Fleisch muss man wie ein rohes Ei behandeln: Finkenbacher Vereinsvertreter nahmen an Lebensmittelhygiene-Schulung teil

Wenn Frühling und Sommer nahen, dann steht auch die Saison der Vereinsfeste ins Haus. Geselligkeit wird bei netter Unterhaltung und gutem Essen gepflegt. Doch damit den Gästen alles trefflich mundet und nichts im Hals stecken bleibt, müssen die ehrenamtlichen Helfer inzwischen eine Vielzahl von Vorschriften beachten. Um damit auf dem neusten Stand zu sein, hatten Mareike und Christian Niesen eine Lebensmittelhygiene-Schulung im Finkenbacher Feuerwehrhaus organisiert.

Der Hintergrund: Eine solche Schulung ist Pflicht für alle Personen, die leicht verderbliche Lebensmittel herstellen, behandeln oder in den Verkehr bringen. Mareike Niesen übernimmt in dieser Saison als Pächterin den Kiosk im Schwimmbad Finkenbach und muss dann die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung vorweisen. So wie in der Theorie ein Vertreter jedes Vereins in jedem Jahr. Doch in der näheren Region „fehlte das Angebot“, erläuterte Christian Niesen. Weshalb er die Organisation selbst in der Hand nahm.

Zwölf Mitglieder von Freiwilliger Feuerwehr, Gemischtem Chor, FC Finkenbachtal, Heimat- und Verschönerungsverein (HVV) sowie die Kiosk-Pächterin nahmen teil. Mit Ingo Weil von der Firma HSW aus Bad König wurde sie von einem ausgewiesenen Fachmann geleitet und durchgeführt, der mit etlichen Beispielen aus der Praxis aufwarten konnte. Viele Fragen wurden von ihm beantwortet und lebhaft diskutiert. Geplant ist laut Niesen, diese Schulung alle zwei bis drei Jahre in Finkenbach anzubieten.

Ein Klassiker der Lebensmittelhygiene ist der Umgang mit rohem Fleisch. Hier ist es laut dem Fachmann sinnvoll, mit Messern in drei Farben zu arbeiten: für Fleisch, Brötchen und Salat. „Auf keinen Fall mit demselben Messer erst das Fleisch und dann ein Brötchen schneiden“, so Weil. Fleisch sollte man in einer Kühltruhe unten lagern, weil sich dort die Kälte am längsten hält. Und nicht in einem Kühlschrank, weil durch das Öffnen der Tür jedes Mal mehr Wärme hineinströme.

Auch bei Tiramisu mit rohem Ei oder generell Ei-haltigen Speisen ist Vorsicht geboten. Uschi Egler vom gemischten Chor fragte nach dem richtigen Umgang mit Eiern und daraus hergestellten Produkten. Sobald das Produkt durcherhitzt wurde, sei die Aufbewahrung kein Problem, hieß es. Bei Produkten mit nicht erhitztem rohem Ei dürfe die Kühlkette nicht unterbrochen werden, sagte der Fachmann. Sie müssten an der Theke in einer sogenannten „Sichtkühlung“ angeboten werden, die erst bei Ausgabe an den Käufer beendet wird.

„Tiramisu ist auf jedem Grillfest sehr kritisch“, so Weil. Er empfahl, mit Eikonzentrat zu arbeiten. Daneben wurde von ihm auf die Gefahr von Salmonellen und die Folgen einer daraus resultierenden Vergiftung hingewiesen. „Schmuck oder Eheringe sollten bei der Desinfektion der Hände abgenommen werden“, so der Experte. Denn darunter kommt es das entsprechende Mittel nicht. Auf Wunden sollte unbedingt ein Pflaster, wie auch generell Handschuhe anzuraten seien.

Mareike Niesen wollte vom Fachmann wissen, wie es sich mit Holzschneidebrettern in der Küche verhält. Man sollte nur Kunststoffbretter nutzen, sagte Weil. Denn: „Raue Oberflächen lassen sich nicht reinigen.“ Daher sollten Schneidebretter regelmäßig abgeschliffen oder erneuert werden. Alles, was mit rohem Fleisch in Kontakt kommt, sollte nach Gebrauch gründlich gereinigt werden, erläuterte Ingo Weil. Am besten, sagte er, in einer Industrie-Spülmaschine mit Temperaturen von mindestens 60 Grad Celsius im Spültank und mindestens 85 Grad Celsius bei der Nachspülung. Beim Grillen könne zum Auflegen und Herunternehmen die gleiche Fischgabel benutzt werden.

„Ich werde nun die Mitglieder des HVV Finkenbach, die grillen oder Essen ausgeben, vor dem nächsten Vereinsfest schulen“, so Niesen. Eine ähnliche Multiplikatorenfunktion haben auch die anderen Teilnehmer. Mittels eines Zertifikats kann dann nachgewiesen werden, dass das Wissen innerhalb des Vereins weitergegeben wurde. Andere Vereine, die noch keine Schulung haben, sollten selbst die Schulung beim Profi machen, empfahl Niesen. „Das Gesundheitsamt hilft da gerne weiter.“

Grundlage ist die sogenannte „Basis-Hygieneverordnung“ wie Lebensmittel-, Personal- und Gerätehygiene. Themen wie offene Milchprodukte, Fleisch, Wassertemperatur beim Spülvorgang, Kühlkette, Lagertemperaturen, Allergenkennzeichnung und Küchenausstattung (Holz oder Kunststoff) werden ausgiebig geschult. Diese Schulung ist Pflicht für alle Personen, die leicht verderbliche Lebensmittel herstellen, behandeln oder in den Verkehr bringen. Das heißt, jeder Verein, der Vereinsfeste macht und Essen verkauft, braucht geschulte Mitglieder gemäß Paragraf 4 Lebensmittelhygieneverordnung (meist der Vorstand).

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