Aujeszky-Krankheit: Vorsicht kann nicht schaden, aber es sind Einzelfälle – Gespräch mit Ronny Kolb vom Forstamt Beerfelden

Vorsicht ist angebracht, ja. Aber von Panikmache hält Ronny Kolb gar nichts. Laut dem stellvertretenden Leiter des Forstamts Beerfelden ist die Ansteckungsgefahr für Hunde mit dem sogenannten „Aujeszky-Virus“ sehr gering. In den vergangenen zehn Jahren hat es seiner Kenntnis nach ganze zehn Fälle deutschlandweit gegeben. Aber eben einen auch im vergangenen November im Forstamts-Bereich, bei der Hubertusjagd auf der Sensbacher Höhe. Die „Aujeszky-Krankheit“ (AK) verläuft bei Hunden immer tödlich. Für Menschen ist sie ungefährlich.

Obwohl die bisherigen Todesfälle alles Einzelschicksale waren, sich außer im Odenwald lediglich in Niedersachsen und Thüringen abspielten, können Hundebesitzer Kolb zufolge zur Sicherheit ihrer vierbeinigen Gefährten ein paar einfache Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. „Jagdhunde haben deutlich mehr Berührungspunkte“, betont er. Aber auch die Haushunde sollte man davon abhalten, dort zu wühlen, wo vorher Wildschweine aktiv waren.

Denn die Krankheit könne wie allgemein bei einer Infektionskrankheit über die Mundschleimhäute übertragen werden. „Beim Mensch würde man das Tröpfchen-Infektion nennen“, so der Forstexperte. In der Jagdpraxis lässt sich der Wildkontakt nicht immer vermeiden. Das Ansteckungsrisiko sollte jedoch so gut wie möglich reduziert werden. Die typischen Krankheitsanzeichen sind plötzlich auftretende Apathie, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Juckreiz, hohes Fieber und/oder Lähmungserscheinungen. Bei Verdacht auf eine AK-Infektion sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht und das zuständige Veterinäramt informiert werden.

Generell rät Kolb dazu, kein rohes Schweinefleisch zu verfüttern – weder an Jagdhunde noch an Haustiere. Zwar gilt Deutschland bei Hausschweinen seit 2003 als AK-frei, doch sei die Wildschwein-Population mehr oder weniger stark befallen. In einer Jagdzeitschrift wird regional von Antikörpern gegen AK bei bis zu 30 Prozent der beprobten Tiere gesprochen. Jedoch werden die Haus- und Wildschweine kaum beeinträchtigt oder leben damit ganz normal weiter. Im Odenwald rechne man aufgrund von Beprobungen mit etwa zehn Prozent an infizierter Wildschwein-Population.

Anhand dieser Zahl macht Kolb auch das geringe Ansteckungsrisiko deutlich. Zuerst einmal müsse ein Hund überhaupt in Kontakt mit Speichel, Nasensekret oder Kontakt mit den Geschlechtsorganen des Schwarzwildes kommen – und dann müsse dieses auch noch befallen sein. Andere Gefahren für Hunde etwa durch den Straßenverkehr seien deutlich höher. Allerdings „fällt ein Krankheitsfall genau deshalb auf, weil ein Ausbruch so selten ist“, hebt der Förster hervor.

Das Forstamt Beerfelden sei mit dem Thema „sehr offensiv umgegangen“, betont er. Bei den nachfolgenden Jagden habe man den Hundeführern freigestellt weiterhin mitzumachen. „Kein einziger hat zurückgezogen“, erläutert er. Denn die Fachleute wüssten um die geringe Gefahr einer Ansteckung. So hätten sich auch die anderen Hunde bei dieser Hubertusjagd nicht infiziert, meint Kolb mit einem Blick auf Fritz, die eineinhalbjährige Brandlbracke von Florian Koch (Bild).

Allerdings, so der stellvertretender Behördenleiter, seien die Förster auch in einer Zwickmühle: „Wir müssen die Schwarzwild-Bestände klein halten“, betont er. Denn die Wildschweine nähmen überhand. Um die Population geringer und damit die Ansteckungsgefahr kleiner zu halten, müsse man sie bejagen. Auf diese Weise könnten die Hunde aber eher in Kontakt mit ihnen kommen.

Kolb macht mit Blick auf Vorsichtsmaßnahmen von Privatpersonen darauf aufmerksam, dass in Naturschutzgebieten sowieso Leinenpflicht für Hunde gelte, ebenso teilweise in FFH-Gebieten. Daneben mache es Sinn, sein Tier nicht unbedingt dort abzuleinen, wo Wildschwein-Spuren zu erkennen seien, sondern erst auf dem Feld nebenan.

Sieht Kolb für die Hunde von Spaziergängern wenig Gefahren, so stellt sich seinen Worten zufolge die Situation für Jagdhunde etwas anders dar. Trotz der geringen Ansteckungs-Wahrscheinlichkeit sind die Jäger gehalten, ihre Tiere von Blut und Fleisch der geschossenen Wildschweine fernzuhalten und zu verhindern, dass sie sich verbeißen. Wie der Jagdverband mitteilt, kann das Aujeszky-Virus auch außerhalb des Wildkörpers selbst bei Minustemperaturen über Wochen infektiös bleiben. Ein Impfstoff für Hunde ist nicht verfügbar und ihn wird es auch in nächster Zeit nicht geben.

 

Aujeszky-Krankheit

Die Pseudowut (auch Juckpest, Tollkrätze, Aujeszky-Krankheit) ist eine durch das Aujeszky-Virus hervorgerufene anzeigepflichtige Tierseuche. Der Erreger gehört zur Familie der Herpesviren. Sein eigentlicher Wirt sind Schweine. Die Krankheit ist nach dem ungarischen Tierarzt Aladár Aujeszky benannt. Bei nahezu allen Säugetieren verläuft die Infektion tödlich. Menschen sind jedoch für das Virus nicht empfänglich. Bei Rindern, Hunden, Wölfen, Katzen und Schafen kommt es schnell zu einer Gehirn- und Rückenmarksentzündung mit zentralnervösen Erscheinungen, bei Rindern und Hunden zusätzlich zu starkem Juckreiz, und danach zum Tod des Tieres.

Ist der Hund mit einem infizierten Schwein in Kontakt gekommen, treten innerhalb kürzester Zeit (binnen ein bis vier Tagen) die ersten Symptome auf. Diese ähneln stark denen der Tollwut, weshalb die AK häufig auch als Pseudowut bezeichnet wird. Dazu zählen Appetitlosigkeit und Mattigkeit manchmal ist der Hund aber auch erregt, bellt oder winselt (im Unterschied zur Tollwut sind die Tiere jedoch nicht aggressiv). Im weiteren Verlauf kommt es zu Atemnot, Schluckbeschwerden, verstärkter Speichelproduktion und Erbrechen. Das auffälligste Symptom ist der intensive Juckreiz, der an Fang und Behängen beginnt und häufig zur Selbstverstümmelung führt. Später kommt es zu Bewusstseinstrübungen, Krämpfen und Lähmungen. In der Endphase werden die betroffenen Hunde ruhig, verlieren das Bewusstsein und sterben.

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