Vorstufe des Gesundheitszentrums nimmt in Beerfelden Gestalt an

Die Vorstufe des Gesundheitsversorgungszentrums (GVZ) in der Oberzent nimmt Gestalt an. Im Laufe des zweiten Quartals sollen sich Ärzte, Therapeuten und Selbsthilfegruppen in der Zwischenlösung, in den Breimer-Räumen in der unteren Mümlingtalstraße, ansiedeln, sagten jetzt Bürgermeister Gottfried Görig und Elke Kessler von ASD Concepts. Sukzessive gedenkt man dann, das dortige Angebot auszuweiten. Endstufe des Projekts wäre ein Neubau zwischen Oberzent-Schule und Seniorenzentrum Henneböhl, bis zu dessen Realisierung es aber noch einige Vorarbeiten zu erledigen gilt.

Der Mietvertrag für die Übergangslösung ist bereits unterschriftsreif, so Bürgermeister Görig. Jetzt muss noch das Okay dafür aus den vier Gemeindeverwaltungen kommen, die das Projekt gemeinsam stemmen. Neben Beerfelden sind das Rothenberg, Hesseneck und Sensbachtal. Dann sollen im barrierefreien zweiten Obergeschoss des Gebäudes Sprechstunden von verschiedenen Fachärzten aus dem Erbacher/Michelstadter Raum abgehalten werden.

Fix sind bereits Gynäkologe, Urologe und Neurologe, außerdem ein Psychotherapeut. Geplant ist laut Kessler, dass es jeweils feste Tage für die Sprechstunden gibt. Im Gespräch ist ihren Worten zufolge auch die Ansiedlung eines Augenarztes. Daneben haben verschiedene soziale Einrichtungen Interesse bekundet, dort Sprechstunden und Gruppenangebote einzurichten: Caritas, Diakonisches Werk und andere. Das GVZ-Büro und der Patientencoach kommen mit hinzu. Zum Start werden 300 Quadratmeter Fläche in Anspruch genommen, Luft nach oben ist bis zu 550 qm.

„Wir wollen ein Zeichen setzen, dass sich etwas tut“, betonte Görig. Der jetzige Standort sei als Zwischenlösung zu verstehen, bis das in der Bevölkerung „Ärztehaus“ genannte neue GVZ in Angriff genommen wird. Denn selbst bei einer schnellen Realisierung dürften bis zur Fertigstellung mindestens zwei Jahre vergehen. Das wäre aber verlorene Zeit, denn neben den Fachärzten mangelt es in der Oberzent vor allem auch an Hausärzten.

„Zwei Praxen in Beerfelden und eine in Rothenberg sind zu wenig für über 10.000 Einwohner“, so Kessler. Das bedeute einen fiktiven Versorgungsgrad für die Region Oberzent von lediglich 65 Prozent. Im Gegenzug sei aber entsprechend den vorliegenden Prognosen ein Drittel der Bevölkerung bald über 65 Jahre alt. Die Senioren hätten häufig mehrere Erkrankungen parallel. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Haus- und Fachärzten und anderen Berufsgruppen mit möglichst kurzen Wegen für die Patienten wird deshalb immer wichtiger. Der Patientencoach wiederum sorge für die Begleitung von Patienten in speziellen Situationen.

„Wichtig und innovativ“ ist Kessler zufolge der in Beerfelden gewählte Ansatz deshalb, weil man nicht nur den Fokus auf die körperliche, sondern auch auf die psychische und soziale Gesundheit lege. Und somit Netzwerkstrukturen schaffe. Denn „es geht nicht nur darum, die Ärzte anzusiedeln“, sondern ebenfalls die Anbindung zu schaffen. Der Patient müsse zum Arzt kommen und umgekehrt. Dies vor dem Hintergrund, dass in den Ortsteilen oft noch mehr ältere Menschen wohnen als in der Kernstadt.

Görig betonte darüber hinaus, dass die Ärzteansiedlung auch einen nicht zu unterschätzenden wirtschaftlichen Faktor habe. Denn wer zum Arztbesuch nach Beerfelden komme, der gehe dort auch einkaufen und mache weitere Erledigungen. Die Entwicklung des neuen Gebäudes soll im Laufe des Jahres vorangetrieben werden, hob der Bürgermeister hervor. Es gelte noch zusätzliche Ärzte zu finden, um dort loslegen zu können. Wie Kessler ergänzte, soll die Gesundheitsprävention mit dem Schwerpunkt Wirbelsäule ein weiteres Standbein des GVZ werden.

Auch wenn das Breimer-Gebäude am Stadtausgang Richtung Hetzbach liegt, sehen es beide „nicht ab vom Schuss“. Es liegt direkt an der B 45, die Busanbindung dorthin sei gut. Es gebe daneben viele Parkplätze. Die sind sowieso sehr wichtig, sagte Görig. Denn die Suche nach einem geeigneten, näher an der Stadtmitte gelegenen Gebäude oder Gelände scheiterte unter anderem daran.

Advertisements