Volksbank und Sparkasse machen in Rothenberg dicht – Geldautomat bleibt

Zur Jahresmitte ziehen sich die beiden Banken mit ihren Geschäftsstellen aus dem Ort zurück. Zum 1. Juni schließt die Volksbank Odenwald gegenüber des Rathauses ihre Pforten für immer, am 1. Juli macht auch die Sparkasse Odenwaldkreis am Metzkeil dicht. Kleiner Trost: Es bleibt dort ein Geldautomat mit Kontoauszugsdrucker und Überweisungsterminal erhalten, den sich dann die Kunden beider Kreditinstitute teilen. Die nächstgelegenen Filialen befinden sich dann im zehn Kilometer entfernten Beerfelden.

Bürgermeister Hans Heinz Keursten machte aber deutlich, dass diese Schließung „nichts mit der Oberzent-Fusion zu tun hat“. Ausschlaggebend seien das veränderte Kundenverhalten und das immer stärker genutzte Online-Banking. Seitens der Sparkasse weist man auch darauf hin, dass es einen deutlichen Rückgang der Geschäftsstellenbesuche und Barposten gegeben habe. Die Filiale sei bisher nur noch einige Stunden in der Woche geöffnet gewesen. Die Kosten dafür waren laut Mitteilung „nicht mehr wirtschaftlich“ – vor allem im Niedrigzinsumfeld und in Zeiten der Internet-Nutzung.

Während die Sparkasse in Rothenberg für die künftige Nutzung im Juni umgebaut wird, können deren Kunden in dieser Zeit kostenfrei den Geldautomaten der Volksbank mitnutzen. Ab 1. Juli sind dann beide Institute automatenmäßig im Metzkeil vereint. Von Bürgermeister Keursten kam der Vorschlag an die Banken, dass der Automat stattdessen seine Heimat im Rathaus finden solle. Damit werde die Ortsmitte im Bereich Metzger, Kindergarten und Bäcker gestärkt, meinte er. Das soll abgeprüft werden.

Beide Kreditinstitute verweisen die Rothenberger Kunden an ihre Geschäftsstellen in Beerfelden. Für die Sparkasse kommt mittwochs von 10.15 bis 12 Uhr noch die mobile Geschäftsstelle in Rothenberg vorbei und hält am Metzkeil. Die Banken bewerben außerdem ihr Online- und Mobilangebot und die Nutzbarkeit des telefonischen Servicecenters.

Gerade für die Attraktivität des Wohnens auf dem Land hält Keursten bei allem Verständnis für das wirtschaftliche Handeln den Rückzug aus der Fläche für kontraproduktiv. Denn es seien doch die nicht mehr so mobilen und gleichzeitig nicht mit dem Internet-Banking vertrauten älteren Einwohner, die davon betroffen seien und jetzt weite Wege auf sich nehmen müssten. Und das bei einem schlechten ÖPNV-Angebot Richtung Beerfelden.

Nicht auf die Bürger, aber auf die Kommunen könnten Mehrkosten durch neue Geschäftsbedingungen der Banken zukommen. Wie Tina Bartmann, Verwaltungsleiterin des Kommunalservice Oberzent, sagte, gebe es eine Vorabinfo der Volksbank, dass 0,4 Prozent Strafzinsen für Einlagen über 500.000 Euro eingeführt werden sollen. Pro Konto seien noch einmal 25.000 Euro zinsfrei.

Das betreffe aufgrund der Höhe im Moment nur Beerfelden. „Wir haben die Gelder dort nun auf die Sparkasse umgebucht.“ Solange diese nicht nachzieht, „haben wir also aktuell noch keine Zinsen zu zahlen“. Allerdings bekomme man auch keine mehr. Im Haushalt sei hierfür noch nichts vorgesehen. Da die vorhandenen Geldmittel zur Finanzierung von Investitionen 2017 eingeplant seien, hofft sie, „dass sich die Kontenbestände reduziert haben, bis tatsächlich Strafzahlungen anfallen“.

Im benachbarten Kreis Bergstraße ist es die Sparkasse Starkenburg, die bereits ernst gemacht hat. Dort fallen seit 1. April für die Gemeinden 0,4 Prozent Strafzinsen ab einer Einlagenhöhe von 250.000 Euro an, dazu noch Gebühren für jede Kontobewegung. Ab 4000 Euro (Hirschhorn) aufwärts reichen die Mehrkosten bei den Gemeinden – bis zu einem hohen vierstelligen Bereich (Wald-Michelbach). Man geht dort den umgekehrten Weg und bucht Gelder zu den Volksbanken um, solange diese noch keine Gebühren erheben.

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