Hochstraße in Kortelshütte: Verkehrsberuhigung statt Einbahnstraßen-Regelung

Die heiß diskutierte Einbahnstraßen-Regelung auf dem Kirchenweg zwischen Kortelshütte und Rothenberg ist erst einmal vom Tisch. Unter der Voraussetzung, dass die beim Ortstermin angedachten Verkehrsberuhigungs-Maßnahmen in der Hochstraße greifen. Denn diese, hatte die SPD schon im Sommer bemängelt, habe sich immer mehr zur Rennstrecke entwickelt, was eine Gefahr für die dortigen Anlieger bedeute.

Mit ihrem Vorschlag, ab Ortsende Kortelshütte die Durchfahrt nur noch bergauf Richtung Rothenberg zuzulassen und den Kirchenweg bergab zu sperren, hatten die Sozialdemokraten allerdings einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Hintergrund des Gedankens war, dass die Hochstraße dann nicht mehr als kürzere Verbindung zwischen dem Rothenberger Oberdorf und der Landesstraße nach Hirschhorn genutzt werden könnte.

Neben etlichen emotionalen Vorbehalten gegen eine solche Maßnahme wurden von den Gegnern auch rein organisatorische Gründe vorgebracht. So etwa, dass die Rothenberger Feuerwehr im Brandfall gegen die Einbahnstraße nach Kortelshütte fahren müsste. In der Bauausschuss-Sitzung Anfang Dezember hatte sich deshalb schon ein Einlenken zugunsten einer effektiven Verkehrsberuhigung abgezeichnet, was mit dem Ortstermin in trockene Tücher gebracht werden sollte.

Für die Ideen gebende SPD-Fraktion waren Brigitte Heckmann und Thomas Wilcke vor Ort, für die WGR deren Fraktionschef Wilfried Friedrich, Bauausschuss-Vorsitzender Dr. André Assmann, Werner Beisel und Klaus Bulling. Seitens des Gemeindevorstands nahm Jürgen Sauer teil, für die Verwaltung Armin Löffler. Gute Ideen gab es einige, allerdings müssen sie auch immer zum schmalen Geldbeutel der Gemeinde passen und finanzierbar sein.

In der Diskussion ging es unter anderem auch um die sogenannten „Kölner Teller“. Den Gedanken hatte Friedrich aus der Heidelberger Straße in Gaiberg mitgebracht. Diese Metallelemente in Form eines halben Fußballs werden auf die Straße aufgeklebt. „Da fährt man aus Angst um die Reifen wirklich langsam drüber“, meinte der WGR-Fraktionsvorsitzende. 53 Euro plus Kleber kostet laut Löffler ein solcher halber Ball.

Es ging jedoch nicht nur um Schwellen oder Teller, sondern auch um optische Verengungen, wie sie bereits vor einiger Zeit schon mal die SPD in die Diskussion eingebracht hatte. Eine solche kann man sich in der Kurve oberhalb der Kreuzung von Wald- und Hochstraße vorstellen, um die Straße für die bergab Fahrenden schmaler zu gestalten und sie damit zum langsam Fahren anzuhalten. Friedrich regte außerdem an, alle 100 Meter eine große „30“ auf die Fahrbahn aufzumalen, um die Geschwindigkeitsreduzierung zu verdeutlichen. Denn ab Ortseingang Kortelshütte von oben kommend bis runter zur Bushaltestelle an der Landesstraße gelte Tempo 30.

Der Verbindungsweg zum Hasensprung stand am Anfang der Begehung. Er soll freigeschnitten werden, damit die Fußgänger wieder auf Gemeinde- und nicht auf Privatgrund unterwegs sind. Denn die bisherige Strecke war zugewachsen und zugewuchert. Von dort abwärts nahmen die Parlamentarier die komplette Hochstraße bis zur L 3410 in Augenschein. Man kam überein, die bisherigen Schwellen zur Verkehrsberuhigung beizubehalten. Außer die vor dem „Lamm“, weil sie lose ist und klappert.

Vier derzeit im Bauhof vorrätige große Blumenkübel sollen an neuralgischen Punkten an den Straßenrand gestellt und mit Abmarkierungen versehen werden. Wilcke nannte als Beispiel den Ortseingang Ober-Schönmattenwag von der Raubach kommend, wo dies erfolgreich praktiziert werde. Ein Blumenkübel ist in Höhe des Heag-Gebäudes im Gespräch, damit die Straße hier schmaler erscheint. Vor und nach den Kübeln sind Parkbuchten in der Diskussion. Vor der Hochstraße 2a wurde über zwei Baumpflanzungen nachgedacht, um auch dort eine optische Verengung zu erreichen.

Von der Einmündung der Hoch- in die Landesstraße bis zur Kreuzung mit dem Weg „Im Trieb“ will man überlegen, einen 80 Zentimeter breiten Gehweg anzulegen. All diese Maßnahmen gilt es aber – abgesehen von der Finanzierung – mit der Polizei abzuklären. „Um zu sehen, was geht“, meinte Armin Löffler. Zusätzlich ist noch Hessen Mobil mit im Boot, wenn es um Gedankenspiele rund um die Bushaltestelle geht. Denn die ist direkt an der Landesstraße. Hier wurde angedacht, als Abgrenzung der Busbucht Kölner Teller anzubringen, weil bisher Autofahrer schnell die Kurve schnitten.

Überlegungen für eine Verkehrsberuhigung in der Kortelshütter Hochstraße gibt es schon seit 1993. Damals war an eine Pflasterung gedacht, was sich aber wegen des Widerspruchs von manchen Anwohnern nicht verwirklichen ließ. 2008 wurden die jetzigen Schwellen an verschiedenen Stellen aufgebracht. Die zeigten aber nicht den gewünschten Erfolg und waren auch nicht wirklich beständig.

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