Auch ein Rocker kann ganz gefühlvoll: Bobby Stöcker war mit seinem akustischen Soloprogramm zu Gast im Hüttenwerk Michelstadt

Mehr als eine Akustik-Gitarre und die eigene Stimme braucht es nicht, um einen ganzen Saal zu unterhalten. Bobby Stöcker, der in der Woche zuvor noch mit „Coversnake“ und den besten Songs von Ex-Deep-Purple-Sänger David Coverdale die Hütte gerockt hatte, kam jetzt ganz leise und verspielt daher. Der Sänger und Gitarrist aus Groß-Umstadt hatte seine Lieblingssongs aus den vergangenen Jahrzehnten live im Hüttenwerk im Gepäck – die große Fangemeinde dankte es ihm mit viel Applaus.

Natürlich sind in seinem Set auch die alten Rock- und Popgrößen vertreten, vor denen jeder Musiker in der heutigen Zeit immer noch seinen Hut zieht. „Wish you were here“ von Pink Floyd als Opener ist das beste Beispiel dafür. Noch ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat „Let it be“ von den Beatles, der Inbegriff der zeitlosen Ballade. Dass „Losing my religion“ von REM auch schon über 25 Jahre auf dem Buckel hat, merkt man eher nebenher. Alle Songs erklingen in angenehmer Lautstärke, als virtuose Berieselung nebenher, die auch noch das eine oder andere Schwätzchen mit dem Nachbarn möglich macht.

Wie auch der One-Hit-Wonder „Runaway Train“ von Soul Asylum aus dem Jahr 1992, den Stöcker gefühlvoll, mit ruhigem Gitarrenspiel auf dem Punkt bringt. Wohlfühlmusik eben, die mit „Breakfast at Tiffany’s“ oder „Faith“ des kürzlich verstorbenen, unvergessenen George Michael ihre Fortsetzung findet. „Wonderwall“ von Oasis, „Over my shoulder“ von Mike and the Mechanics oder „Mr. Slowhand“ Eric Claptons „Can’t find my way home“ bieten Stöcker die Möglichkeit, neben seinem perfekten Gitarrenspiel auch auf seine wandlungsfähige Stimme aufmerksam zu machen.

„Ironic“ und „Like the way I do“ von Melissa Etheridge, der „Englishman in New York“ von Sting oder der Evergreen „Long train running” von den Dobbie Brothers beweisen die Hitqualitäten des Programms von Bobby Stöcker, der es immer wieder vermag, mit seiner Fingerfertigkeit auf der Gitarre die Zuschauer im Hüttenwerk zum Klatschen und sogar zum Mitsingen zu animieren. „Wheater with you“ ist solch ein gern gehörter Hit, der trotz der kalten Temperaturen draußen Wärme in den Saal zaubert.

Immer wieder lässt der Gitarrist durchblitzen, dass er „von der guten alten Rockmusik kommt“. Als „Kind der der 80er“ wuchs er mit dem Bluesrock auf, kam dann Anfang der 90er mit der Unplugged-Welle in Kontakt. Dem Rock hält Bobby Stöcker nach wie vor die Treue, spielt neben „Coversnake“ auch in der Kiss-Tribute-Band (im April im Hüttenwerk zu Gast), wandelt aber solo auch gerne mal auf anderen, nicht minder schönen musikalischen Pfaden.

Dabei präsentiert er dann größtenteils Songs, die er sonst nicht mit seinen Bands spielt, die ihn aber persönlich berühren und durch die Jahre musikalisch geprägt haben. Diese erklingen teils völlig umarrangiert, in neuem Sound-Gewand, unplugged und mit einem gehörigen Schuss Lagerfeuer-Atmosphäre.

Wenn einer sein ganzes Leben mit der Musik verbracht hat, dann ist das wohl Bobby Stöcker. Der heute in Groß-Umstadt Wohnende nahm bereits als Fünfjähriger Klavierstunden. Mit 14 Jahren widmete er sich der Gitarre, gründete die erste eigene Band und schrieb mit 16 seine eigenen Songs. Nach dem Schulabschluss wagte Bobby den Sprung und ist seitdem ununterbrochen im Musikbusiness tätig.

Seitdem stand er bereits mit Größen wie Bobby Kimball (Sänger von Toto) auf der Bühne oder wirkte beim Musical „Tommy“ von The Who an der Leadgitarre mit. Bei Armir Saraf, Produzent und Songschreiber von „La Bouche“, lernte er auch die Ausnahmesängerin Melanie Thornton kennen, für die er im Folgejahr Songs zu ihrem Debut-Solo-Album schrieb. Sein bisher größter Erfolg war die Veröffentlichung von mehreren Songs auf dem Erfolgsalbum „Ready To Fly“ von Melanie Thornton. Stöcker hat heute seine eigene Eventmanagement-Firma „Vivid Music Productions“ (VMP).

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