Premiere für den Odenwaldkreis: Die Arbeitsagentur machte mit dem „digitalen BIZ“ zuerst an der Oberzent-Schule Beerfelden Station

Die Arbeitsagentur holt neuerdings die Jugendlichen dort ab, wo sie im wahrsten Sinne des Wortes zuhause sind: nämlich an der Schule und übers Smartphone oder den Computer. An der Oberzent-Schule startete jetzt als Premiere für den gesamten Odenwaldkreis das „digitale BIZ“ (Berufsinformationszentrum). Dafür kam die für den Südkreis zuständige Berufsberaterin Anette Angele zu den verschiedenen neunten Schulklassen.

Im Gepäck hatte sie: wenig Papier, dafür ein Klassenset mit Tablets, auf denen die entsprechenden Apps vorinstalliert sind. „Eine Riesenerleichterung“, zeigte sich Schulleiter Bernd Siefert angetan von der digitalen Revolution bei der Berufssuche. „Was die Infobeschaffung über Berufe angeht, sind die neuen Medien für den ländlichen Raum ein großer Vorteil“, betonte Siefert. Denn zuvor musste man immer den Transport der Klassen entweder nach Heidelberg oder nach Erbach organisieren. „Es ist gut, die Kinder früh in einen Ausbildungsberuf zu bringen“, hob er hervor, anstatt dass sie unnötige Fortbildungsrunden drehten. Denn: „Das Handwerk sucht dringend Leute.“

Die digitale Variante des früheren BIZ-Mobils kam nun in Beerfelden erstmals für den Kreis zum Einsatz. Vorher gab es das stationäre „BIZ-Mobil“, das zwei Wochen an einem Ort stand und von den verschiedenen Klassen besucht wurde, erläuterte Angele. Jetzt erkunden die Schüler die Berufe durch die Tablets mitsamt den dort verfügbaren Anwendungen und Apps.

Angele wirft lediglich per Beamer zur besseren Verdeutlichung die Bilder auf die Leinwand, die sowieso auf den Bildschirmen zu sehen sind. Für die Technik sorgt die Regionaldirektion Frankfurt der Arbeitsagentur, für die mit Alexandra Pagelkopf und Julia Schulz zwei Betreuerinnen vor Ort waren. Sie stehen nicht nur bei entsprechenden Fragen zur Verfügung, sondern löschen im Nachgang auch alle eingegebenen Daten und machen das Tablet „wieder sauber“.

Der Vorteil der digitalen Berufserkundung: „Die Schüler können sich zuhause die Apps runterladen und das in der Schule Gehörte vertiefen“, erläuterte Angele. Planet Beruf, Berufeentdecker, Fit fürs Vorstellungsgespräch oder Berufe-TV heißen diese unter anderem. Was nicht im App-Store verfügbar ist, lasse sich über die Homepage der Arbeitsagentur finden.

Die Arbeit mit den Tablets ermöglichte es der Berufsberaterin von der Erbacher Agentur auch, die Schüler unter Verwendung eines bekannten Mediums für das Thema Ausbildung zu interessieren. „Die waren konzentriert bei der Sache“, freute sich Angele. „Ich war sehr positiv überrascht, wie gut die Jugendlichen mitgezogen haben.“

Als Abschluss gab es noch ein Promi-Quiz. Damit wollte sie zeigen, „dass man auch mit einer Ausbildung viel erreichen kann“, dass es nicht immer Abi und Studium sein müssen, um im Beruf Erfolg zu haben. Dass Stefan Raab Metzger gelernt hat, ist hinreichend bekannt. Oliver Pocher machte seinen Versicherungskaufmann, Mario Barth bei Siemens den Kommunikationselektroniker.

„Die Tablets sprechen die Schüler viel mehr an“, freute sich Angele über die große Aufmerksamkeit. „Man muss mit der Zeit gehen“, begründete sie die Neuerung. Die Rückmeldungen bestärkten nicht nur sie. „Die Lehrer sind begeistert“, nahm sie aus Beerfelden mit. Nicht nur die: „Den Schülern hat es auch gefallen“, stellte sie bei einer Rückfrage fest.

90 Prozent klickten den lächelnden Smiley in der Nachfrage an. Es schallte ihr ein lautes „Ja“ auf die Frage entgegen, ob die Präsentation angekommen sei. Auch die beiden Neuntklässler Tom Bulling und Erik Dereh bestätigten, dass diese Art der Darstellung bei den Schülern gut ankomme. „Technisch hat es ebenfalls sehr gut geklappt“, lief die Premiere laut der Berufsberaterin wie am Schnürchen.

„Um Welten besser“ als den BIZ-Besuch bezeichnete Siefert die digitale Version. Der sei dann immer ein Tagesausflug geworden, weil gerade die Fahrt nach Heidelberg einige Zeit in Anspruch nahm. Wenn man dann schon mal dort war, bekam der Besuch gleich noch den Charakter einer Stadtbesichtigung, lächelte er.

Der BIZ-Termin ist in das Berufsorientierungskonzept der Oberzent-Schule eingebunden. Start ist in den siebten Klassen. Dann bekommen die Heranwachsenden einen Berufswahlpass, den sie bis zur zehnten Klasse pflegen. Zuerst kommt der Girls Day, in der achten und neunten Klasse stehen 14-tägige Berufspraktika an, dann kommt für die Neunt- und Zehntklässler der Odenwälder Berufsinfotag – und eben zwischendurch der BIZ-Besuch.

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