Beim Bio-Bauernhof Zimmermann in Beerfelden können am Automaten frische Milch gezapft und Eier gezogen werden

„Blüte“ gibt Bio-Milch. Zusammen mit 69 anderen Fleckviehkühen. Und diesen leckeren Trunk bekommt nicht nur die Molkerei, sondern können Milchtrinker aus der Region auch direkt aus dem Automaten am Bauernhof Zimmermann im Walterbachweg zapfen. „Flotte Lotte“ nennt sich die Biomilchtankstelle. Gleich daneben: die „flotte Henne“, der Eierautomat, wo sich die Bio-Produkte der 220 Hühner ziehen lassen, die rund um den Hof auf den Wiesen gackern.

Bei „Blüte“ handelt es sich um die „Miss Beerfelden“ des Pferdemarkts von 2016. Sie ist der ganze Stolz von Christian Zimmermann, der den Familienbetrieb leitet. Denn die Kuh wurde bereits auch schon zwei Mal Hessen-Champion auf der Landesschau. Derzeit steht sie noch im Stall oberhalb des Bauernhofs, doch demnächst geht es mit ihren Artgenossen raus auf die Kurzgrasweide.

Christian Zimmermann ist „Milchviehhalter aus Leidenschaft“. Er hat 70 Fleckviehkühe mit weiblicher Nachzucht im Stall. Wie er erläutert, wurden die Milchkühe seit 2008 größtenteils homöopathisch behandelt. Ab dem Spätjahr 2010 durfte er dann seine Milch mit dem Zusatz Bio verkaufen. Die Kühe stehen auf 65 Hektar Land. Denn die Rechnung ist ganz einfach: „pro Kuh etwa ein Hektar“, so Zimmermann. Durch die Verwendung von Weidetränken muss der Bio-Landwirt nicht mit Tankwagen auf die Wiesen fahren.

Seitdem er auf Bio-Milch umgestellt hat, rechnet sich laut Zimmermann die Milchviehhaltung wieder. Denn er bekommt rund 50 Cent für den Liter. Pro Hektar beweideter Fläche kommt er auf 8350 Liter pro Milchkuh. 1000 Liter sind es etwa pro Tag, die an die Molkerei gehen. Weil er große Weideflächen zur Verfügung hat, gibt es dem Landwirt zufolge weniger Trittschäden. Weswegen Zimmermann sagt, dass das Weidesystem dem Betrieb Arbeit, Zeit und Geld spart. Es bedeute „ein Stück Lebensqualität“, auch wenn die Erträge manchmal geringer seien.

Für Zimmermann hat sich die jährliche Arbeit verändert. Die Kurzgraswiesen muss er nicht mehr nachmähen, und auch selten nachsäen. Denn die Kühe dürfen schon früh im Jahr nach draußen. „Bis Ende September fressen die praktisch nichts anderes als Gras und etwas Kraftfutter im Melkstand“, erläutert er. Eine Melkpause gibt es nicht. Außerdem kommt ein Bulle mit auf die Weide, damit alle Kühe trächtig werden. Die Kälber kommen in der Regel von Ende Dezember bis Ende März auf die Welt.

Mit viel Grün- und wenig Ackerland „war ich schon vorher nicht weit von Bio-Kriterien entfernt“, so Zimmermann. Mit der Kurzrasenweide hatte er bereits 2006 begonnen und dabei Erfahrungen aus der Schweiz mit einfließen lassen. Die Milchpreiskrise 2008 gab den Ausschlag. Da sowieso ein Stallbau in der Diskussion stand, wurden gleich Nägel mit Köpfen gemacht. „Seitdem habe es ich es noch nicht bereut“, sagt der 36-Jährige.

Preisschwankungen gibt es auch, „aber nicht so stark wie auf dem konventionellen Markt“. Dazu kommt, dass Bio-Milch in Deutschland stark nachgefragt werde. „Der Markt wächst“, so Zimmermann. Schneller, als Betriebe auf Bio umstellten, sagt er. „Es gibt eine sichere Käuferschicht.“ 3,6 Prozent Fett hat die Bio-Milch im Sommer, 4,2 Prozent im Winter. Dazu noch hohe Omega-3-Fettsäurewerte durch das viele Gras.

Seit vergangenen Oktober hat Zimmermann außerdem ein „Hühnermobil“, einen mobilen Hühnerstall. Der wird alle zwei Wochen mit dem Schlepper auf eine andere Wiese versetzt. Dadurch werde die Grasnarbe geschont und Überdüngung vermieden. Für die 220 Hühner gibt es einen geregelten Tagesablauf. Morgens um 10 öffnet sich die Klappe und schließt sich wieder eine Stunde nach Dämmerung. 150 bis 160 Eier legen die Tiere pro Tag. Das Mobil ist autark, Zimmermann muss nur einmal die Woche misten, Wasser und Futter nachfüllen. Zwei Solarpanele erzeugen Strom.

Während es die Milchtankstelle schon zehn Jahre gibt, kam der Eierautomat erst jetzt hinzu. Von den Hühnern, laut Zimmermann eine „Zweinutzungsrasse“, nimmt er dem Züchter genauso viele männliche wie weibliche ab. Damit werde Kükentöten vermieden. Die Bruderhähne werden 100 bis 120 Tage gemästet. Die ersten Masthähnchenküken bekommt er diesen April. Am Eierautomat hängt dann eine Liste, in die sich Interessierte eintragen können.

Den Bauernhof im Beerfelder Walterbachweg kaufte 1926 Urgroßvater Fritz Zimmermann. Milch, Vieh, Schweine und Pferde hielt der aus Pleutersbach stammende damals auf dem Hof. Vom Neckar war er auf die Höhe gekommen, weil im heutigen Eberbacher Stadtteil alles sehr beengt zuging. Aktuell wird der Hof somit in vierter Generation bewirtschaftet. Seit Juli 2014 ist der 36-jährige Urenkel Christian Inhaber. Zuvor führte er den Betrieb zehn Jahre lang mit seinen Eltern als Familien-GbR. Beide helfen aber ebenso wie der Bruder noch mit, wenn Not am Mann ist. Seit Oktober 2010 wird auf dem Bauernhof Bio-Milch produziert, die an die Milchwerke Oberfranken-West geht. Haupterwerb ist die Milchviehhaltung mit etwa 70 Kühen. Dazu kommen 220 Hühner.

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