Das Projekt „Aufeinander zugehen“ von Oberzent-Schule Beerfelden und Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl findet bei Schülern und Senioren viel Anklang

Jung und Alt lernen voneinander, bauen Vorurteile ab, gehen aufeinander zu. Und genauso, „Aufeinander zugehen“, heißt auch das Projekt an der Oberzent-Schule, das diese gemeinsam mit der benachbarten Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl durchführt. Neunt- und Zehntklässler besuchen im Rahmen ihres Ethik- und Religionsunterrichts an einem Tag in der Woche die älteren Menschen und gestalten ihre Zeit zusammen. Für beide Seiten sehr fruchtbar, wie ein Besuch in den drei Gruppen zeigte.

„Es ist schön, dass auf diese Weise Leben reinkommt“, sagte Heimleiter Michael Vetter. Die Schüler seien „sehr engagiert dabei“ und könnten so von den Bewohnern die eine oder andere Geschichte über das Leben in früheren Jahrzehnten erfahren. „Manche Bewohner verpassen keine Freitagsgruppe mit den Jugendlichen“, wusste Pflegedienstleiterin Angela Scheil.

Was auch Helga Sattler unterstrich: „Es klappt ganz toll mit den Schülern“, unterstrich die Seniorin, Teilnehmerin in der Sportgruppe. „Wir freuen uns immer sehr auf ihren Besuch.“ Wenn den Älteren mal etwas keinen Spaß machen sollte, „dann werden die das schon merken“, schmunzelte sie. Denn, so stellte sie fest, „die Jugendlichen verlassen sich auf unsere Rückmeldung“.

Oftmals seien die Heranwachsenden in einem schwierigen Alter und hätten ihre eigenen Probleme, meinte Scheil. Wovon man aber in der Seniorenresidenz nichts merke: „Ich höre immer wieder von Bewohnern und Betreuungskräften, dass alle sehr freundlich und den Älteren zugewandt sind“, sagte sie. Was Helga Sattler bekräftigte: „Wir werden wie die eigenen Großeltern behandelt“, freute sie sich.

Den Besuch einer Schülergruppe – es ist der dritte im laufenden Schuljahr – „können wir uns gar nicht mehr wegdenken“, unterstrich Scheil. Der Unterricht bekommt laut Oberzent-Schulleiter Bernd Siefert „eine andere Komponente“, wenn er nicht nur theoretisch orientiert sei, sondern die Jugendlichen nach draußen gehen und mit anderen ins Gespräch kommen. Das kommt auch bei den Schülern gut an: „Wir hatten mehr Anfragen als verfügbare Plätze“, sagte Ethik-Lehrerin Juliane Rapp.

Auf Seiten der Seniorenresidenz koordiniert Michaela Maurer das Projekt. Jede Gruppe besteht aus 20 bis 24 Schülern, sagte sie, pro Schuljahr sind es drei Stück. Die anfängliche Skepsis auf beiden Seiten weicht ihrer Beobachtung nach bald einem fast innigen Verhältnis. „Wenn Ferien sind und der etatmäßige Freitag ausfällt, gibt es betrübte Nachfragen der Senioren“, berichtete sie. Denn die rechnen inzwischen fest mit dem Angebot, nachdem zu Beginn des Projekts die Vorbehalte groß waren, „ob die jungen Leute uns verstehen“.

Auf der anderen Seite seien die Jugendlichen traurig, wenn die sechs Wochen vorbei sind – und fragen, ob sie wiederkommen dürfen. „Manche haben eine emotionale Verbindung aufgebaut und wollen ihre Lieblingsomi wieder besuchen“, schmunzelte sie. Denn die frühere Großfamilie unter einem Dach gebe es nicht mehr. Die Großeltern wohnten oft weit entfernt.

Für die „Seele der alten Leutchen“ sei es ganz wichtig, dass sich Jüngere für sie interessieren, so Maurer. Ob es nun Gymnastik von Kopf bis Fuß ist, Memory-Spiele oder Berufe raten sowie Brettspiele oder Gedächtnistraining: Jung und Alt sind in die verschiedenen Aktivitäten vertieft. Das geht dann schon so weit, dass sich die Senioren den Besuch der Angehörigen an einem anderen Tag als dem Freitag wünschten, lächelte Scheil.

Die letztjährigen Berichte der Teilnehmer sorgten nach der Beobachtung von Juliane Rapp dafür, dass sich auch der diesjährige Jahrgang so stark dafür interessierte. „Die haben tolle Erfahrungen gesammelt“, berichtete sie. Von einer „lebenden und lebendigen Schule“ sprach in diesem Zusammenhang Bernd Siefert. Es gab viele positive Rückmeldungen. Umgekehrt genauso: „Ich hätte nie gedacht, dass das ein solcher Renner wird“, so Angela Scheil. Weshalb sich alle einig waren, das Projekt auch im nächsten Schuljahr fortzusetzen.

Wie kommt das Projekt „Aufeinander zugehen“ bei den Schülern an? „Wir machen jeden Freitag verschiedene Spiele“, meint Xenia. Im Umgang mit an Demenz leidenden Senioren kann sie auch Erfahrungen fürs familiäre Umfeld sammeln. Am Anfang, gesteht sie, „war es etwas schwerer, als ich es mir vorgestellt habe“. Im Laufe der verschiedenen Besuche wurde es aber einfacher.

Was auch die ebenfalls 15-jährige Mattea betont: „Man muss Geduld haben und darf nicht locker lassen“, sagt sie. Ihre anfänglichen Bedenken legten sich. „Die älteren Menschen sind nett und offen“, beobachtet sie. Sie fassten nach und nach Vertrauen und erinnerten sich auch immer wieder an Geschichten von früher. Wie rührend sich die Neuntklässler um die Senioren kümmerten, zeigten sie auch am Ende der Gruppenstunde, als sie diese mit ihren Gehhilfen und Rollatoren fürsorglich zum Fahrstuhl begleiteten.

 

Advertisements