Grünen-Fraktion: Stadtführungen sollten in Beerfelden regelmäßig angeboten werden – Tour mit der Landtagsabgeordneten

Die Oberzent-Stadt früher und heute: Die Stadtverordneten-Fraktion der Grünen hatte zu einem Rundgang eingeladen. Gäste waren unter anderem die Landtagsabgeordnete Martina Feldmayer und der Bundestags-Direktkandidat Frank Diefenbach. Diese ließen sich zusammen mit den anderen Interessierten von Flora Berger die markantesten Punkte Beerfeldens näher bringen. Und konnten am Zwölfröhrenbrunnen aufgrund des guten Wetters gleich in Augenschein nehmen, wie belastend und wenig einladend die Verkehrssituation durch die vielen Fahrzeuge ist.

Fraktionsvorsitzende Elisabeth Bühler-Kowarsch, die die Gäste auch begrüßte, äußerte die Hoffnung, dass sich durch die Umgestaltung des Bereichs der Mümlingtalstraße zwischen Metzkeil und Brunnengasse auch eine veränderte, verbesserte Aufenthaltsqualität ergebe. Sie wies darauf hin, dass es bereits vor drei Jahren einen (beschlossenen) Antrag der Grünen gegeben habe, regelmäßig öffentliche Stadtführungen anzubieten. „Leider wurde dieser bisher nicht umgesetzt“, bedauerte sie.

Womit die Tour mit Flora Berger, der mit 16 Jahren jüngsten Stadtführerin des Odenwaldkreises, eine Premiere war. „Der Stadtrundgang hat gezeigt, dass solche Führungen Menschen für die Oberzent begeistern können. Auf engem Raum gibt es viel zu sehen“, bilanzierte Bühler-Kowarsch. Denn trotz des Stadtbrandes von 1810, der 90 Prozent der Wohnhäuser vernichtete, ist Beerfelden reich an Kulturdenkmälern.

Das sah auch Martina Feldmayer so. Sie hob die interessanten Info-Tafeln an den verschiedenen Gebäuden hervor und lobte die gute und informative Stadtführung durch Flora Berger. „Die interessante Stadtgeschichte wurde anschaulich dargestellt“, freute sie sich. Feldmayer brachte die Idee von Themenführungen ins Spiel: Nationalsozialismus in Beerfelden, Gerichtsbarkeit oder mittelalterliches Beerfelden. Auch nahm sie mit nach Wiesbaden, die Möglichkeit des Landes für eine Tourismus-Initiative der neuen Oberzent-Stadt zu prüfen.

Die Abgeordnete betonte, dass die Unterstützung des ländlichn Raumes wichtig für die Grünen im Landtag sei. „Es muss sich nicht alles in den Städten abspielen“, sagte sie. Deshalb sei auch die Rückverlagerung von Betriebsprüfungen des Finanzamts nach Michelstadt ein gutes Zeichen. Neben dem Schülerticket, „das wir uns lange gewünscht haben“, und mit dem Heranwachsende für einen Euro im Jahr ganz Hessen erleben könnten.

Jugendherberge, Kindergarten, Centgericht, Galgen, Knast, Molkerei, Synagoge, Rathaus, Metzkeil Kirchenpfädchen, jüdisches Gemeindehaus, Waschbrunnen und Viehtränke waren nur einige der Punkte, die Flora Berger den Mitwanderern vorstellte. Sie hatte dazu eine Odenwälder Tracht „für normale Tage“ angezogen. Die festliche Variante dazu gibt es auch. Die Haube musste man anziehen, „wenn man verheiratet war“, erläuterte sie. Daher stamme auch der Begriff „unter die Haube kommen“.

Berger ging darauf ein, wie aus dem Burifelden unter Karl dem Großen Buerenfelden bei der Stadtgründung 1318 wurde. 1621 gab es das Stadtwappen mit dem Bären, weil dieser einen ähnlichen Klang wie der alte Namen hatte. Wie das Leben in der alten Zeit vor sich ging, erklärte sie mit Blick auf das Oberzent-Museum direkt hinter dem Zwölfröhrenbrunnen. Es sei typisch für die nach 1810 wieder erbauten Häuser.

Der Brunnen wiederum war bis zur Verlegung der Wasserleitungen 1898 die zentrale und wichtigste Wasserentnahmestelle in der Stadt. Die Löwenköpfe weisen auf den Grafen von Erbach als Herrscher hin. „Früher gab es hier auch eine ganze Parkanlage“, sagte Flora Berger. Leider seien viele alte Dokumente aus der Stadtgeschichte nicht mehr erhalten.

Am Bürgerhaus wies sie darauf hin, dass dies früher als Rathaus diente und dann zur Volksschule wurde, als im Kirchengebäude nicht mehr genug Platz war. Beerfelden als kirchliches Zentrum hatte die meiste Zeit wie heute zwei Pfarrer, so Flora Berger. Thema ihrer Führung war auch das durch den Grafen „geklaute“ Fenster der Martinskirche, das dadurch aber die Zerstörung im großen Brand überlebte und heute wieder an alter Stelle hängt.

 

Info: Flora Berger kann für Stadtführungen gebucht werden bei der Gärtnerei Berger, dem Generationenverein und direkt unter flora@gaertnerei-berger.de. „Oder direkt ansprechen“, meint sie lächelnd. Die Führungen erfolgen ehrenamtlich und sind kostenlos.

Advertisements