

Die begeisterten Zuschauer sparten nicht mit dem Applaus für den besonderen Künstler, mit dem die Kunstpflege wieder einmal ein Highlight in die alte Pappenfabrik brachte. Das im Übrigen ein paar mehr Zuschauer verdient hätte. Zu Beginn des zweiten Sets gab’s dann noch eine deutsch-italienisch Koproduktion, als Heiko Plank auf seinem gleichnamigen Saiteninstrument zu Tardito auf die Bühne kam und beide zusammen ein Stück spielten.

Tarditos raue und sehr einfühlsame Stimme liegt irgendwo zwischen Angelo Branduardi und Paolo Conte. Er ist in seiner Musik immer auf der Suche nach Berührungspunkten zwischen den Kulturen und den verschiedenen musikalischen Traditionen. Tardito singt Balladen und Revolutionslieder, aber auch populäre Songs aus der ganzen Welt. Seine Texte sind voller Reife und Aussagekraft, wie sie in der Tradition eines Hannes Wader, Reinhard Mey oder Konstantin Wecker zu finden sind.

2007 wurde Tarditos Debütalbum „Controvento“ veröffentlicht. Dank dieser Arbeit war er der erste italienische Künstler, der an dem von Peter Gabriel organisierten internationalen Projekt WE7 teilnahm. 2010 folgte „Se fossi Dylan“, das in den USA, Italien, Deutschland, Bulgarien und Frankreich aufgenommen wurde. Der Veröffentlichung des Albums „Porto Argo“ folgten 2011 Konzertreisen in Italien, Belgien, Deutschland und Slowenien. 2012 entstand „Punto di Fuga“ in Zusammenarbeit. 2014 kam das aktuellste Werk heraus: „Era una gioia appiccare il fuoco“.

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