Damit die Bürger rund um die Uhr mobil sind: Konzept „Garantiert mobil!“ und seine Möglichkeiten für die Oberzent vorgestellt

Die Mobilität im ländlichen Raum ist für die Bürger ein großes Thema. Oftmals geht ohne Auto gar nichts. Was für die Jüngeren kein oder ein kleineres Problem ist, kann sich für Ältere, die nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen können, zu einem veritablen Hindernis auswachsen sich von A nach B zu bewegen. Ganz davon abgesehen, dass nicht jeder ein Auto hat. Weil im Zuge der Oberzent-Fusion viele Rückmeldungen aus der Bürgerschaft zum Thema ÖPNV kamen, wollten auch die Gremien das Thema aufgreifen.

Der Leiter des Geschäftsbereichs Nahverkehr der Oreg, Peter Krämer, referierte nun vor interessierten Mandatsträgern aus allen vier Kommunen über das Projekt „Garantiert mobil!“ des Odenwaldkreises. Neben allgemeinen Ausführungen gab es auch einen „Oberzent-spezifischen Teil“, der sich mit dem erwarteten Aufkommen und einer möglichen Bezuschussung beschäftigten, um die sogenannten „Taxomobil-Fahrten“ attraktiver zu machen.

Die Oreg verspricht durch eine Mobilitätsgarantie die nachhaltige Verbesserung des ÖPNV im Odenwaldkreis – für alle Verbindungen aus den Ortschaften in das jeweilige Zentrum. Im Falle der Oberzent ist das Beerfelden. Und von dort aus ins Kreiszentrum Erbach/Michelstadt. Dieses Angebot soll laut Krämer an sieben Tagen in der Woche und unabhängig von Schul- und Ferienzeiten bestehen, zunächst bis 22 Uhr.

Jedoch verzögert sich Einführung, weil sich die technische Seite als sehr komplex erweist. Wie Krämer sagte, war nach dem ersten Termin Oktober 2016 jetzt der 1. März geplant. Inzwischen ist man beim 1. September, um der Buchungs-App noch den letzten Feinschliff zu geben. Über diese sollen dann alle Aktionen laufen – für noch nicht Internet-affine wird es daneben eine Telefon-Hotline geben.

Die Gewissheit, immer ein verlässliches Mobilitätsangebot zu moderaten Preisen zu erhalten, werde das Leben und Arbeiten auf dem Land erleichtern, erhofft sich Krämer. Für alle Fahrten zahlt der Kunde den regulären RMV-Fahrpreis. Für die „Taxi-Ersatzfahrt“ ist allerdings zusätzlich ein entfernungsabhängiger Zuschlagspreis erforderlich.

Und um genau um diesen ging es bei Krämer Referat vor den Gemeindevertretern, Beige- und Stadtverordneten sowie Magistratsmitgliedern im Unter-Sensbacher Rathaus-Sitzungssaal. Das Interesse der Mandatsträger am Thema war groß, wie sich am vollen Haus zeigte. Sollten Krämers Vorschläge auf Widerhall stoßen, wünschte sich dieser eine Verabschiedung in den Gremien möglichst frühzeitig, aber spätestens bis zur Sommerpause.

Wie immer geht’s ums liebe Geld. Denn für die Taxifahrten, um etwa von Hesselbach oder Ober-Hainbrunn nach Beerfelden zu gelangen, werden laut Krämer Kosten von 2,50 bis 15 Euro für die Fahrgäste fällig –zusätzlich zum RMV-Ticket. Man habe bereits in Verhandlungen die Tarife um etwa ein Viertel absenken könnten, sagte er. Um aber trotzdem diese Touren als Alternative zum Auto und als „letzte Instanz“, wenn kein Rufbus unterwegs sei und es keine Mitfahrgelegenheit gebe, attraktiv zu gestalten, sind die Oberzent-Gemeinden aus Zuschussgeber gefragt.

Wie Krämer erläuterte, bewegte sich das Rufbus-Aufkommen im Jahr 2015 bei 13.400 Fahrgästen. Laut den ÖPNV-Fachmann für die Region und angesichts der Bevölkerungszahl eine gute Marke. Mit dem eigentlichen geplanten Start 1. März war man im Bereich der Oberzent für den Rest des Jahres von 6500 Taxomobil-Fahrten ausgegangen. Mit dem aktuell anvisierten Beginn 1. September relativieren sich die Zahlen entsprechend.

Sollten die vier Kommunen das bei einer Taxi-Fahrt entstehende Defizit zur Hälfte übernehmen und damit die Nutzer entsprechend entlasten, hatte Krämer für zehn Monate ein Defizit von 20.000 Euro errechnet. Das wäre 2018 mit 10.000 prognostizierten Fahrten in der Relation höher. Er wies darauf hin, dass dies „keine pauschalen Zuschüsse“ sind, sondern die Gelder nur bei Inanspruchnahme anfallen. Zum Tragen käme dies auf allen Fahrten in der Oberzent Richtung Beerfelden und zurück, aber auch in außerhalb des Kreises gelegene Orte mit traditionellen Verkehrsverbindungen wie Hirschhorn, Eberbach, Affolterbach und eventuell Fürth.

Kern von „Garantiert mobil“ ist eine Mobilitätsgarantie, also das Versprechen, jederzeit von einer Ortschaft im Odenwaldkreis in das nächste Zentrum und immer auch in        das Mittelzentrum Erbach/Michelstadt zu gelangen. Bedingung ist    eine Anmeldung des Fahrtwunschs spätestens 60 Minuten vor der geplanten Abfahrtszeit. „Garantiert mobil!“ kennt keine Bindung an einen Fahrplan und keine Einschränkungen am Wochenende oder in den Schulferien. Man muss lediglich die Fahrwegrelationen kennen (diese entsprechen dem Verlauf der Buslinien) und seine Fahrt fristgerecht buchen.

Über das Buchungsportal sucht der Fahrgast in der Start-Ziel-Relation seines Fahrtwunsches nach einer entsprechenden Verbindung. In der Auskunft wird ihm dann stets ein bestehendes ÖPNV- (Regel- oder „RufBus“-)Angebot angezeigt. Angezeigt werden ihm aber auch Mitnahmefahrten, die ein privater oder gewerblicher Anbieter für die entsprechende Relation im Buchungsportal eingetragen hat. Zusätzlich wird ihm zu seinem gewünschten Abfahrtszeitpunkt eine „Taxomobil“-Fahrt angeboten, wenn für seine Fahrtstrecke die Mobilitätsgarantie gilt.

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