Indonesisches Tischtennis-Talent ist für den SV Ober-Hainbrunn am Ball

Bernd Diemer ist begeistert vom jüngsten Neuzugang der der SV-Tischtennisabteilung. „Der ist interessiert, offen, freundlich“, sagt der Abteilungsleiter über den 18-jährigen Wahid Habibie. Das indonesische Talent am kleinen runden Ball verstärkt das Bezirksliga-Team aus dem Rothenberger Ortsteil für drei Monate in der Rückrunde, weil Diemer verletzt pausieren muss.

Der Einstand gegen den Tabellenführer TTC Heppenheim verlief noch durchwachsen. Habibie gewann ein Spiel und verlor eines, der Spieltag ging mit 9:2 an die Bergsträßer. „Ihm fehlt eindeutig noch die Praxis“, beobachtete Diemer. „Von der Technik her ist er sehr gut.“ Außerdem sei Habibie das Spiel mit dem Zelluloid-Ball noch nicht gewohnt, er kenne bisher nur die Plastik-Variante.

Für den aus dem Regierungsbezirk Berau stammenden (Provinz Kalimantan Timur auf der Insel Borneo) mit dem TTR-Wert 2162 ist Deutschland die zweite Station im Rahmen seiner Tischtennis-Karriere. Zuvor war er drei Monate in China, weiß Diemer. Jetzt ist Habibie an der Tischtennis-Schule von Thomas Keinath in Hanau zu Gast. Über diesen, der in der Vergangenheit schon die Ober-Hainbrunner trainierte, kam auch der Kontakt zustande.

Denn der Indonesier soll Spielpraxis sammeln, weiß Diemer. „In seiner Heimat hat er bisher nur Turniere gespielt, ist in keiner Liga aktiv“, fehlt Wahid die Erfahrung aus den Rundenspielen. Neben Keinath steht ihm als Trainingspartner ab und zu auch Weltklasse-Tischtenniscrack Timo Boll zur Seite. „Jeden Tag vier Stunden Training und zehn Kilometer Laufen“ ist in Keinaths Tischtennisschule angesagt. Der trainiert dort etliche ausländische Talente aus der ganzen Welt.

Die Spielgenehmigung für den SV Ober-Hainbrunn war laut Bernd Diemer kein Probleme. „Das läuft als internationaler Wechsel“, erläuterte er. Beim deutschen Tischtennisbund beantragt, war die Erlaubnis innerhalb von zwei Tagen da. Durch den Aufenthalt in Deutschland soll der 18-Jährige mit Unterstützung des indonesischen Verbands in seinen Fähigkeiten aufgebaut werden. Sein Besuch der Tischtennisschule wird von einer Firma des südostasiatischen Landes gesponsert.

Die Konversation läuft auf Englisch, so Bernd Diemer. Dabei sei Wahid sehr pfiffig und gebe die ihm unbekannten Worte in ein Übersetzungsprogramm auf dem Handy ein. Allerdings ist er das hiesige Klima nicht gewöhnt. „Ich fror heftig, als ich in Deutschland aus dem Flugzeug stieg“, sagt der 18-Jährige. Denn in seiner Heimat fallen die Temperaturen selten mal unter 25 Grad.

Odenwälder und Indonesier lernten auf der Fahrt von Hanau in den südlichen Odenwald viel voneinander. Wahid erzählte, dass sein Land nicht nur aus der Insel Bali besteht, sondern aus vielen anderen, größeren, so etwa auch Java mit der Hauptstadt Jakarta. Er ist wie die meisten seiner Landsleute Moslem. Vor dem Hintergrund seiner Religion „war ich sehr erstaunt und überrascht, dass es in Hirschhorn eine Moschee gibt“, meinte Habibie.

Auch Heidelberg hatte es dem Tischtennisspieler angetan. „Mit dem Wort ‚Castle‘ konnte er erst einmal nichts anfangen“, lächelte der Abteilungsleiter. Die Alte Brücke wiederum ist in Asien sehr bekannt. Wie sich der 18-Jährige überhaupt bei der Fahrt durch die kurpfälzische Stadt sehr interessiert zeigte. Nicht nur daran, sondern allgemein an den Gepflogenheiten seines Gastlandes für die kommenden drei Monate, freute sich Diemer.

Für den SV kam die Verstärkung wie gerufen. Derzeit rangieren die Aktiven an der grünen Platte nämlich auf Platz 10 von zwölf Bezirksliga-Teams. Weswegen es Diemer zufolge vorrangiges Ziel ist nicht abzusteigen. Durch die zwischenzeitliche Faschingsbelegung der Sporthalle ist man noch etwas mit den Spielen im Rückstand und will nun Boden gutmachen. Allerdings ist die Abteilung mit Spielern nicht allzu reich gesegnet. Um die 30 Mitglieder habe man derzeit, erläuterte der Abteilungsleiter.

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