Oberzent-Fusion: Beerfelder Stadtteile wie Falken-Gesäß sind dann nicht mehr „eingemeindet“

Die Oberzent-Fusion beschäftigt die Bürger. Ortsbeiratssitzungen in den Beerfelden Stadtteilen sind seit Wochen gut besucht, der Entwurf des Grenzänderungsvertrags wird hinterfragt, über den neuen Namen und andere Umstellungen gesprochen. So wie jetzt auch bei der Zusammenkunft in Falken-Gesäß, zu der ins Dorfgemeinschaftshaus über 30 Bürger kamen. Diese beteiligten sich rege an der Aussprache über dieses Thema. Tenor: Der neue Name „Oberzent“ wird für gut befunden und akzeptiert.

Christian Kehrer, Fusions-Projektleiter beim Kommunalservice Oberzent, war ebenso wie Bürgermeister Gottfried Görig zu der von Ortsvorsteher Manuel Schwinn geleiteten Sitzung gekommen. Kehrer stellte den Entwurf des Grenzänderungsvertrag vor und machte Werbung für die am 7. März stattfindende Bürgerversammlung zu diesem Thema in der Alten Turnhalle Beerfelden. „Am 6. März vergangenen Jahres haben sich die Bürger für die Fusion entschieden, das Thema ist durch“, betonte er.

Die Bürger hätten mit ihrem positiven Votum den Auftrag erteilt, diesen Grenzänderungsvertrag zu erarbeiten, machte er deutlich. Auch wenn im Entwurf der Name „Oberzent“ stehe, „haben die Einwohner dabei das letzte Wort“, rief er zu konstruktiven Namensvorschlägen auf. Die bisherigen Beerfelder Stadtrechte würden von der neuen Stadt übernommen, hätten aber nicht mehr die Bedeutung wie in früheren Zeiten. Eher „ein Titel ohne Mittel“, schmunzelte er.

Kehrer ging noch einmal auf den damaligen Bürgerentscheid ein. Wäre damals der Name „Beerfelden“ für die neue Stadt gesetzt worden, hätte das in den Augen der umliegenden Gemeinden eine Eingemeindung bedeutet und keine Fusion auf Augenhöhe. Er war sicher, dass unter diesen Vorzeichen die Rothenberger, Hessenecker und Sensbachtaler nicht (mehrheitlich) dafür gestimmt hätten. „Ich auch nicht“, meinte der Finkenbacher.

Aus den Vorstellungen des Grenzänderungsvertrags in den anderen Beerfelder Ortsteilen wusste er, dass der neue Name Oberzent kaum ein Thema ist. Wichtiger ist den Stadtteilbürgern eine Aussage, die auch in Falken-Gesäß deutlich wurde: „Wir sind dann nicht mehr nach Beerfelden eingemeindet.“ Die Ortsteile bekämen ihre alte Identität zurück. Wie übrigens die Kernstadt auch, so Kehrer.

Als ein „ganz spezifisches Thema“ bezeichnete er die Wappenkunde. Im 23. Entwurf kam man schließlich zur jetzigen Fassung. Kehrer erläuterte, wie sich Steuerungsgruppe und Heraldiker in ihren Vorstellungen langsam einander annäherten. So wies der Wappenkundler aufgrund des geschichtlichen Bezugs der Oberzent auf den Galgen als prägende Stätte hin. Was man aber im Arbeitskreis als unpassend für eine moderne, der Zukunft zugewandte Stadt empfunden habe.

Auch die bayrische weiß-blaue Raute wegen der Verleihung der Stadtrechte durch König Ludwig und Bezüge auf den Bischof von Worms wurden wieder verworfen. „Die Tendenz ging dann Richtung Allianzwappen“, so Kehrer. Erst in Kreuzform, dann in Schrägstellung. Dabei stellte sich auch die Frage, wie die bisherigen insgesamt acht Sterne aus den vier Wappen untergebracht werden könnten. Das Erbacher Grafenwappen sei nun durch die Farbe Rot-Weiß und zwei Sterne vertreten.

„Man kann nicht von jedem alles nehmen“, betonte der Projektleiter das „gemeinsame“ Wappen. Wenn man etwa die drei Sterne von Beerfelden mit unterbringen wolle, „wird der Bär kleiner“, beantwortete er eine Frage. „Name und Wappen sind emotional“, wusste Kehrer. Das hessische Staatsarchiv habe zur aktuellen Wappens-Fassung bereits sein Okay gegeben. Auch aus der Bürger-Runde kamen keine negativen Äußerungen. Eher die Feststellung, dass ja auch Rothenberg seinen Adler habe aufgeben müssen – eben ein Geben und Nehmen.

KSO-Mitarbeiter Christian Kehrer zeigte beispielhaft ein Ortsschild, wie es bei einer Festlegung auf den Namen „Oberzent“ aussehen könnte. Er wies darauf hin, dass im Zuge einer gleichberechtigten Fusion alle Bürger Veränderungen herbeiführen müssten. Von Stadtseite her gebe es ein großes Maß an Unterstützung. So erfolgten etwa Änderungen in Personalausweis und Fahrzeugschein kostenlos. Auch stehe man mit anderen Behörden in Kontakt, um einen möglichst reibungslosen Übergang zu schaffen. Seitens der Post sei gewährleistet, dass Briefe und Pakete mit der alten Anschrift noch über Jahre hinaus zugestellt würden.

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