Geschichtlicher Rückblick: Hirschhorn und Neckarsteinach gingen früher erst einmal getrennte Wege

„Ein Rückblick kann auch ein Ausblick sein“, meinte Ulrich Spiegelberg einleitend zu seinem Vortrag über die früheren Berührungspunkte zwischen Hirschhorn und Neckarsteinach, den er beim Neujahrsempfang der Vierburgenstadt im Bürgerhaus hielt. Herrschaftlich, sagte der Vorsitzende der Hirschhorner Langbein-Freunde und versierte Hobby-Geschichtsforscher, seien beide Städte trotz der Nachbarschaft erst einmal getrennte Wege gegangen. Das habe an der jeweiligen Zuständigkeit der Kloster Worms und Lorsch gelegen.

Die frühere Erwähnung Hirschhorns mit Ersheim im Jahr 773 sei auf die Bestrebungen der Lorscher zurückzuführen, ihren Herrschaftsbereich auszudehnen. Richteten sich diese Richtung Igelsbach oder Unter-Schönmattenwag, so nahmen die Steinacher Ritter später Heddesbach ins Blickfeld. Eine mögliche erste Verbindung der beiden Geschlechter machte Speigelberg durch einen Johann aus, der in beiden Stammbäumen auftauche.

Apropos Namen: Spiegelberg notierte amüsiert das inflationäre Vorkommen von Konrad und Bligger in Neckarsteinach, das eine Zuordnung oftmals schwierig mache. Die Hirschhorner hätten durch geschickte Heiratspolitik versucht, ihren Herrschaftsbereich auszudehnen, erläuterte er. Aber: „Die Steinacher Töchter waren nicht interessant. Die hatten wohl zu wenig Geld“, meinte der Fachmann.

Andersrum wiederum funktionierte es: Gegen Ende des Mittelalters heirateten Hirschhorner Töchter Landschaden von Neckarsteinach. Was aber auch nicht mehr viel brachte: Beide Geschlechter starben im 16. und 17. Jahrhundert aus. Auf der Mittelburg seien die Hirschhorner besitzmäßig immer vertreten gewesen, erklärte er. Dies komme auch durch ein Wappen in einem Neckarsteinacher Kirchenfenster zum Ausdruck. Erst durch den Tausch mit Brombach 1536 habe sich dies erledigt.

Der Bau der Hirschhorner Stadtmauer wurde nach dem am 10. September 1391 erteilten Befestigungsrecht durch eine Getränkesteuer finanziert. „Man kann auch sagen, dass sich die Hirschhorner ihre Stadtmauer quasi ersoffen haben“, sagte er lächelnd. In Neckarsteinach hätten diese Prozesse alle etwas später eingesetzt. Erschwerend sei die geteilte Herrschaft über den Ort von Worms und Pfalzgraf hinzugekommen.

Spiegelberg führte an, dass es auch in der Kirchengeschichte der beiden Städte so manche Parallele gebe. Neckarsteinach sei Zufluchtskirche für die evangelischen Christen Hirschhorns gewesen, während von den Hirschhorner Karmelitern dort die katholische Gemeinde wieder aufgebaut worden sei. Interessanterweise hätten sich 2015 die beiden katholischen Gemeinden zu einer im hessischen Neckartal zusammengeschlossen.

„Fünf Monate lange gehörte eine Hälfte Neckarsteinachs schon einmal zu Baden“, machte er aktuelle Anklänge zu Länderwechsel-Bestrebungen aus. Allerdings war dies Ende 1802/1803, im Zuge der Neugliederung durch Napoleon. Durch Gebietstausch fiel dann ganz Neckarsteinach an Hessen. Und heute? Von Errungenschaften im hessischen Neckartal in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wie Forstamt, Landratsamt oder Amtsgericht sei nichts mehr geblieben, sagte Spiegelberg.

Er plädierte in diesem Zusammenhang für eine weitere Zusammenarbeit der beiden Städte im südlichsten Zipfel Hessens. Nur so kann Spiegelberg zufolge die zukünftigen Aufgaben gelöst werden. Ein Ort allein sei dafür zu klein.

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