„Allerhöchste Anerkennung“ für die Oberzent-Entwicklung

Auch wenn „sein“ Odenwaldkreis nach der Oberzent-Fusion drei Gemeinden weniger hat, gewann Landrat Frank Matiaske dem freiwilligen Zusammenschluss nur Vorteile ab. Denn „es wird sich nichts ändern“, meinte er. Und schon gar nicht stehe der Kreis als solcher mit weniger Kommunen zur Disposition. Vielmehr freute er sich, dass der Kreishaushalt von den zusätzlichen Mitteln aus dem kommunalen Finanzausgleichs indirekt über Kreis- und Schulumlage ebenfalls profitiere.

Matiaske bezeichne den südlichen Odenwald-Kreisteil als „sehr reizvoll“, aber gleichzeitig bringe der demografische Wandel große Schwierigkeiten mit sich. Zusammen mit der Herausforderung des Haushaltsausgleichs „zeigt dies die Notwendigkeit auf, den Weg hin zu einer Kommune zu gehen“. Die im Zuge der Fusionsvorbereitung gelebte große Transparenz „ist alles andere als selbstverständlich bei diesen Prozessen“, lobte er das bisherige Vorgehen.

Die erfolgreiche Überzeugungsarbeit sei durch das eindrucksvolle Ergebnis beim Bürgerentscheid bestätigt worden, betonte der Landrat. „Der Kreis hat dann nicht weniger Aufgaben“, sagte er. Nur das Revisionsamt habe ein paar Haushaltspläne weniger zu prüfen. Als wesentliche Änderung nannte Matiaske, „dass in Zukunft der Hessenecker ein Mitbürger des Rothenbergers sein wird“.

Erbachs Bürgermeister Harald Buschmann zollte der Oberzent-Einwicklung „allerhöchste Anerkennung“. In den vier Orten wurde „ganz hervorragende Arbeit“ geleistet, die bleibende Spuren hinterlasse und „wegweisend“ sei. Er selbst habe mit den eigenen Fusionsbestrebungen ja „leidvolle Erfahrungen“ gesammelt, meinte Buschmann mit Blick auf den 2007 von den Bürgern abgelehnten Zusammenschluss Erbachs mit Michelstadt.

Er sah in der Oberzent allerdings heute ganz andere Voraussetzungen als vor zehn Jahren. Zum einen gebe es dort weniger emotionale Spannungen zwischen den Orten, zum anderen ganz andere finanzielle Anreize als früher. Buschmann bezifferte die damalige Ersparnis einer Fusion auf zehn Millionen Euro, hätte es die heutigen Kriterien gegeben. Und nicht zuletzt sei das Instrument eines Bürgerentscheids im Vorfeld der Parlamentsvoten erst nach der negativen Erbacher/Michelstadter Erfahrung in die HGO reingeschrieben worden.

Wenn nach aktuellem Entwurf am 29. April die neue Stadtverordneten-Versammlung der Oberzent-Stadt gewählt wird, dann ist auch der Chefposten auf dem Rathaussessel neu zu besetzen. Denn die bisherigen vier Amtsinhaber gehen zum 31. Dezember 2017 in den einstweiligen Ruhestand. Nur einer von ihnen soll bis zur Vereidigung des neuen Oberzent-Bürgermeisters als Staatsbeauftragter die Amtsgeschäfte weiterführen.

Schon heute haben aber die Spekulationen darüber begonnen, wer daran Interesse haben könnte. Die Bürgermeister Gottfried Görig (Beerfelden) und Hans Heinz Keursten (Rothenberg) winkten mit Blick auf ihre Alter bereits ab. Sensbachtals Egon Scheuermann möchte einen Jüngeren ranlassen, weil er mit Amtsantritt 2018 nur noch eine Wahlperiode machen könnte. „Ich bin jünger“, meinte Hessenecks Thomas Ihrig lakonisch danach. Der 52-Jährige verneinte ausdrücklich nicht mögliche Ambitionen. Das SPD-Mitglied will sich aber im Vorfeld mit den verschiedenen Ortsverbänden bzw. einem dann fusionierten SPD-Oberzent-Stadtverband beraten und deren Entscheidungen abwarten.

Projektleiter Christian Kehrer stellte im Anschluss das folgende Prozedere vor. Seit September gibt es Arbeitskreise, die sich mit dem Fortgang der Fusion beschäftigen. In ihnen wirken Bürgermeister, Parlamentarier und Gemeindevorstände mit. Der jetzt vorliegende Entwurf des Grenzänderungsvertrags solle im Januar mit den Gemeindevorständen abgestimmt werden. Die bisherige Einbindung der Bürgerschaft wolle man weiterhin beibehalten, sagte er. Dazu gehört auch, dass Richtung Frühjahr in Versammlungen dieser Vertrag öffentlich vorgestellt wird.

Der Zuschuss des Landes soll laut Kehrer in einige Aufgaben fließen. Unter anderem wird eine gemeinsame Homepage erstellt, für die Kreation von Wappen und Logo hat man einen Heraldiker zu Rate gezogen, dazu kommen externe Beratungs- und interne Personalkosten sowie neue Gebührenkalkulationen. „Alles Dinge, die in 2017 anfallen.“ Wie die restlichen 150.000 Euro finanziert werden, die abseits des Zuschusses noch fehlen, müssen sich laut Kehrer „die Gemeinden noch Gedanken machen“.

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