Der Wald soll Rothenberg fast 130.000 Euro Gewinn bringen

Der Wald bringt der Gemeinde ein erkleckliches Sümmchen Geld: Auf 128.000 Euro beläuft sich der geplante Überschuss aus dem Waldwirtschaftsplan 2017, wie ihn jetzt Forstdirektor Norbert Sasse vom Forstamt Beerfelden und Revierförster Reiner Grünberg der Gemeindevertretung vorstellten. Dass darin durchaus noch durch Luft nach oben ist, zeigt der Verlauf des Jahres 2016: Hier kommen, so die aktuellen Haushaltszahlen, auf die geplanten Einnahmen von 280.000 nochmal mehr als 50.000 Euro obendrauf. Die Mandatsträger billigten den Plan einstimmig.

Im Rückblick auf das abgelaufene Jahr sagte Sasse, dass dieses „frei von größeren Katastrophen war“. Allgemein gab es eine kühle und feuchte Witterung, nur unterbrochen von einigen heißen Wochen im Spätsommer, „sodass wir dann ein paar Borkenkäfer hatten“. Der Holzmarkt habe sich erfreulich entwickelt. Das im Rothenberger Gemeindewald vorherrschende Nadelholz erziele generell gute Preise, nur beim unbedeutenden Industrielaubholz habe es einen Rückgang gegeben.

Der neue Plan sei „der letzte fürs alte Gemeindegebiet“, erläuterte Sasse. Denn der kommende, Ende 2017 vorzulegende, beinhalte dann schon die neue Stadt Oberzent mit 2400 Hektar Wald statt bisher 700 für Rothenberg allein. Beim Forstamt werde man sich im nächsten Jahr Gedanken über die neue Form und Aufstellung machen, sagte der Behördenchef.

4720 Festmeter Holz sollen 2017 im Rothenberger Wald eingeschlagen werden, teilte Sasse mit. Davon seien 4272 fm verwertbar. Bei einem Durchschnittserlös von knapp über 64 Euro/fm erwartet er zusammen 275.000 Euro aus dem Holzverkauf. Dieser bildet auch das Gros der erwarteten Gesamteinnahmen von 295.600 Euro. Jagdpachten stehen mit 17.500 Euro im Plan, Nebennutzungen mit 3000 Euro. In den Vorjahren, so Sasse, sei gegenüber der zehnjährigen Forsteinrichtung etwas mehr geschlagen worden, weshalb man jetzt „etwas einspare“.

Der Schwerpunkt der Holzernte liegt laut dem Forstdirektor auf den Nadelhölzern Kiefer (1410 fm) und Fichte (2740 fm), und wozu auch Douglasie und Strobe zählen. Buche (470) und Eiche (100 fm) sind zu vernachlässigen. Je nach Entwicklung des Holzpreises könnten sich im Laufe des Jahres noch kleinere Änderungen zugunsten des Nadelholzes ergeben, sagte er.

Der Unternehmereinsatz für die Holzernte schlägt bei den Ausgaben als größter Posten mit 93.500 Euro zu Buche. Es folgen Materialien und Einsatz für Wegebau (20.000), Waldschutz (1725) und Waldverjüngung (3800 Euro). Beförsterungsbeiträge an Hessen-Forst sind mit 35.700 Euro veranschlagt, Kosten für die Berufsgenossenschaft mit knapp 7000. Insgesamt kommen so Ausgaben von 167.000 Euro zusammen.

Gepflanzt werden sollen dem Forstamtschef zufolge die Klimawandel resistenten Douglasien (300 Stück) und Weißtannen (150). Weiterhin stehen Schutzmaßnahmen gegen Wildschäden und der Schutz von Wald und liegenden Hölzern gegen den Borkenkäfer auf der Agenda. Unterhaltung und Instandsetzung der Gemeindewaldwege, Jungbestandspflege, Grenzsicherung sowie Natur- und Landschaftspflege sind weitere Punkte im neuen Waldwirtschaftsplan. Auch soll der „Baum des Jahres“ gepflanzt werden, dieses Mal die sowieso schon häufig vorkommende Fichte. „Die müssen wir wohl nicht extra kaufen“, scherzte Sasse.

Bürgermeister Hans Heinz Keursten sprach das laufende Verfahren beim Oberlandesgericht Düsseldorf an. Bei diesem wehrt sich das Land Baden-Württemberg gegen ein Kartellurteil, das ihm die gemeinsame Holzvermarktung durch die Forstbehörden untersagen will. Er wollte bei negativem Ausgang mögliche Auswirkungen auf Hessen wissen.

Sasse vermochte keine Prognose zum Urteil abzugeben. Er meinte aber, dass Hessen etwas anders aufgestellt sei. Sicherlich werde aber eine Bestätigung des Kartellurteils Auswirkungen haben, aber nicht zeitnah. Möglicherweise könnte ein eigener Vermarktungsbetrieb eine der Lösungen sein. Revierförster Grünberg führte auf Nachfrage aus dem Gremium den gestiegenen Überschuss in 2016 zum einen auf die konstant guten Holzpreise zurück, zum anderen aber auch auf den preisdrückenden Wettbewerb innerhalb der Holzernte-Betriebe.

Advertisements